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Betreff: Gedenktafel für Alfred Hessel
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:41-Fachbereich Kultur   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschuss Stadthalle Kenntnisnahme
18.10.2012 
8. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschusses der Stadthalle (offen)   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Antrag

Antrag

Der Antrag auf Anbringung einer Gedenktafel für Alfred Hessel wurde am 15. Februar 2012 von Herrn Karl-Udo Bigott gestellt. Der Antrag wird durch das Gutachten des Denkmalbeauftragten der Universität Herrn Prof. Dr. Peter Aufgebauer befürwortet. Die Gedenktafel soll am Gebäude Herzberger Landstraße 50, in dem Hessel 1927 bis zu seinem Tode 1939 wohnte, angebracht werden. Das Einverständnis des Eigentümers liegt vor. Die Tafel soll folgenden Text erhalten:

Alfred Hessel

Historiker

1927-1939

 

Lebensdaten

Alfred Hessel wurde als Sohn eines Kaufmanns und Bankiers am 7. Juni 1877 in Stettin geboren. Ab 1895 studierte er Geschichte, Philosophie und Volkswirtschaft in Heidelberg, München und Berlin, wo er 1899 promoviert wurde. Aufgrund seiner 1910 publizierten Geschichte Bolognas im 12. und 13. Jahrhundert habilitierte er sich 1914 an der Universität Straßburg für Mittlere und Neuere Geschichte. Nach dem I. Weltkrieg habilitierte er sich an die Universität Göttingen um, wo er ab 1919 als Privatdozent lehrte. Auf Anregung Karl Brandis erhielt er ab 1922 eine Stelle als Bibliothekar in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Göttingen und war zugleich seit 1924 Mitdirektor des Diplomatischen Apparats. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde Hessel 1935 von seinen Lehrverpflichtungen entbunden und als Bibliothekar in den Ruhestand versetzt. Ende 1938 scheint Hessel den Entschluss zur Emigration aus Deutschland gefasst zu haben, konnte diesen Plan vor seinem Tod aber nicht mehr durchführen. Er starb am 18. Mai 1939 in Göttingen. 

 

Bedeutung

Alfred Hessel ist für die Göttinger (Universitäts-)Geschichte in doppelter Hinsicht von Bedeutung. Zum einen war er ein hochqualifizierter Historiker und vor allem Hilfswissenschaftler, der durch seine Lehrtätigkeit großen Einfluss auf die Entwicklung der Deutschen Geschichtswissenschaft ausübte. Seine für Göttingen wichtigste wissenschaftliche Leistung war die Erarbeitung der Geschichte der Universitätsbibliothek, die ihm im Vorfeld des 200. Universitätsjubiläums übertragen worden war. Mit diesem Vorhaben verbindet sich zugleich der zweite Aspekt seiner Bedeutung für Göttingen: Sein exemplarisches Schicksal als Wissenschaftler jüdischer Herkunft. Die Geschichte der Universitätsbibliothek erschien 1937, ohne dass sein Name erwähnt oder sonst auf seine Autorenschaft hingewiesen wurde. Bereits zwei Jahre zuvor und noch vor dem Erlass der Nürnberger Rassengesetze am 15. September 1935 war vom damaligen Dekan der Philosophischen Fakultät seine Entfernung aus dem Amt beantragt worden. Und nach seinem Tod verhinderte der städtische Friedhofsdezernent entgegen der geltenden Friedhofsatzung die Bestattung Hessels auf dem städtischen Friedhof.

 

 

 

 
 

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