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Betreff: 2. Änderung des Flächennutzungsplans 2017 der Stadt Göttingen "Zimmermannstraße"
- Auslegungsbeschluss
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:61-Fachbereich Planung, Bauordnung und Vermessung   
Beratungsfolge:
Ortsrat Weende/Deppoldshausen Vorberatung
15.04.2021 
31. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ortsrates Weende/Deppoldshausen ungeändert beschlossen   
Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke Vorberatung
22.04.2021 
65. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke ungeändert beschlossen   
Verwaltungsausschuss Entscheidung
Ortsrat Herberhausen Vorberatung
11.05.2021 
23. öffentliche Sitzung des Ortsrates Herberhausen      
Verwaltungsausschuss Entscheidung

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag: 

 

1. Dem Entwurf zur 2. Änderung des Flächennutzungsplans 2017 der Stadt Göttingen „Zimmermannstraße“ wird zugestimmt.

 

2. Die Verwaltung wird beauftragt, für die o. g. Flächennutzungsplanänderung die öffentliche Auslegung gem. § 3 Abs. 2 BauGB durchzuführen.

 

3. Ziele und Zwecke der Planung:

 

-          Darstellung einer Wohnbaufläche (W)

-          Darstellung einer Fläche für Wald für die externe Kompensationsmaßnahme

 

4. Teiländerungsbereich A:

 

Der Geltungsbereich /Teiländerungsbereich A umfasst eine ca. 0,4 ha große Fläche am östlichen Ende der Zimmermannstraße in der Gemarkung Weende.

 

Die Fläche schließt im Südwesten an die Zimmermannstraße sowie an die im Flächennutzungsplan 2017 dargestellten Wohnbauflächen an. Im Norden wird die Fläche durch einen parallel zum Waldrand verlaufenden Weg begrenzt. Im Südosten verläuft die Grenze in ca. 30 m Entfernung zum Nikolausberger Weg.

 

Teiländerungsbereich B:

 

Der Geltungsbereich /Teiländerungsbereich B umfasst eine ca. 1,9 ha große Grünlandfläche in der Gemarkung Göttingen.

Es handelt sich um das Flurstück 214/91 Flur 47, Gemarkung Göttingen dass sich ca. 550 m südlich der Ortslage Herberhausen am Waldrand befindet.

 

Maßgeblich ist die zeichnerische Darstellung im Maßstab 1:2500.

Begründung:

 

Die Stadt Göttingen hat 2010 das Verfahren zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplans mit dem Ziel eingeleitet, den Bedarf der zukünftigen Wohnbauflächen im Stadtgebiet Göttingen nachfragegerecht, ressourcensparend und möglichst klimaneutral vorzubereiten. Aufgrund der hohen Bedeutung der Wohnbaulandthematik wurde im Vorfeld ein Wohnbaulandkonzept erstellt. Zur genauen Einschätzung des Bedarfs an neuen Wohnbauflächen wurde 2012/2013 die „Wohnbauflächenbedarfsprognose 2025“ durch das Büro GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung GmbH erarbeitet, die durch die „Wohnraumbedarfsprognose Göttingen 2030“ im Jahr 2016 aktualisiert wurde. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass der Bedarf an Wohnungen bis 2020 auf ca. 800 Ein- und Zweifamilienhäuser sowie 2.400 Wohnungen in Mehrfamilienhäuser ansteigen wird. Für das Jahr 2030 wird mit einem Bedarf von insgesamt 1.300 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäuser sowie 3.500 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gerechnet.

Auf Grundlage der Prognose wurde ein zusätzlicher Gesamtflächenbedarf von 122 ha ermittelt. Die Auswahl der Flächen erfolgte in einem dreistufigen Verfahren. Alle Flächen, die in Frage kamen, wurden auf ihre Eignung überprüft. Auf der Grundlage der Bedarfsprognose und dem planerischen Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ wurde daraufhin 60 Flächen in den Flächennutzungsplan 2017 übernommen. Der Flächennutzungsplan 2017 der Stadt Göttingen wurde im August 2017 rechtskräftig. Bei der ca. 1,1 ha großen Fläche am östlichen Ende der Zimmermannstraße handelt es sich um eine dieser insgesamt 60 Wohnbauflächen, die erstmalig im neuen Flächennutzungsplan dargestellt wurden.

