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Betreff: "Überprüfung der Mitgliedschaft der Stadt Göttingen im Verkehrsverbund Südniedersachsen (VSN GmbH) auf Tragfähigkeit für die Zukunft" (Bericht der Verwaltung auf Grundlage des festgelegten Produktziels 2010)
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:61-Fachbereich Planung, Bauordnung und Vermessung   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke Entscheidung
20.01.2011 
67. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke vertagt (zurückgestellt)   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:             

 

Der Ausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zustimmend zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, die Zusammenarbeit mit der Verkehrsverbund Südniedersachsen GmbH (VSN GmbH) fortzusetzen und den VSN weiter zu entwickeln.

 

Einer weiteren Befassung im Rat bedarf es derzeit nicht.

Begründung:

Begründung:

 

In Konkurrenz zum motorisierten Individualverkehr ist ein einheitlicher städteübergreifender Tarif alternativlos, da administrative Grenzen für die Bürger eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn darüber hinaus das Fahrtenangebot der einzelnen VU aufeinander abgestimmt ist, hat der ÖPNV erheblich an Attraktivität gewonnen. Nicht nur der Fahrgast, sondern auch die Stadt Göttingen als Oberzentrum in der Region Südniedersachsen profitieren von den Verbundvorteilen durch die bessere Erreichbarkeit. Daher ist es auch im Interesse der Stadt Göttingen, wenn die GöVB weiterhin Mitglied der VSN GmbH bleibt und der VSN unter Mitwirkung der AT weiterentwickelt wird.

 

 

Aufgabenbereich des Verkehrsverbundes Südniedersachen (VSN) und seiner Gesellschafter:

Der VSN wurde im Jahr 1999 als Zusammenschluss der Verkehrsunternehmen (VU) der Region gegründet. Dadurch war es erstmals möglich, dass Fahrgäste mit einem Fahrschein z. B. von Herzberg nach Göttingen fahren konnten. Am 1. Januar 2006 wurde der Zusammenschluss in eine GmbH umfirmiert. Erweitert wurde der Verbund durch den Beitritt der GöVB im Jahr 2007. Bereits seit 1999 konnte der Stadtverkehr Göttingen mit VSN-Fahrscheinen benutzt werden. Dies führt zu einer Stärkung des Standortes Göttingen als Oberzentrum Südniedersachsens, welches nun mit einem einheitlichen Tarif mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Schienenpersonennahverkehr und Busverkehr) erreicht werden kann. Die VSN GmbH besteht heute, wie in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt, aus 14 VU, darunter drei Schienenverkehrsunternehmen (cantus, metronom, DB Regio).

Gesellschafter (VU) der VSN GmbH

Aufgabenträger (AT) im VSN-Gebiet

metronom Eisenbahngesellschaft mbH

Stadt Göttingen

DB Regio AG Region Niedersachsen/Bremen

Landkreis Holzminden

Regionalbus Braunschweig GmbH (RBB)

Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen

Verbandsmitglieder:

-                      Landkreis Göttingen

-                      Landkreis Northeim

-                      Landkreis Osterode a. H.

Regiobus Uhlendorff GmbH & Co. KG

cantus Verkehrsgesellschaft mbH

Versorgungsbetriebe Hann. Münden GmbH

Göttinger Verkehrsbetriebe GmbH (GöVB)

Scheithauer-Reisen GmbH

Hahne-Reisen KG

Weihrauch-Uhlendorff GmbH

Ilmebahn GmbH

Tappe-Reisen

Schillings Reisedienst

Pülm Reisen GmbH

Tab. 1: VSN-Gesellschafter und Aufgabenträger der Region

 

Der unmittelbare Einzugsbereich der VSN GmbH umfasst rund 580.000 Einwohner und 3.700 m2 Fläche (s. Abbildung 1).

