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Betreff: Erstellung des Klimaplans Verkehrsentwicklung (Fortschreibung Verkehrsentwicklungsplan) der Stadt Göttingen
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:61-Fachbereich Planung, Bauordnung und Vermessung   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke Kenntnisnahme
09.06.2011 
73. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke geändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:             

Der Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke nimmt den Bericht der Verwaltung zustimmend zur Kenntnis.

Begründung:

Begründung:

 

1.              Anlass und Ziel der Erstellung des Klimaplans Verkehrsentwicklung (Fortschreibung VEP)

Der bestehende Verkehrsentwicklungsplan (VEP) der Stadt Göttingen als zentrales verkehrsträger­über­greifen­des Planwerk der städtischen Verkehrsplanung wurde im März 2000 vom Rat be­schlos­sen.

Nach intensiver Meinungsbildung in der Verwaltung sowie Beratung mit Gutachter und projekt­be­glei­tendem Beirat wurde damals das Szenario "Wandel“ der künftigen Verkehrsent­wicklung zugrundegelegt. Das Szenario "Wandel“ verfolgte das Ziel, die verschiedenen Ver­kehrs­arten (MIV, ÖPNV und nichtmotorisierter Verkehr) gleichbe­rech­tigt in der Verkehrs­planung zu berücksichtigen und insbesondere durch Verbesse­rungs­maß­nahmen für den ÖPNV, den Fahrrad- und den Fußgängerverkehr den Umweltverbund zu stärken.

Aufgrund der Tatsache, dass eine Vielzahl der Maßnahmen für die einzelnen Verkehrsarten bereits umgesetzt sind und Themen wie Umwelt/Klima (aktuell: Luftreinhalte- und Lärmminde­rungs­planung), Mobilitäts-/Verkehrsmanagement und Demographischer Wandel (Nachfrage­veränderungen und veränderte Mobilitätsan­sprü­che einer allgemein alternden Bevölkerung) in der Verkehrsplanung zunehmend an Bedeutung gewinnen, strebt die Verwaltung eine Überar­bei­tung des VEP in den Jahren 2011 ff. an.

Der fortzuschreibende Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Göttingen (VEP 2020/2025), der die strategischen Ziele und Handlungsschwerpunkte der Verkehrsplanung der Stadt Göttingen für die nächsten 10 bis 15 Jahre festzulegen hat, soll auf die guten Erfahrungen/Handlungsansätze der vergangenen zehn Jahre aufbauen und eine weitere positive Veränderung der Verkehrsmittelwahl zugunsten des Umweltverbundes zum Ziel haben.

Diese Zielsetzung steht auch im Einklang mit den Klimaschutzzielen der Stadt Göttingen. So hat sich die Stadt Göttingen im Integrierten Klimaschutzkonzept für das Stadtgebiet verpflichtet, entsprechend der Zielvorgabe der Bundesregierung eine CO2-Minderung um 40 Prozent bis 2020 zu erreichen (Basisjahr: 1990). Über das Jahr 2020 hinaus soll eine CO2-Reduzierung um 50% bis 2030 und um annähernd 100% bis 2050 erreicht werden.

Da die Verkehrsentwicklungsplanung und die Stadtentwicklungsplanung eng miteinander verknüpft und abgestimmt sein müssen, ist die Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes aufbauend auf den bestehenden städtischen Rahmenplanungen sowie in enger Verzahnung mit den derzeit in Bearbeitung befindlichen Fachplanungen zu erstellen. Dazu zählen:

·          Städtebauliches Leitbild 2020

·          Innenstadtleitbild (Ratsbeschluss geplant in 2011)

·          Luftreinhalteplan (LRP, Ratsbeschluss im Dezember 2008; derzeit: Fortschreibung)

·          Lärmminderungsplan (LMP, in Bearbeitung)

·          Nahverkehrsplan (NVP, Fortschreibung in 2011/2012)

·          Flächennutzungsplan (FNP, Neuaufstellung in 2011 ff.)

·          Klimaplan Stadtentwicklung (Erarbeitung in 2011 ff.)