 

Im Februar 2018 hat der Verwaltungsausschuss der Stadt Göttingen beschlossen, das Plangebiet nach Nordosten zu erweitern, um ein zusätzliches Angebot an Geschosswohnungsbau zu schaffen. Da dieser ca. 0,4 ha große Ergänzungsbereich von der Wohnbauflächenausweisung im FNP 2017 noch nicht erfasst war, wurde am 26.02.2018 der Aufstellungsbeschluss für die Änderung des Flächennutzungsplans gefasst. Gemäß § 8 Abs. 2 BauGB sind Bebauungspläne aus dem Flächennutzungsplan zu entwickeln. Die geplante Erweiterung und Festsetzung als Wohngebiet ist mit den Darstellungen des Flächennutzungsplans nicht vereinbar. Um die Bebauungsplanänderung rechtssicher aufzustellen, ist die vorliegende 2. Änderung des Flächennutzungsplans erforderlich. Es soll eine Änderung der Flächendarstellungen von Fläche für Wald in Wohnbaufläche gem. § 1 Abs. 1 Nr. 1 BauNVO erfolgen.  Die Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Behörden und Träger öffentlicher Belange fand im Anschluss in der Zeit vom 13.08.2018 bis 24.08.2018 statt.

 

Während der Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern ein ausreichendes Flächenangebot gegenübersteht, kann der prognostizierte Bedarf im Geschosswohnungsbau durch das Flächenangebot im Flächennutzungsplan 2017 nach wie vor nicht ganz gedeckt werden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es im Stadtgebiet nur eine begrenzte Anzahl an Flächen gibt, die sich für Geschosswohnungsbau eignen. Das Defizit soll durch die Erweiterung im Bereich Zimmermannstraße reduziert werden. Hinsichtlich alternativer Standortflächen ist festzustellen, dass die geplante Wohnbaufläche aufgrund der benachbarten bestehenden Bebauung bereits eine Beeinträchtigung durch die Siedlungslage aufweist. Eine Anbindung an die verkehrliche Erschließung sowie an das Ver- und Entsorgungsnetz der Stadt Göttingen ist problemlos und ohne besonderen zusätzlichen Aufwand möglich. Aufgrund der Innenstadtnähe des Plangebiets, der Nähe zu Schulen und mehreren Standorten der Universität ist zudem auch im Hinblick auf die soziale Infrastruktur eine gute Standorteignung des Plangebietes zu verzeichnen.

 

Alternative Potenzialflächen aus dem Pool des Baulandmanagements eigenen sich nicht besser für eine verdichtete Wohnbauentwicklung wie sie an der Zimmermannstraße vorgesehen ist. Die wenigen weiteren in Frage kommenden Flächen des Bau-landmanagements im verdichteten urbanen Bereich weisen andere Entwicklungs-hemmnisse auf, wie u. a. vorhandene Gewerbenutzung (Salinenweg) oder eine hohe bis sehr hohe Bedeutung für die Bodenfunktion (Helmsgrund und Südliche Feldmark West 2).

 

Der Flächennutzungsplan 2017 stellt den Bereich als Fläche für Wald dar. Im Gegensatz zu den angrenzenden Waldgebieten weist die Erweiterungsfläche, ebenso wie die benachbarten Teilflächen, die in den Flächennutzungsplan 2017 erstmalig als Wohnbauland aufgenommen wurden, einen Bewuchs mit einem jungen Ahorn-Eschen-Pionierwald sowie ein Komplex aus Gras-, Stauden- und Ruderalflur mit mesophilem Gebüsch von mittlerer Biotopwertigkeit auf.

 

Die Fläche ist wegen ihrer Lage in einer Kaltluftschneise allerdings von sehr hoher stadtklimatischer Bedeutung. Die Bebauung und die planerischen Festsetzungen im Bebauungsplan, der im Parallelverfahren aufgestellt wird, müssen darauf entsprechend reagieren. Eine Riegelbildung ist zu vermeiden. Die Bewertung erfolgt anhand einer Klimadetailanalyse, die zum städtebaulichen Konzept erstellt wurde. Diese stellt fest, dass die durch die erwartete Modifikation des Kaltluftströmungsfeldes beeinflussten Flächen nicht als humanbioklimatische Belastungsräume einzustufen sind. Eine planbedingte Verschlechterung der humanbioklimatischen Belastungssituation in der Göttinger Nordstadt ist damit unwahrscheinlich (dazu im Anhang Klimaexpertise von Geo-Net 2020: 26-27). Das städtebauliche Konzept und die Ergebnisse der Analyse sind den Unterlagen zum Bebauungsplan Göttingen-Weende Nr. 59 „Zimmermannstraße“ zu entnehmen (vgl. Beschlussvorlage-Nr. FB61/1877/21).

 

Bei anderen Aspekten hinsichtlich der Bebaubarkeit wie die vorhandene verkehrliche und technische Infrastruktur und die zeitliche Verfügbarkeit der Wohnbaufläche wurden nur geringe Konfliktsituationen festgestellt. Die äußere Erschließung des Gebiets soll über die Zimmermannstraße erfolgen. Für die Erweiterung spricht neben dem dringenden Bedarf an Geschosswohnungsbau weiterhin, dass die Maßnahme ohne zusätzlichen Erschließungsaufwand realisiert werden kann.

