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Betreff: Bebauungsplan Göttingen-Nikolausberg Nr. 22 "Auf der Lieth"
- Aufstellungsbeschluss
- Frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:61-Fachbereich Planung, Bauordnung und Vermessung   
Beratungsfolge:
Ortsrat Nikolausberg Vorberatung
18.03.2021 
25. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ortsrates Nikolausberg ungeändert beschlossen   
Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke Vorberatung
22.04.2021 
65. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke ungeändert beschlossen   
Verwaltungsausschuss Entscheidung

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag: 

 

  1. Für den nachfolgend aufgeführten Geltungsbereich wird der Aufstellungsbeschluss gem. § 2 Abs. 1 BauGB für den Bebauungsplan Göttingen-Nikolausberg Nr. 22 „Auf der Lieth“ gefasst.

 

  1. Die Verwaltung wird beauftragt, für den genannten Bebauungsplan das erforderliche Verfahren mit Durchführung der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden einzuleiten.

 

  1. Ziele und Zwecke der Planung:
  • Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen zur Entwicklung eines Baugebietes für eine Wohnbebauung, vornehmlich Geschosswohnungsbau.
  • Festsetzung eines allgemeinen Wohngebietes gem. § 4 BauNVO unter Ausschluss bestimmter Nutzungsarten, insbesondere der nach § 4 Abs. 3 BauNVO.
  • Festsetzungen zum Maß der baulichen Nutzung hinsichtlich Zahl der Vollgeschosse, Grund- und Geschossflächenzahl sowie Gebäudehöhen.
  • Festsetzung der öffentlichen Flächen zur verkehrlichen Erschließung des Gebietes.
  • Ausbildung eines Siedlungsrandes zur Einbindung des Baugebietes in das Orts-/Landschaftsbild.

 

  1. Geltungsbereich:

Der Geltungsbereich liegt am südöstlichen Rand der Ortslage Nikolausberg und schließt unmittelbar östlich an die Verkehrsfläche der Straße „Auf der Lieth“ an. Der Geltungsbereich wird im Norden durch eine kleine Waldfläche begrenzt, an die wiederum die Flächen des Nikolausberger Sportclub e.V. anschließen. Im Osten schließt der offene Landschaftsraum mit dem Naturschutzgebiet „Bratental“ an. Im Süden wird der Geltungsbereich durch Grünlandflächen sowie ackerbaulich genutzte Flächen begrenzt.

Vom Geltungsbereich sind die Flurstücke 173, 174 (tlw.), 175/1 und 29/2 der Flur 6 der Gemarkung Nikolausberg betroffen. Die Größe des Geltungsbereichs beträgt ca. 1,46 ha.

 

Mit dem Bebauungsplan werden Teilbereiche des Bebauungsplan Göttingen-Nikolausberg Nr. 14 „Erweiterte Sportanlagen“, in Kraft getreten am 01.02.1974, überplant.

 

Maßgeblich ist die zeichnerische Darstellung im Maßstab 1:500.

Begründung:

 

Planungsanlass

Im Jahr 2017 hat die Stadt Göttingen ihren Flächennutzungsplan neu aufgestellt. Einer der Schwerpunkte des FNP ist die Bereitstellung einer ausreichenden Anzahl geeigneter Flächen für den Wohnungsbau. Zur Ermittlung des mengenmäßigen Bedarfs an Wohneinheiten sowie entsprechender Baulandflächen wurde eine Wohnbaulandbedarfsprognose (GEWOS) sowie darauf aufbauend ein Wohnbaulandkonzept erstellt. Im Wohnbaulandkonzept wurden gemäß dem Bedarf an Bauland bis 2030 Potentialflächen für künftige Baugebiete festgelegt. Diese sind im Flächennutzungsplan entsprechend als Flächen für die künftige Siedlungsentwicklung dargestellt.

Während das vorgesehene Bauland für verdichtete Bauweisen wie Geschosswohnungsbau vorwiegend im Bereich der Kernstadt zu finden ist, soll der Einfamilienhausbau vorwiegend in den Ortsteilen angesiedelt werden. Damit werden den Ortsteilen Möglichkeiten der baulichen Entwicklung in angemessenem Umfang eingeräumt, dabei aber sichergestellt, dass diese unter Wahrung des Siedlungscharakters der Ortsteile, welche meist durch eine kleinteilige Bebauung geprägt sind, erfolgt. Der südöstliche Siedlungsbereich von Nikolausberg stellt hier eine Ausnahme dar, da dieser stark durch Geschosswohnungsbau geprägt ist. Im Wohnbaulandkonzept wurde die örtliche Situation bereits berücksichtigt und eine Entwicklung der Fläche mit Geschosswohnungsbau vorgesehen. Das Plangebiet ist als Potentialfläche „Auf der Lieth“ mit einer Größe von 1,5 ha ausgewiesen und soll der Entwicklung von Geschosswohnungsbau sowie ergänzenden Nutzungsstrukturen dienen. Aufgrund eines entsprechenden Bedarfs im Ortsteil sollen hier insbesondere auch Formen des altengerechten Wohnens Berücksichtigung finden. Je nach Ausgestaltung des städtebaulichen Entwurfs und der dort vorgesehenen Wohnformen ist von ca. 70 bis 120 Wohneinheiten auszugehen.

Die Fläche „Auf der Lieth“ ist im Flächennutzungsplan 2017 als Wohnbaufläche gem. § 1 Abs. 1 Nr. 1 BauNVO dargestellt. Der Bebauungsplan wird somit gem. § 8 Abs. 2 BauGB aus dem Flächennutzungsplan entwickelt.