·          Masterplan 100% Klimaschutz (? abhängig von einer möglichen Förderung)

 

2.              Leistungsumfang/Inhaltliche Bausteine

Vorbemerkung:

Das Thema Klimaschutz ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft, das auch auf lokaler Ebene von großer Bedeutung ist.

Das städtische Maßnahmenpaket zum Klimaschutzkonzept der Stadt Göttingen wurde am 07.05.2010 im Rat beschlossen. Der Verkehrssektor wurde im Klimaschutzkonzept zunächst ausgeklammert, um die themen- und verkehrsträgerübergreifenden Ansätze zur CO2-Minderung im Rahmen der Verkehrsentwicklungsplanfortschreibung festzulegen.

Als Ergebnis des Planungsprozesses soll ein Integriertes Handlungskonzept stehen, das aufführt, welche Maßnahmen kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt werden sollen.

Der Verkehrsentwicklungsplan 2020/2025 soll die dreistufige Verkehrsstrategie der Stadt Göttingen "Verkehr vermeiden", "Verkehr verlagern", "Verkehr verträglich abwickeln" verinnerlichen, um mit dieser Zielausrichtung, die eine konsequente Förderung des Umweltverbundes – bestehend aus ÖPNV sowie Fuß- und Radverkehr – voraussetzt, die verkehrsbedingten CO2-Emissionen entscheidend zu reduzieren.

Als Zielzahl dient dabei die Vorgabe der Bundesregierung, eine 40%ige CO2-Reduktion bis zum Jahr 2020 zu erreichen (im Vergleich zu 1990). Über das Jahr 2020 hinaus soll eine CO2-Reduzierung um 50% bis 2030 und um annähernd 100% bis 2050 erzielt werden.

 

Unter Berücksichtigung dieser Leitlinien sollen im Rahmen der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans folgende Bausteine gutachterlich erarbeitet werden:

2.1   Aufnahme der örtlichen Situation; insbesondere

·         Sichten und Auswerten aller bestehenden verkehrsrelevanten Fachplanungen und Gutachten der Stadt Göttingen

·         Zusammentragen der Mängel und Aufzeigen der Potenziale aufbauend auf den Evaluationsergebnissen zum bestehenden Verkehrsentwicklungsplan (VEP 2000)

2.2 Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Verkehrserhebungen

Gemäß einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit verzeichnet die Stadt Göttingen Einpendlerströme von täglich ca. 33.000 Erwerbstätigen.

Eine differenzierte Aussage, wie viele der täglich einpendelnden Erwerbstätigen mit dem Rad, dem Bus, der Bahn und dem Auto nach Göttingen fahren ist bisher genauso unbekannt wie die Frage, wo sich die genauen Ziele der einpendelnden Verkehrsströme im Stadtgebiet befinden (Uni, Klinikum,.... ).

Zur verlässlichen Beantwortung dieser Fragestellung ist zusätzlich zu den aktuell durchgeführten Verkehrserhebungen im Rahmen der VEP-Evaluierung die Durchführung von Verkehrsbefragungen (mit begleitenden Querschnittszählungen an den Befragungsstellen zur Hochrechnung der Stichprobe auf die tatsächliche Stärke der Verkehrsbeziehungen) erforderlich, um eine verlässliche Aussage zu den Quelle-Ziel-Beziehungen tätigen zu können.

In die Verkehrsuntersuchung mit einzubeziehen ist auch eine Fahrgastbefragung am Bahnhof Göttingen, da der Bahnhof eine große Menge an täglich einströmenden Pendlern mit den Zügen des Regional- und Fernverkehrs zu verzeichnen hat.

2.3 Aufbau des Verkehrsmodells VISUM

Aus den Daten der Verkehrserhebungen (im Rahmen der VEP-Evaluierung sowie der ergänzenden Befragungen/Erhebungen im Zuge der VEP-Fortschreibung) und ergänzenden Berechnungen zur Verkehrserzeugung mit Hilfe von Strukturdaten ist ein Verkehrsnetzmodell in VISUM aufzubauen.

Mit Hilfe des Verkehrsmodells sollen verkehrliche Planfälle analysiert und bewertet werden.

