zurück
 
 
Betreff: "Rundumgrün an Göttinger Kreuzungen" (Antrag der Bündnis 90 / Die Grünen-Ratsfraktion zum Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke am 24.04.2008)
Status:öffentlichVorlage-Art:Tischvorlage
Federführend:61-Fachbereich Planung, Bauordnung und Vermessung   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke Vorberatung
23.04.2009 
41. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

 

Der Ausschuss nimmt den Verfahrensvorschlag (Die Einführung von Rundumgrün wird nicht weiter verfolgt) zustimmend zur Kenntnis. Einer Befassung im Rat bedarf es daher nicht.

 

Begründung:

 

Begründung:

 

Bei einer Ampelschaltung "Rundumgrün" erhalten die Fußgänger in allen Richtungen gleichzeitig grünes Licht, während alle Fahrzeuge warten müssen (vgl. Abbildung 1). Eine derar­tige Fußgängerphase mit Alles-ROT für den Fahrzeugverkehr soll die mögliche Gefähr­dung der Fußgänger durch abbiegende Fahrzeuge ausschalten.

Abbildung 1: Prinzipskizze einer Ampelschaltung "Rundumgrün"

 

Bei starken Fußgängerströmen über Eck kann sich auch eine Ampelschaltung "Diagonalgrün" als zweckmäßig erweisen. "Diagonalgrün" bedeutet, dass durch zusätzliche Signalgeber und Markierung auch das diagonale Überqueren einer Kreuzung ermöglicht wird (vgl. Abbildung 2).

 

 

Abbildung 2: Prinzipskizze einer Ampelschaltung "Diagonalgrün"

 

 

Thema "Rundumgrün-Schaltung":

 

Voraussetzung für die Schaltung einer signalisierten Kreuzung mit "Rundumgrün" ist eine hohe Fußgängerfrequenz im Kreuzungsbereich. Im Stadtgebiet von Göttingen weisen folgende 5 Kreuzungen entsprechend hohe Fußgängerverkehrsmengen auf:

 

·                Weender Tor (Knotenpunktnummer K13)

·                Berliner Straße/Godehardstraße (Knotenpunktnummer K14)

·                Groner Tor (Knotenpunktnummer K17)

·                Geismar Tor (Knotenpunktnummer K23)

·                Kreuzbergring/Robert-Koch-Straße/Humboldtallee (Knotenpunktnummer K57)

 

Kleinere Kreuzungen in Göttingen haben nicht so eine hohe Fußgängerfrequenz und kommen daher für eine "Rundumgrün-Schaltung" nicht in Betracht.

 

Richtet man an einer "mittelgroßen" Kreuzung eine "Rundumgrün-Schaltung" für Fußgänger ein, so führt dies zu einer Verlängerung der Umlaufzeit um ca. 30 Sekunden. Die Erhöhung der Umlaufzeit wird erforderlich, da die Fußgänger – wie in Abbildung 1 dargestellt – eine eigenständige Grünphase erhalten. Die Umlaufzeitverlängerung setzt sich aus ca. 15 Sekunden Grünzeit für die Fußgänger und ca. 15 Sekunden Schutzzeit (Zeit, die zwischen dem Ende der Grünzeit des räumenden Fußgängerverkehrsstroms und dem Beginn der Grünzeit des einfahrenden Kfz-Verkehrsstroms verstreichen muss) zusammen.

 

An den "großen" Kreuzungen würden sich durch eine "Rundumgrün-Schaltung" sogar Umlaufzeitverlängerungen von ca. 35 Sekunden ergeben.

 

Als Konsequenz aus diesen Überlegungen bleibt festzuhalten, dass sich bei den heute üblichen Umlaufzeiten von 69 und 74 Sekunden durch das Einrichten von "Rundumgrün" Gesamtum­lauf­zeiten von bis zu 115 Sekunden ergeben würden. An Kreuzungen mit bestehender Umlaufzeit von 90 Sekunden würde zukünftig eine Erhöhung auf 130 Sekunden für einen Umlauf erfor­derlich werden.

 

Die notwendige Erhöhung der Umlaufzeiten führt natürlich zwangsläufig zu einer Erhöhung der Wartezeiten für die Fußgänger und dem fließenden Kraftfahrzeug-/Busverkehr.