 

Als Ausgleich für die überbauten Pionierwaldflächen und als Biotopwertausgleich werden Aufforstungen auf einer Fläche am Waldrand südlich des Ortsteils Herberhausen vorgenommen. Der Teilgeltungsbereich B ist im Flächennutzungsplan 2017 als Flächen für die Landwirtschaft ausgewiesen. Real stellen sie artenarme, intensive Grünlandflächen sowie eine ehemalige Weihnachtsbaumplantage dar. Etwa 1,4 ha Grünlandfläche wird aufgeforstet. Da es sich bereits um Flächen am Waldrand handelt, wird die Darstellung der Flächen für Wald im Flächennutzungsplan nach Norden hin erweitert, so dass die Flächen wie die angrenzenden Bereiche ebenso als Waldflächen im Flächennutzungsplan dargestellt werden.

 

Zum Zeitpunkt des Aufstellungsbeschlusses lag der Änderungsbereich an der Zimmermannstraße noch innerhalb des Landschaftsschutzgebietes Leinetal. Aus diesem Grund wurde ein Verfahren zur Entlassung der Änderungsbereichsteilfläche A aus dem Landschaftsschutzgebiet „Leinetal“ durchgeführt, das 2019 abgeschlossen wurde. Die Änderungsverordnung wurde am 26.3.2019 rechtsverbindlich. Der Änderungsbereich des Flächennutzungsplans liegt nunmehr außerhalb der Schutzgebietsabgrenzung. Die Abgrenzung des Landschaftsschutzgebiets ist nachrichtlich in der Plankarte der Flächennutzungsplanänderung dargestellt.

 

Die Aufstellung der 2. Änderung des Flächennutzungsplans 2017 erfolgt gem. § 8 Abs. 3 Satz 1 BauGB parallel zum genannten Bebauungsplan. Daraus folgt, dass die öffentliche Auslegung gem. § 3 Abs. 2 BauGB für den Bebauungsplan Göttingen-Weende Nr. 59 „Zimmermannstraße“ und die 2. Änderung des Flächennutzungsplans 2017 „Zimmermannstraße“ gleichzeitig durchgeführt werden.

Finanzielle Auswirkungen:

 

 Nein

 

 siehe Anlage

 

 

 

Anlagen:

 

   Klima-Checkliste   oder       Klima neutral

 

weitere Anlagen:

 

 

-          Planzeichnung (Entwurf)

-          Begründung mit Umweltbericht (Entwurf)

-          Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag von CORAX 2016 *

-          Biotopkartierung nach Drachenfels von p+t 2019 *

-          Stellungnahme zum Schutzgut Klima von GeoNET 2016 *

-          Klimaexpertise von GeoNET 2020 *

-          Verkehrsuntersuchung zum Bebauungsplan von PGT 2020 *

-          Schalltechnisches Gutachten vom Akustikbüro 2021 *

-          Stellungnahmen Frühzeitige Beteiligung *

 

 

* Die gekennzeichneten Anlagen sind nur im Ratsinformationssystem ALLRIS als Anlage hinterlegt und beim Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung einsehbar.

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 12 1 öffentlich FNP-Ae_X_02_2021-03-03_Klima-Check_EB (766 KB)      
Anlage 3 2 öffentlich FNP-Ä_X_02_2021-02-26_Planzeichnung_EB (2607 KB)      
Anlage 1 3 öffentlich FNP-Ae_X_02_2021-03-26_Begruendung+UWB_EB (1263 KB)      
Anlage 2 4 öffentlich FNP-Ae_X_02_2021-03-26_Planzeichnung_gross_EB (4449 KB)      
Anlage 8 5 öffentlich wee059_2016-09_Fauna ud Artenschutz CORAX September 2016 (1982 KB)      
Anlage 10 6 öffentlich wee059_00_2019-09-23_Biotopkartierung-Bericht 2019 (3666 KB)      
Anlage 11 7 öffentlich wee059_00_2019-09-23_Biotopenbestand_A3_2019 (512 KB)      
Anlage 9 8 öffentlich wee059_2016-04-20_Klimagutachten Geo-Net 2016 (727 KB)      
Anlage 7 9 öffentlich wee059_2020-01-15_Klimaexpertise 2020 (2813 KB)      
Anlage 6 10 öffentlich wee059_2020-12-16_Verkehrsgutachten_Zimmermannstraße 2020 (3673 KB)      
Anlage 5 11 öffentlich wee059_2021-01-29_Schalltechnische Untersuchung 2021 (9584 KB)      
Anlage 4 12 öffentlich wee059_2021-03-11_Stellungnahmen_Frühzeitige_EB (357 KB)      
 
 

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