2.4 Entwicklung von Leitzielen und Erarbeitung von Prognoseszenarien – Zieljahr 2020/2025

Aufbauend auf den in Punkt 2 (Vorbemerkung) formulierten Leitlinien sollen zu Beginn der Arbeiten zur Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans die Entwicklung von Leitzielen für die künftige Verkehrsplanung der Stadt Göttingen stehen und den Planungsprozess fortwährend begleiten. Diese Leitziele müssen - wie bereits beschrieben - im Einklang stehen mit den bereits beschlossenen umwelt- und verkehrspolitischen Zielen der Stadt wie

·         das Erreichen einer CO2-Minderung im Stadtgebiet um 40 Prozent bis 2020, 50 Prozent bis 2030 und annähernd 100% bis 2050 (Basisjahr: 1990) sowie

·         die Fortsetzung der Veränderung des Verkehrsmittelswahlverhaltens zugunsten der Verkehrsmittel des Umweltverbundes (bei Erhalt der Leistungsfähigkeit und des Zustandes des Straßennetzes)

Die den weiteren Planungsschritten vorangehende Definition von Leitzielen dient als Grundlage der folgenden Mängelbewertung, der Maßnahmenentwicklung und der Maßnahmenbewertung sowie der Erarbeitung von Prognoseszenarien der Verkehrsentwicklung unter Berücksichtigung

·         der Bevölkerungsprognose für Göttingen und das Umland,

·         städtebaulicher Entwicklungsvorhaben sowie

·         der Verkehrsmittelwahl (Modal Split) als Zielvorgabe aus der Leitliniendiskussion.

Die Prognoseszenarien sind durch Benennung der hierfür erforderlichen Maßnahmen der verkehrlichen Infrastruktur sowie Maßnahmen aus den Bereichen Verkehrs- und Mobilitätsmanagement anschaulich darzustellen.

2.5 Entwicklung von Planungskonzepten unter Berücksichtigung der verkehrsrelevanten Aussagen anderer Fachplanungen (u.a. LRP, NVP, FNP)

2.5.1 Planungskonzept für Querschnittsthemen in der Verkehrsplanung

2.5.1.1 Potenzialermittlung zur Reduzierung der verkehrsbedingten CO2-Emissionen

CO2-Emissionen des Kraftfahrzeugverkehrs stehen in direkter Abhängigkeit zur Menge des verbrannten Kraftstoffs und damit zur Fahrleistung des Kraftfahrzeugverkehrs. Die im Rahmen der VEP-Evaluierung ermittelte CO2-Bilanz für den MIV-Binnenverkehr der Göttinger Bewohner im Zeitraum von 1999 bis 2009 zeigt eine sehr positive Entwicklung. Der CO2-Ausstoß hat sich um etwa 25 % verringert. Hauptursache ist dabei die um etwa 16,5 % gesunkene Fahrleistung im MIV Binnenverkehr in Verbindung mit einem um etwa 10 % rückläufigen Kraftstoffverbrauch je 100 km.

Aufbauend auf den zu erarbeitenden Planungskonzepten (Bausteine 2.5.1 bis 2.5.7) sind im Zuge einer CO2-Potentialanalyse die kurz-, mittel- und langfristigen Potenziale zur Reduzierung der verkehrsbedingten CO2-Emissionen zu ermitteln.

Zielsetzung ist es, auch unter Zuhilfenahme dieser CO2-Potentialanalyse ein Integriertes Handlungskonzept zu entwickeln (Baustein 2.6), das im Einklang steht mit der Zielvorgabe aus dem Integrierten Klimaschutzkonzept der Stadt Göttingen.

