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Betreff: Benennung des neu entstehenden Platzes auf dem ehemaligen Stadtbadgelände in "Robert-Gernhardt-Platz"
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:61-Fachbereich Planung, Bauordnung und Vermessung Beteiligt:02-Gleichstellungsbeauftragte
    37-Fachbereich Feuerwehr
   32-Fachbereich Ordnung
   41-Fachbereich Kultur
   Dezernat C - Soziales und Kultur
   Dezernat D - Planen, Bauen und Umwelt
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschuss Stadthalle Vorberatung
19.01.2012 
2. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschusses der Stadthalle (offen)   
Rat Entscheidung
17.02.2012 
3. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Göttingen ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

 

Der auf dem ehemaligen Stadtbadareal entstehende Platz erhält den Namen Robert-Gernhardt-Platz“.

Begründung:

Begründung:

 

Mit der Bebauung des Areals des ehemaligen Stadtbades wird eine seit langem vorhandene Lücke im städtebaulichen Ensemble der Göttinger Innenstadt geschlossen. In einem Investorenwettbewerb hat sich eine Gestaltungsplanung durchgesetzt, welche einerseits eine Verbindungsachse über den Leinekanal von der Weender Straße bis zum Waageplatz öffnet, aber gleichzeitig auch das Ufer des Leinekanals platzartig nach Osten öffnet. Neben der geplanten gastronomischen und kulturellen Nutzung der Stockleff’s Mühle, entsteht auch ein Treffpunkt und ein Ort des Verweilens, welcher durch die anzulegende Treppe vom Höhenniveau des Stumpfebiel bis zur Kanal tribünenhaften Charakter bekommt.

Die zentrale Innenstadtlage und künftige kulturelle Bedeutung dieses Platzes wird mit der Widmung nach Robert Gernhardt, eines der bedeutendsten zeitgenössischen Dichter mit Göttinger Wurzeln, auch namentlich hervorgehoben.

Robert Gernhardt wurde am 13. Dezember 1937 in Reval, dem heutigen Tallin, geboren. 1946 kam Gernhardt, nachdem sein Vater im letzten Kriegsjahr gefallen und seine Mutter mit ihm und seinen zwei Brüdern in den Westen geflüchtet war, nach Göttingen.

In Göttingen besuchte er zunächst die Wöhler-Schule und anschließend das Felix-Klein-Gymnasium wo er 1956 seine Abiturprüfung ablegte. Über seine Schulzeit hat er sich immer wieder geäußert, sei es in künstlerischen Zeitzeugnissen wie der Ode auf seinen Lateinlehrer Otto Kampe, sei es in erinnernden Rückblicken.

Um die Erinnerung an den Ex-Schüler Robert Gernhardt lebendig zu halten, schreibt die Fachgruppe Deutsch des FKG in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner, der Firma Otto Bock in Duderstadt, seit 2009 den Robert-Gernhardt-Preis aus.

Auch wenn Gernhardt später in Stuttgart und Berlin studierte, ab 1964 in Frankfurt und zuletzt teilweise in Italien lebte, blieb er bis zu seinem Tode im Jahr 2006 Göttingen eng verbunden, zumal auch ein Teil seiner Familie hier lebt/lebte (seine Mutter starb 101jährig im Jahr 2005). Davon zeugt auch der Band "Gernhardts Göttingen", der 1997 im Satzwerk Verlag Göttingen erschien. Das dort veröffentlichte Gedicht "Zum Muttertag" fehlt heute in keiner literarischen Muttertags-Sammlung (siehe Anlage).

Gernhardt hat wie kein anderer bedeutender Dichter unserer Zeit in seinem Werk immer wieder Bezug auf Göttingen genommen; davon zeugen Gedichte, Essays, Berichte, Vorträge, Zeichnungen und vieles andere. In Göttingen entstand 1987 auch der Jubiläumsband "25 Jahre Neue Frankfurter Schule" (Arkana Verlag), als deren Kopf Gernhardt gilt.

In besonderer Weise hat er sich um das Andenken von Georg Christoph Lichtenberg verdient gemacht, den er als einen der größten Geister deutscher Sprache schätzte. Ausgehend von der Ausstellung "Lichtenberg-Connection" im Jahre 1992 entstand der Zyklus "Unsere Erde ist vielleicht ein Weibchen" mit über einhundert Arbeiten, die zahlreiche Verweise auf  die Stadt enthalten. In Göttingen fanden mit Gernhardt und Horst Janssen zwei überzeugte Lichtenbergianer zusammen; die gemeinsame Ausstellung ihrer Werke zu Lichtenberg (von Janssen noch zu Lebzeiten angedacht) wanderte nach der Erstpräsentation 1999 im Göttinger Rathaus jahrelang erfolgreich durch Deutschland. Die Zeichnung "The Göttinger", eine "Parodie in der Parodie" auf ein Blatt von Saul Steinberg, aus dieser Ausstellung wurde als Kunstdruck vieltausendfach im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus verkauft, und gilt noch immer als eine der treffendsten Liebeserklärungen an diese Stadt.

Gernhardt erhielt 1999  Deutschlands einzigen Satire-Preis, den „Göttinger Elch“, für sein Lebenswerk. (siehe Anlage)

Weitere Auszeichnungen Gernhardts in Auswahl : 

Bertolt-Brecht-Preis, Erich-Kästner-Preis, Schubart-Preis, Wilhelm-Busch-Preis, e.o.plauen-Preis, Rheingau-Literatur-Preis, Joachim-Ringelnatz-Preis, Heinrich-Heine-Preis, u.v.a.

(Text enthält Auszüge einer Zusammenstellung von WP Fahrenberg)

Finanzielle Auswirkungen:

 

Zwei Straßenschilder ca. 400 €

 

Anlagen:

Anlagen:

 

Kartenauszug mit Planungsentwurf

Textauszüge

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Anlage Robert-Gernhardt-Platz (1429 KB)      
Anlage 3 2 öffentlich Anlage Robert Gernhardt und Göttingen (24 KB)      
 
 

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