Abb. 1: Einzugsbereich der VSN GmbH

 

Die Arbeit der VSN GmbH wird durch die lokalen Aufgabenträger (AT) begleitet. Zweck des Verbundes ist es zunächst, einen einheitlichen Tarif anzubieten und darüber hinaus im VSN-Gebiet ein einheitliches Marketing für den ÖPNV zu betreiben. In der folgenden Aufstellung sind die Aufgaben der VSN GmbH aufgeführt, die dort zentral für alle VU wahrgenommen werden:

 

 

Aufgaben der VSN GmbH

 

Tarif

  • Tarifstruktur/Tarifhöhe/Kalkulation Verbundtarif
  • Erarbeitung tariflicher Übergangsregelungen zu den Nachbarverbünden
  • Tarifkooperationen
  • Entwicklung neuer Tarifangebote

 

 

Vertrieb

  • Schalter/Kundenbüros/Servicecenter
  • Abo-Zentrale

 

 

Kommunikation und Marketing

  • Werbung für den ÖPNV
  • Öffentlichkeitsarbeit/Presse
  • Entwicklung eines einheitlichen Erscheinungsbildes
  • Tarifinformationen (z. B. Aushänge, Handbuch)
  • Produktspezifische Informationen (z. B. Kundenkarten f. Schüler und Auszubildende)
  • Bereitstellung der Fahrkartenvordrucke
  • Mobilitätsberatung/Fahrplanauskunft
  • Beschwerdemanagement
  • Betreuung Internetauftritt

 

 

Verbund-Controlling

  • Einnahmenverwaltung
  • Einnahmenaufteilung zwischen den VU
  • Ermittlung von Finanzierungsbeiträgen der Abrechnungsstelle
  • Statistik

 

 

Verbundorganisation

  • Kooperations- und Dienstleistungsverträge abschließen
  • Weiterentwicklung des VSN
  • Projektkoordination und Management
  • Abstimmung Linienplanung

 

 

Marktforschung

  • Verkehrserhebungen
  • Marktanalysen/Marktsegmentierung
  • Kundenmonitoring

 

 

 

Die Aufgabenträger (AT) im Verbundgebiet (Stadt Göttingen, Landkreis Holzminden, ZVSN bestehend aus: Landkreise Göttingen, Northeim, Osterode) sind verpflichtet, auf Basis der Landes- und Bundesgesetzgebung (Niedersächsisches Nahverkehrsgesetz, Personenbeförderungsgesetz) für ihr jeweiliges Gebiet den Nahverkehrsplan aufzustellen, welcher u. a. Linienverläufe, Fahrzeug- und Haltestellenstandards, Bedienungshäufigkeit und Bedienungsqualitäten definiert. Die AT stellen eine ausreichende ÖV-Versorgung in ihrem Gebiet als Form der Daseinsvorsorge sicher. Die drei AT sind der VSN GmbH gewissermaßen assoziiert, jedoch nicht förmliche Mitglieder oder Mitgesellschafter. Gemeinsames Arbeitsgremium der VU und der AT ist der VSN-Arbeitsausschuss, der sich eine Geschäftsordnung für Aufgaben und Arbeitsweise gegeben hat und ca. viermal jährlich tagt. Es handelt sich beim Arbeitsausschuss nicht um ein rechtsverbindliches Entscheidungsgremium, sondern um ein reines Abstimmungs- und Arbeitsinstrument. Die Entscheidungshoheit der einzelnen Institutionen und Unternehmen ist davon unberührt. Die AT beteiligen sich investiv an infrastrukturellen Maßnahmen (z. B. Haltestellenumbau, Dynamische Fahrgastinformation), um die Attraktivität des ÖPNV in der Region zu erhöhen. Ebenso beteiligen sich VU und AT gemeinsam an Kosten, die durch die Weiterentwicklung des ÖPNV und durch die Generierung neuer Kundenkreise entstehen (z. B. Projekt Betriebliches Mobilitätsmanagement).

 

 

Die Verkehrsunternehmen (VU) betreiben ihren Linienverkehr naturgemäß mit dem Ziel, einen Gewinn zu erwirtschaften. VU unter kommunaler Kontrolle (z. B. GöVB) sind nach EU-Recht zu einer wirtschaftlichen Unternehmensführung verpflichtet, die sie regelmäßig nachzuweisen haben. Daher können sie nur Aufgaben übernehmen, die unmittelbar mit der Durchführung des Linienverkehrs zusammenhängen. Der ÖV kann zumeist nur defizitär betrieben werden, so dass die VU einen Ausgleich erhalten müssen. Dies geschieht in Göttingen durch den Ausgleich eines auftretenden Defizits bei den GöVB durch die Stadt. Für den Schülerverkehr gibt es einen politisch gewollten Rabatt auf den regulären Fahrpreis (§45a PBefG). Die Gegenfinanzierung erfolgt durch die Niedersächsische Landesnahverkehrsgesellschaft.