2.5.1.2 Konzept zur Verbesserung der Verkehrssicherheit

Die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer ist eines der wichtigsten Ziele der Verkehrsplanung. Ein eigenständiger Beitrag im Verkehrsentwicklungsplan soll den Stellenwert als Querschnittsaufgabe im Verkehrswesen unterstreichen. Im Rahmen der VEP-Evaluierung hat der Vergleich mit anderen Städten mit ähnlicher Einwohnerzahl gezeigt, dass dierch das Büro pgt"n Jahren umzubauendeGegebenheit ist dstellen Am Burggraben und Am Anger neue Abfallbehälter aufzustellen_____ positive Göttinger Entwicklung durchaus noch Steigerungspotential bietet. Folglich sind im Zuge der neuen VEP-Erarbeitung aufbauend auf den Ergebnissen der VEP-Evaluierung Maßnahmenprogramme zur Verbesserung der Verkehrssicherheit im Straßenverkehr zu entwickeln.

2.5.1.3 Konzept zur Sicherstellung der Barrierefreiheit

Das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) soll eine Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen beseitigen bzw. verhindern sowie die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Leben in der Gesellschaft gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung ermöglichen. So ist im BGG u.a. eine gesetzliche Verpflichtung geschaffen worden, öffentliche Wege, Plätze und Straßen sowie öffentlich zugängliche Verkehrsanlagen und Beförderungsmittel im öffentlichen Personenverkehr barrierefrei zu gestalten.

Folgerichtig sind auch bei der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans Göttingen die Anforderungen der Barrierefreiheit zu berücksichtigen. Dies können u.a. Aussagen sein zu:

·         Sicherstellung eines barrierefreien Zugangs zum ÖPNV

·         Anforderungen an die Ausbildung von Überquerungsstellen

·         Anforderungen an die LSA-Steuerung/-Ausstattung

·         Anforderungen an die Planung von Knotenpunkten

2.5.1.4 Geschlechterdifferenzierte Betrachtung (Gender mainstreaming)

Auch das Thema Gender Mainstreaming ist in die Bearbeitung des neuen Verkehrsentwicklungsplans zu implementieren. Gender Mainstre­a­ming verfolgt in Bezug auf die Teilnahme am Verkehrsgeschehen den Ansatz, dass Frauen und Männer in ihren jeweiligen gesell­schaft­li­chen Rollen unter­schied­li­che Anfor­de­run­gen an die Ausge­stal­tung der Verkehrs­sys­teme haben.

Zielsetzung ist es:

·         Gleiche Mobilitätschancen für alle zu schaffen

·         Die Verkehrsangebote an den unterschiedlichen Lebensmustern und –zusammenhängen von Männern und Frauen in der Verkehrsplanung stärker zu orientieren

2.5.1.5 Kinder- und altengerechte Verkehrsplanung

Kinder und Jugend­li­che haben andere Anfor­de­run­gen an die Ausge­stal­tung der Verkehrs­sys­teme als Erwach­se­ne oder ältere Men­schen. Nicht zuletzt der demogra­fi­sche Wandel legt eine diffe­ren­zierte Betrach­tung nahe.

Die Stadt Göttingen ist bestrebt, die Berücksichtigung von Grundsätzen einer kinder- und altengerechten Planung dauerhaft sicherzustellen und zu verbessern. Mögliche Maßnahmen können u.a. sein:

·         Ein kindergerechter Verkehrsablauf durch das Einrichten kurzer Wartezeiten an den Lichtsignalanlagen oder

·         der Bau zusätzlicher Querungsstellen an für Kinder und älteren Menschen bedeutenden Wegebeziehungen

2.5.1.6 Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit

Der Öffentlichkeitsarbeit kommt gerade im Bereich der Verkehrsplanung eine besondere Bedeutung zu.

Die Öffentlichkeitsarbeit der Verkehrsplanung der Stadt Göttingen hat die Zielsetzung zu verfolgen, die Verkehrsteilnehmer zu einer bewusste(re)n Verkehrsmittelwahl zu bewegen: mehr zu Fuß zu gehen, das Fahrrad oder den Bus zu benutzen und den PKW nur für unverzichtbare Fahrten heranzuziehen.

Innerhalb einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit kommt es insbesondere darauf an, gezielt bestimmte Adressatengruppen anzusprechen, bei denen eine Änderung der Verkehrsmittelwahl am ehesten erreichbar ist und gleichzeitig eine spürbare Wirkung erzeugt. Als Beispiel ist die Gruppe der Berufspendler zu nennen (vgl. Baustein 2.5.6), denen bei entsprechend attraktiven Angeboten das Umsteigen auf den Umweltverbund nahegelegt werden soll.