 

Konkret bedeutet eine Schaltung der Lichtsignalanlagen in "Rundumgrün" (d.h. ohne die Möglichkeit, die Kreuzung diagonal zu queren) für die Fußgänger, dass sie zwei Umläufe warten müssen, um die Kreuzung "über Eck" zu queren. Die längeren Wartezeiten führen zu einem größeren Fußgängerverkehrsstrom je Umlauf mit der Folge, dass u.U. die vorhandenen Aufstellflächen an der Kreuzung nicht mehr ausreichen. Die Schaffung größerer Aufstellflächen wäre verbunden mit einem erhöhten Kostenaufwand u.a. für Grunderwerb und den notwendigen Umbaumaßnahmen.

 

Für den übrigen Verkehr (Busse, Kfz, teilweise Fahrradfahrer) kann eine Erhöhung der Warte­zeit zu erheblichen Beeinträchtigungen im Verkehrsablauf führen. Die Beeinträchti­gun­gen können ein so hohes Ausmaß annehmen, dass die Leistungsfähigkeit im Kreuzungsbe­reich nicht mehr gegeben ist.

Die mangelhafte Leistungsfähigkeit eines Knotenpunktes führt zu einer erheblichen Staubildung im Kreuzungsbereich, verbunden mit den bekannten Folgen wie Rotlichtfahrer und Unfälle, Erhöhung der Abgas- und Lärmemissionen sowie Überstauung vorhandener Abbiegefahr­strei­fen. Auch das Schalten einer "Grünen Welle“ ist dann nicht mehr möglich.

 

Um die Möglichkeit der Einrichtung einer "Rundumgrün-Schaltung" in Göttingen zu untersuchen, hat die Verwaltung beispielhaft an der Kreuzung Kreuzbergring/Robert-Koch-Straße/Humboldt­allee (Knotenpunktnummer K57) am 28.10.2008 eine Verkehrszählung durchgeführt (vgl. Abbildung 3 und 4) und anschließend für diese Kreuzung die Qualitätsstufen entsprechend dem "Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS)" im Vorher/Nachher–Vergleich ermittelt (vgl. nachfolgende Tabelle).

Abbildung 4: Darstellung der Kreuzung Kreuzbergring/Robert-Koch-Straße/Humboldtallee

 

Abbildung 4: Darstellung der Knotenpunktbelastung in der Spitzenstunde (Gesamtknoten­punkt­bela­stung: ca. 31.500 Kfz/24h)

 

 

 

 

Jetzige Schaltung

Rundumgrün - Schaltung

Straßenast

Richtung

Wartezeit [s]

Qualitätsstufe

Wartezeit [s]

Qualitätsstufe

Kreuzbergring West

g + r

13

A

28

A

l

112

F

202

F

Humboldtallee

g + r

22

C

136

F

l

20

B

*

F

Kreuzbergring Ost

g

22

C

101

F

r

20

B

39

C

l

-

***

**

F

Robert-Koch-Straße

g + r

61

D

114

F

l

225

F

741

F

 

*  = es besteht keine Möglichkeit zum geordneten Linksabbiegen mehr

** = es besteht keine Möglichkeit zum geordneten Linksabbiegen mehr , die wenigen Linksabbieger werden bei „rot“ die Kreuzung räumen

*** = die wenigen Linksabbieger werden bei „gelb“ die Kreuzung räumen

 

g = Geradeausverkehr

l = Linksabbieger

r= Rechtsabbieger

 

Anmerkungen zu den HBS-Qualitätsstufen und mittleren Wartezeiten:

 

Die Auswertung hat gezeigt, dass durch eine "Rundumgrün-Schaltung" die Leistungs­fähig­keit der Kreuzung Kreuzbergring/Robert-Koch-Straße/Humboldtallee nicht mehr gegeben ist. Bis auf den Straßenast Kreuzbergring West (geradeaus und rechts) und Kreuzbergring Ost (rechts) kann keine Fahrbeziehung mehr eine ausreichende Qualitätsstufe (Stufe D oder besser) aufweisen.

 

Auch für den Fußgänger- und Radverkehr würde mit der "Rundumgrün-Schaltung" eine Ver­schlech­terung eintreten. Bei der jetzigen Schaltung erreichen die Fußgänger noch die ausrei­chen­den Qualitätsstufen B bis D und die Radfahrer die Stufen B bis C (mittlere Wartezeit:
18 s bis 28 s).

Bei einer "Rundumgrün-Schaltung" würden die Fußgänger und Radfahrer die unzureichen­de Qualitätsstufe F (mittlere Wartezeiten: für Fußgänger 50 s, für Radfahrer 60 s) erreichen.

 

Schlussfolgerung: An den Kreuzungen mit entsprechend großem Fußgänger­verkehrs­aufkom­men in Göttingen ist es nicht ratsam ist, die Lichtsignalanlagen mit einer "Rundum­grün-Schaltung" auszustatten, da die Wartezeiten für Fußgänger, Radfahrer und motorisier­tem Verkehr  so groß werden, dass die Leistungsfähigkeit an dem jeweiligen Knotenpunkt nicht mehr als verträglich einzustufen ist.