 

Tarif und Einnahmeaufteilung (EAV):

Im VSN gilt der Flächentarif, der im Gegensatz zum Einzeltarif praktikabler, allerdings weniger ergiebig und gerecht ist. Die Angleichung der früher unterschiedlichen Fahrpreise der einzelnen VUs zu einem einheitlichen Tarif führte zu Harmonisierungsverlusten, da die Fahrpreise für den Fahrgast zumeist gesunken sind. Sogenannte Durchtarifierungsverluste entstanden durch den Wegfall des Fahrscheinverkaufs je Linie bzw. VU. Beispiel: Ein Fahrgast fährt mit dem Northeimer Stadtbus zum Bahnhof Northeim, von dort aus mit dem Zug nach Göttingen und vom Bahnhof Göttingen mit dem Bus der GöVB zum Neuen Rathaus. Früher musste er für diese Strecke drei verschiedene Fahrscheine lösen. Heute kauft er einen Fahrschein, dessen Wert aber unterhalb der Summe der drei einzelnen Fahrscheine liegt. Den entstandenen Verlust für die VU haben anfangs die AT ausgeglichen. Durch den Anstieg der Fahrgastzahlen könnte dieser Verlust gesenkt werden. Daher ist es das erklärte Ziel der AT, durch Attraktivitätssteigerungen des Nahverkehrs neue Bevölkerungskreise und damit Fahrgäste für den ÖV zu gewinnen.

Die Einnahmen aus dem Fahrscheinverkauf werden zentral gesammelt und auf Grundlage des sogenannten Einnahmeaufteilungsverfahrens (EAV), an die VU ausgezahlt. Die Kosten für die kontinuierliche Weiterentwicklung des EAV werden gemeinsam von VU und AT getragen. Das System  ist bei der GöVB angesiedelt und wird von ihr betreut. In 2011 soll eine Umstellung auf eine neue Berechnungsmethodik erfolgen, in welcher der Einfluss der Entfernung auf die Einnahmen reduziert wird. Dies führt aus Sicht der GöVB zu einer gerechteren Einnahmenaufteilung.

 

Zukünftige Entwicklung:

Ziel der weiteren Entwicklung im Verkehrsverbund ist es, ein verbundweites homogenes Nahverkehrsangebot zu schaffen und Kooperationen mit Nachbarverbünden (z. B. NVV, VRB, GVH) anzustreben. Auf Grund der in den nächsten Jahren zurückgehenden Schülerzahlen und damit sinkenden Einnahmen versucht der VSN gemeinsam mit den AT neue Kunden zu gewinnen. Als gelungenes Beispiel kann das Projekt Betriebliches Mobilitätsmanagement gelten, welches von Stadt Göttingen und ZVSN initiiert wurde und vom VSN begleitet wird. Durch Mitarbeiterbefragungen werden die Bedürfnisse der Pendler ermittelt und das ÖV-Angebot entsprechend angepasst, um eine stärkere Nutzung des ÖPNV durch Berufspendler zu erreichen. Hierbei ist die Einführung des VSN-Firmenabos in diesem Jahr als attraktives Angebot speziell für pendelnde Beschäftigte sehr hilfreich.

 

Der VSN soll von einem reinen Tarifverbund zu einem Verkehrsverbund fortentwickelt werden und zusätzliche Aufgaben übernehmen. Denkbar ist eine verbesserte Abstimmung zwischen Stadtverkehr, Regionalverkehr und Schienenpersonennahverkehr und damit einhergehend eine weitere Attraktivitätssteigerung des ÖPNV. Durch zusätzliche Fahrpreisangebote (z. B. VSN-Firmenabo, Freizeitticket, etc.) und dazugehöriger Öffentlichkeitsarbeit sollen neue Kundenkreise gewonnen werden.

Finanzielle Auswirkungen:

Finanzielle Auswirkungen:

 

Ausgaben der Stadt Göttingen für Maßnahmen der VSN GmbH im Jahr 2009 (in €):

 

VSN Tarifauskunft

331,83

Werbemittel 10 Jahre VSN

1.717,03

VSN-Mobilitätstalk

1.487,80

Broschüre Göttinger Umland

15.612,80

 

 

Abrechnungsstelle

8.197,23

Abo-Treueaktion

372,02

Lizenzkosten

2.807,81

Weiterentwicklung EAV

1.327,33

 

 

Summe

31.853,85

 

Die Finanzierung der VSN-Maßnahmen erfolgt durch die zweckgebundenen Regionalisierungsmittel

 

Anlagen:

Anlagen:

 

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