Bei der Erstellung eines Konzeptes für die Öffentlichkeitsarbeit ist es wichtig, nicht nur ausschließlich im Rahmen der Fortschreibungsphase zum Verkehrsentwicklungsplan (VEP 2020/2025) eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben (vgl. Baustein 2.7). Vielmehr sollen mit abgestimmten Vorschlägen zur Öffentlichkeitsarbeit auch die später umzusetzenden Maßnahmen bei der Bevölkerung bekanntgemacht werden, um eine nachhaltige Wirkung der einzelnen Maßnahmen zu erreichen.e umzusetzenden Maßnahmen bei der Bevölkerung bekanntgemacht werden, um die nachhaltige Wirkung der einzelnen Maßnahmen zu st

2.5.2 Planungskonzept Umweltverbund

2.5.2.1 Planungskonzept Radverkehr

Die Evaluierung des bestehenden Verkehrsentwicklungsplans (VEP 2000) hat gezeigt, dass trotz des bereist heute sehr hohen Verkehrsmittelanteils von 27% am Gesamt-Modal-Split der Radverkehr in Göttingen enormes Entwicklungspotential aufweist. Das Ausschöpfen dieser Potentiale im Radverkehr muss ein wichtiger Ansatzpunkt künftiger Planungskonzepte sein und somit auch in der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans einen entsprechenden Stellenwert einnehmen. Beim Baustein Radverkehr geht es insbesondere um die Weiterentwicklung des Radverkehrsnetzes durch

·             Überarbeitung des Radverkehrshaupt- und nebenroutennetzes

·             Festlegung von Standards für Radverkehrsanlagen (Anwendung des aktuellen Regelwerkes ERA 2010)

·             Erarbeitung von Maßnahmenkonzepten (u.a. Ausbau des Fahrradstraßennetzes) und Dringlichkeitsreihung

·             Auf Grundlage neuer Regelwerke: Überprüfung der Einbahnstraßenfreigabe für das Radfahren in Gegenrichtung sowie der Radwegebenutzungspflicht im Stadtgebiet

·             Erweiterung des Fahrradabstellanlagenangebotes in der Innenstadt

·             Erneuerung der Fahrradabstellanlagen im Bereich ZOB

·             Schrittweise Umsetzung des Projektes "Radschnellwege" (Projekt der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg)

·             Erarbeitung von Maßnahmen zur Vernetzung des Radverkehrs mit dem ÖPNV

2.5.2.2 Planungskonzept Fußgängerverkehr

Nach der zunehmenden Verdrängung durch andere Verkehrsarten wird dem Fußgängerverkehr heute wieder wachsende Bedeutung zuteil. Es rückt wieder ins Bewusstsein, dass der Straßenraum nicht nur dem Verkehr dient, sondern gleichzeitig Lebensraum bedeutet. Der Anteil des Fußgängerverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen ist in Göttingen im Vergleich mit anderen Städten mit 25 % als ausgesprochen hoch einzustufen, was in der geläufigen Beschreibung Göttingens als "Stadt der kurzen Wege" Bestätigung findet. Folglich ist es wichtig, dass dem Fußgängerverkehr auch in der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans durch ein eigenes Kapitel die erforderliche Aufmerksamkeit zukommt und ein genereller Katalog von Maßnahmen zur Förderung des zu Fuß Gehens in Göttingen auf der strategischen Ebene der Verkehrsplanung erarbeitet wird. Diese Maßnahmen sollen dabei einem Standard entsprechen, der in den Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen (EFA) geregelt sind. In Bezug auf die Innenstadt können die Ergebnisse des Innenstadtleitbildes in den Baustein "Fußgängerverkehr" integriert werden.