 

Thema "Diagonalgrün-Schaltung":

Für die Schaltung einer signalisierten Kreuzung in "Diagonalgrün“ ist ebenfalls ein entspre­chen­­des Fußgängerverkehrsaufkommen erforderlich, insbesondere hinsichtlich der Que­rungs­­nach­frage "über Eck" (vgl. Abbildung 2). Dieser Querungsbedarf ist an folgenden Kreuzungen gegeben:

 

·                Groner Tor (Knotenpunktnummer K17)

·                Geismar Tor (Knotenpunktnummer K23)

·                Kreuzbergring/Robert-Koch-Straße/Humboldtallee (Knotenpunktnummer K57)

 

Für eine Diagonalquerung sind die Querungszeiten natürlich länger als bei der  Variante "Rundumgrün“ (da der zu querende Weg länger ist). Die Querungsmehrzeit von ca. 5 Sekunden ergibt im Fall der "Diagonalgrün-Schaltung" eine Umlaufzeitverlängerung um 40 Sekunden an einer mittelgroßen Kreuzung .

 

Bei einer großen Kreuzung führt eine Umlaufzeitverlängerung von 50 bis 60 Sekunden sogar zu einer Gesamtumlaufzeit von bis zu 150 Sekunden, was nicht im Einklang mit der "Richtlinie für Lichtsignalanlagen (RiLSA)" steht, da in dieser Richtlinie ein maximaler Wert für die Umlaufzeit von 120 Sekunden vorgegeben ist.

 

Im Fall des "Diagonalgrüns" müssen folglich die Umlaufzeiten noch mehr erhöht werden als bei der Variante "Rundumgrün". Die Wartezeiten/Beeinträchtigungen erhöhen sich für alle Verkehrsarten somit in einem noch größeren Ausmaß, so dass für die  aufgrund des vorhan­denen Fußgängerverkehrsaufkommens in Frage kommenden Kreuzungen noch schlechtere Leistungsfähigkeiten erreichet werden.

 

Schlussfolgerung: Da schon eine "Rundumgrün-Schaltung" für die Kreuzungen in Göttingen nicht zu empfehlen ist, ist auch eine "Diagonalgrün-Schaltung" aufgrund der o.a. Nachteile abzulehnen.

 

Erfahrungen anderer Städte:

 

In Berlin wurde am 1. Juni 2000  an der Kreuzung Kochstraße/Friedrichstraße (Eigenart der Kreuzung: kleinräumig und starker Fußgängerverkehr) die Lichtsignalanlage mit einer "Rundumgrün-Schaltung" ausgestattet. Es hat sich eine spürbare Staubildung, Behinderung der Busse (Gegensatz zur angewendeten Busbeschleunigung) sowie eine Verdrängung des Kfz-Verkehrs in angrenzende Wohnstraßen mit dortiger Gefährdung von Fußgängern eingestellt. Da die Unfallhäufigkeit auch mit "Rundumgrün-Schaltung" nicht abgenommen hat, werden weitere Versuche in Berlin nicht mehr durchgeführt.

 

In Aachen gibt es "Rundumgrün“ nur an Anlagen mit hoher Fußgängerfrequenz und sehr niedriger Kfz-Belastung am Rand der Fußgängerzone und mitten im Studentenwohnviertel. Der DTV liegt dort bei max. 6.000 Kfz/24h an der am stärksten belasteten Straße.

 

Vergleichbare Kreuzungen gibt es in Göttingen nicht.

 

Überhaupt bleibt festzuhalten, dass die Stadt Göttingen keine nennenswerte Zahl von Unfällen zwischen Rechtsabbiegern und parallel freigegebenen Fußgängern zu verzeichnen hat.

 

 

Finanzielle Auswirkungen:

 

Finanzielle Auswirkungen:

 

Keine Kosten bei Nichteinführung

bei Umsetzung von „Rundumgrün“ je Lichtsignalanlage 2.000,00 €

bei Umsetzung von „Diagonalgrün“ je Lichtsignalanlage 30.000,00 € zuzüglich erforder­licher Aufstellflächen (die genauen Kosten hierfür wären erst nach Ausarbeitung ent­spre­chen­der Pläne zu beziffern)

 

Anlagen:

 

Anlagen:

 

Antrag der Bündnis 90 / Die Grünen

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich BA Antrag Rundumgrün an Kreuzungen Grüne 110408 (17 KB)      
 
 

zurück