2.5.2.3 Planungskonzept Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)

Ein leistungsfähiger ÖPNV trägt wesentlich zur Sicherung der Mobilität der Bevölkerung bei und ist ein unverzichtbarer Bestandteil der verkehrlichen Infrastruktur. Die Stadt Göttingen ist gemäß Niedersächsischem Nahverkehrsgesetz (NNVG) Aufgabenträger für den straßengebunden ÖPNV im Stadtgebiet von Göttingen. Die Gültigkeit des 2. städtische Nahverkehrsplans (2007 bis 2011) endet 2012, so dass die Verwaltung im Frühjahr 2011 mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplans (NVP) beginnen wird. Als Bearbeitungszeitraum sind 2 Jahre vorgesehen. Der Ratsbeschluss zum NVP soll folglich spätestens Ende 2012 erfolgen.

Die parallele Bearbeitung des NVP ermöglicht die Übernahme der wesentlichen inhaltlichen Aussagen des NVP in die VEP-Fortschreibung. Im Rahmen der VEP-Fortschreibung sind die Inhalte/Auswirkungen des NVP insbesondere auf die künftige Entwicklung der Verkehrsmittelwahl (Modal Split) zu beurteilen.

2.5.3 Planungskonzept fließender Kraftfahrzeugverkehr

Das Planungskonzept für den fließenden Kraftfahrzeugverkehr konzentriert sich schwerpunktmäßig auf Straßenbaumaßnahmen zur Minimierung von bestehenden Unverträglichkeiten (Verbesserung des Straßenzustandes in Verbindung mit Änderungen in der Straßenraumgestaltung, Schaffung neuer Querungsmöglichkeiten etc.). Als Beispiele für in den nächsten Jahren umzubauende Straßenzüge sind Abschnitte der Königsallee, des Maschmühlenweg, des Nikolausberger Weg und der Weender Landstraße zu nennen.

Bei der Erarbeitung des Planungskonzeptes sind die Prognosen für die Entwicklungen im Umland (mit "Umland" bezeichnen Statistiker die Landkreise Göttingen, Northeim, Osterode, Holzminden, Eichsfeld, Werra-Meißner und Kassel) zu berücksichtigen.

Das Planungskonzept fließender Kraftfahrzeugverkehr soll u.a. Maßnahmen/Prioritäten festlegen,

·         um die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes zu erhalten. Dazu zählt auch die Substanzverbesserung von Straßenzügen, die bereits heute als sanierungsbedürftig zu bezeichnen sind

·         um die Verkehrsbelastung des städtischen Straßennetzes durch eine geringere Kfz-Nutzung zu reduzieren,

·         Möglichkeiten aufzeigen, wie umweltschonende Strukturen für Fahrzeugkonzepte (Stichwort Elektromobilität) in Göttingen etabliert werden können

2.5.4 Planungskonzept Wirtschafts- und Güterverkehr

Das Planungskonzept für den Wirtschafts- und Güterverkehr soll die verkehrlichen Rahmenbedingungen schaffen, diesem Verkehr eine leistungsfähige Infrastruktur zu sichern und zugleich negative Auswirkungen für die Bevölkerung der Stadt Göttingen zu vermeiden. Als größere Planungsvorhaben im Stadtgebiet sind insbesondere zu nennen:

·         Logistikzentrum Siekanger (GVZ IIIa)

·         Gewerbefläche Am Talsgraben westlich der BAB A7

·         Erweiterung des bestehenden Güterverkehrszentrums (GVZ II)

2.5.5 Planungskonzept Ruhender Kraftfahrzeugverkehr

Im Rahmen der Erarbeitung des Innenstadtleitbildes wurden für den Innenstadtbereich umfangreiche Aussagen für den ruhenden Verkehr vorgenommen, die in die Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans zu integrieren sind. Aufbauend auf diesen Ergebnissen ist für das weitere Stadtgebiet das Konzept zur Parkraumbewirtschaftung bzw. zum Einrichten von Bewohnerparken von neuem zu überprüfen. Zielsetzung ist es, aus bestimmten Teilen des Stadtgebietes quartierfremde Dauerparker zu verdrängen, um die vorhandenen Stellplätze vorrangig dem Einkaufs- und Berufsverkehr sowie den Anwohnern zur Verfügung zu stellen.

Insbesondere für die Bereiche nördlich des Kreuzbergring, zwischen Groner Landstraße und DB-Strecke (Zum Leineufer) und Ostviertel (östlich Hanssenstraße) sind Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Parkraumkonzeptes zu erarbeiten.

Ein weiteres Augenmerk soll im Rahmen der VEP-Fortschreibung auf die Erweiterung des Car-Sharing-Angebotes in Göttingen gelegt werden. Entsprechende Gespräche mit den Car-Sharing-Anbietern haben in 2010 stattgefunden, so dass erste konkrete Erweiterungsplanungen bereits (auch mit der Politik) abgestimmt sind.

2.5.6 Planungskonzept Mobilitätsmanagement

Die Leitidee für ein Mobilitätsmanagement kann in der Förderung einer effizienteren, umwelt- und sozialverträglicheren Abwicklung von Mobilität bei allen Verkehrsteilnehmern gesehen werden.

Erste Ansätze verfolgen die beiden Aufgabenträger Stadt Göttingen und ZVSN mit Unterstützung der Göttinger Verkehrsbetriebe beim Betrieblichen Mobilitätsmanagement (BMM) im Verbundgebiet Südniedersachsen (VSN). Durch u.a. Einführung von Firmen-Abos, Abstimmung von Fahrplänen mit betrieblichen Arbeitszeiten und Überprüfung der Linienführungen und Haltestellen mit den Bedarfen der Beschäftigten/Betrieben soll eine stärkere Nutzung des ÖPNV durch Berufspendler erreicht werden.

In das Planungskonzept Mobilitätsmanagement soll das bestehende Konzept des Betrieblichen Mobilitätsmanagements integriert und bewertet werden. Darüber hinaus sind weitere Ansätze des Mobilitätsmanagements (u.U. eine verstärkte Mobilitätsberatung) im Rahmen der VEP-Fortschreibung zu diskutieren und schlussendlich festzulegen.

2.5.7 Planungskonzept Verkehrsmanagement

Das Planungskonzept Verkehrsmanagement soll die Leitgedanken umsetzen, die Qualität des Verkehrsablaufs im Kraftfahrzeugverkehr einschließlich des ÖPNV im Sinne der Vorgaben aus dem Luftreinhalteplan zu verbessern.

Bei der Maßnahmenbetrachtung sollten u.a.

·         die Optimierung der Lichtsignalsteuerung (Verstetigung des Verkehrs/"Grüne Welle"),

·         der Ausbau der Beschleunigung des ÖPNV an lichtsignalgesteuerten Knotenpunkten und

·         der Ausbau der dynamischen Fahrgastinformation an stark frequentierten Haltestellen außerhalb der Innenstadt

Berücksichtigung finden.

Bei der Bausteinbearbeitung können die Ergebnisse des Gutachtens "Verkehrsverstetigung" (Prüfauftrag aus dem vom Rat der Stadt am 08.12.2008 beschlossenen Luftreinhalteplan) implementiert werden.

Neben dem Thema "Verbesserung des Verkehrsablaufs" muss beim Planungskonzept Verkehrsmanagement auch auf den Erneuerungsbedarf der verkehrstechnischen Einrichtungen (Lichtsignalanlagen, Parkleitsystem) eingegangen werden. Als Bearbeitungsgrundlage dient dabei das aktuelle Gutachten "Betriebsführungskonzept" der Stadt, welches genau diese Fragestellung umfassend beantwortet.

2.6 Integriertes Handlungskonzept - Schlüsselmaßnahmen

Aufbauend auf den einzelnen Maßnahmenbausteinen (vgl. Punkt 2.5) ist unter Beachtung der im Planungsleitbild formulierten Gesamtziele (vgl. Punkt 2.4) der Stadt Göttingen ein Integriertes Handlungskonzept zu entwickeln. Dazu sind die in den einzelnen Bausteinen entwickelten Maßnahmenbündel abzustimmen und die Dringlichkeit der Maßnahmen zu formulieren. Dies soll neben der Ableitung einer Prioritätenreihung für die Realisierung (Gliederung in kurz-, mittel- und langfristig) zu einer Definition von Schlüsselmaßnahmen führen.

2.7 Beteiligungsverfahren und Öffentlichkeitsarbeit

Im Rahmen der Erarbeitung des Verkehrsentwicklungsplans spielt die intensive Diskussion mit allen betroffenen Gruppen und die Einbeziehung der allgemeinen Öffentlichkeit durch eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit eine entscheidende Rolle. Ein wichtiges Element des städtischen Konzeptes für das Beteiligungsverfahren zum Verkehrsentwicklungsplan wird dabei in der Einrichtung eines Verkehrsbeirates gesehen, der das gesamte Planungsverfahren begleitet. Damit soll eine möglichst breite Unterstützung für das Rahmenkonzept für die zukünftige Verkehrsentwicklung in Göttingen und das damit verbundene Handlungs- und Maßnahmenprogramm erreicht werden.

Ein offener Planungsprozess mit frühzeitiger und nicht nur formaler Beteiligungsmöglichkeit der Öffentlichkeit ist wichtig, um von vornherein bei den zentralen Fragestellungen konsensorientiert arbeiten und wichtige Konflikte möglichst früh erkennen zu können. In dem Beirat sollen folgende Bereiche vertreten sein:

- Wirtschaft (IHK, Einzelhandel etc.)

- Umwelt- und Verkehrsverbände/-initiativen (BUND, ADAC, VCD, ADFC, Pro Bahn)

- Behinderten- und Seniorenbeirat

- Verkehrsunternehmen

- Aufgabenträger für die Region (Zweckverband Verkehrsverbund Südniedersachsen – ZVSN– )

- Polizei

- Ratsfraktionen (je ein Mitglied des Bauausschusses)

- Verwaltung [u.a. Stadtbaurat, Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung, Fachdienst Straßen- und Wasserbau, Fachdienst Umwelt, Straßenverkehrsbehörde, Referat für Strategische Planungen (Stadtentwicklung), Gleichstellungsbeauftragte]

- Gutachter

- Weitere Fachvertreter (nach Bedarf, z.B. Fahrgastbeirat)

 

Der Beirat soll ca. alle 2 Monate in nichtöffentlicher Sitzung tagen.

Die Verwaltung strebt an, den Beteiligungsprozess extern moderieren zu lassen, um die Verwaltung und den Gutachter von der unmittelbaren Steuerungsfunktion zu befreien.

Die Sitzungen des Verkehrsbeirates sind durch eine Lenkungsgruppe jeweils vor- und nachzubereiten. Die Lenkungsgruppe sollte sich aus der federführenden Dienststelle (Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung in Zusammenarbeit mit dem Referat Stadtentwicklung), dem Gutachter sowie dem externen Moderator bzw. der externen Moderatorin zusammensetzen.

Neben der Arbeit des Verkehrsbeirates soll die Beteiligung der Öffentlichkeit im Zuge des Planungsprozesses durch (vermutlich) 3 Diskussionsveranstaltungen ("Verkehrsforen") erfolgen.

Die weitere Öffentlichkeitsarbeit soll geprägt sein durch regelmäßige Pressemitteilungen, einen projektbezogenen Internetauftritt auf der städtischen Homepage, Ausstellungen im Rathaus sowie Broschüren über den Stand der Bearbeitung.

 

 

Finanzielle Auswirkungen:

Finanzielle Auswirkungen:

 

Es werden im Juni 2011 von mehreren Gutachterbüros Angebote eingeholt. Erst danach können genaue Aussagen über die Höhe der benötigten Mittel getroffen werden.

Derzeit sind für die Erstellung des Klimaplans Verkehrsentwicklung (Fortschreibung Verkehrsentwicklungsplan) auf dem Sachkonto 4291200 Mittel in Höhe von 150.000,- € veranschlagt.

2011: 100.000,- € (50.000,- € Reste aus 2010 + Neuansatz von 50.000,- € in 2011)

2012:  50.000,- €

Anlagen:

Anlagen:

·                Darstellung Projektorganisation und –ablauf

·                Zeitplan

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Ablaufplan (11 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich Zeitplan 23052011 (12 KB)      
 
 

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