Die Flächen des Geltungsbereiches befinden sich vollständig im Eigentum der Stadt Göttingen.

Die nördlichen Flurstücke des Geltungsbereiches sind bereits durch den Bebauungsplan Göttingen-Nikolausberg Nr. 14 „Erweiterte Sportanlagen“ beplant, der hiermit in Teilen überplant wird. Das Flurstück 174 ist dort als Fläche für die Landwirtschaft festgesetzt und wird auch als solche genutzt. Das Flurstück 173 ist als Grünfläche festgesetzt und enthält in Teilen weiterhin die Festsetzung einer Gemeinschaftsstellplatzanlage, welche jedoch nicht errichtet wurde. Auf dem nördlichen Teil dieses Flurstückes befindet sich die Wendeschleife für die Buslinien der GÖVB.

 

Ziele und Zwecke der Planung

Mit dem aufzustellenden Bebauungsplan sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen zur baulichen Entwicklung des Gebietes „Auf der Lieth“ geschaffen werden.

Das Gebiet soll zur Deckung des Bedarfs an zusätzlichem Wohnraum im Ortsteil Nikolausberg beitragen und dementsprechend vorwiegend dem Nutzungszweck „Wohnen“ dienen. Daher soll das Baugebiet als allgemeines Wohngebiet gem. § 4 BauNVO ausgewiesen werden. Zu den hier zulässigen Wohngebäuden gehören auch solche, die ganz oder teilweise der Betreuung und Pflege ihrer Bewohner*innen dienen. Damit sind hier auch unterschiedliche Formen des altengerechten oder betreuten Wohnens zulassungsfähig. Neben dem Wohnen soll hier aber auch die Zulässigkeit der Versorgung des Gebietes dienender Nutzungen gem. § 4 Abs. 2 Nr. 2 u. 3 BauNVO (z.B. Läden, Schank- und Speisewirtschaften, soziale Einrichtungen), gegeben sein. Die gem. § 4 Abs. 3 BauNVO nur ausnahmsweise zulässigen Nutzungen werden voraussichtlich nicht mit der geplanten Baugebietsentwicklung vereinbar sein. Der Ausschluss dieser Nutzungen wird daher im weiteren Verfahren geprüft.

Die künftige Bebauung soll sich in ihren wesentlichen städtebaulichen Maßen (Zahl der Vollgeschosse, Gebäudehöhe, Grundfläche) an der in der näheren Umgebung vorhandenen Geschosswohnungsbebauung von vier Vollgeschossen und mehr orientieren. Damit soll dem baulichen Charakter der Ortslage in diesem Bereich entsprochen werden sowie die Anforderungen an flächensparende Bauweisen mit einer adäquaten Ausnutzung der vorhandenen Baulandflächen Berücksichtigung finden.

Aufgrund der exponierten Hanglage wird der Einbindung in das Orts- und Landschaftsbild eine hohe Bedeutung beizumessen sein. Um die Einbindung der künftigen Bebauung in das Landschaftsbild zu stützen, wird die Festsetzung von Pflanzmaßnahmen geprüft, um einen angemessenen Siedlungsrand auszubilden. In diesem Sinne erscheint die am südlichen Plangebietsrand vorhandene Gehölzkulisse als erhaltenswert einzustufen.

Das Plangebiet grenzt unmittelbar an die Straßenverkehrsfläche der Straße Auf der Lieth an, so dass die Flächen unmittelbar hierüber erschlossen werden können. Je nach städtebaulichem Konzept werden ggf. weitere öffentliche Verkehrsflächen zur internen Erschließung des Areals erforderlich. Im Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung ist unter Umständen auch eine Verlegung der für den Stadtbusverkehr erforderlichen Wendeanlage in Betracht zu ziehen, was dann planungsrechtlich abgesichert werden soll.

 

Bereits vorliegende Umweltinformationen

Auf den vom Geltungsbereich vollständig erfassten Flurstück 29/2 bestehen Grünlandflächen, die dem Biotoptyp des sonstigen mesophilen Grünlands (GMS) entsprechen. Mit Wirkung zum 01.01.2021 gilt das sonstige mesophile Grünland in Niedersachsen als gesetzlich geschütztes Biotop gem. § 24 Abs. 2 Niedersächsisches Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz (NAGBNatSchG) und damit auch als gesetzlich geschütztes Biotop gem. § 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Gemäß § 30 Abs. 4 BNatSchG können für durch Bebauungspläne zu erwartende Eingriffe Ausnahmen oder Befreiungen erteilt werden, wenn diese ausgeglichen werden können.

Da städtebauliche Gründe für die Realisierung des Baugebietes, die eine Einziehung des Flurstücks 29/2 erforderliche machen, überwiegen (Erweiterungsflächen nach Osten lassen sich nur mit erheblichem Aufwand entwässern), hat die Untere Naturschutzbehörde nach Vorlage der Ergebnisse der standortbezogenen Vorprüfung und bei Durchführung eines 1:1 Ausgleichs eine Ausnahme nach § 30 Abs.4 BNatSchG in Aussicht gestellt.

 

Weiteres Verfahren

Der Ortsrat Nikolausberg engagiert sich bereits seit vielen Jahren für die Entwicklung altengerechter sowie intergenerativer Wohnformen im Ortsteil. Nach der Aufnahme der Fläche „Auf der Lieth“ in den Flächennutzungsplans 2017 gründete der Ortsrat eine Arbeitsgruppe, die ihre Entwicklungsvorstellungen mit der Projektskizze „Wohnen mit Weitblick“ im August 2018 konkretisierte. Seitdem wurden unter Federführung der Ortsbürgermeisterin Fr. Margraf, teils auch unter Einbindung der Verwaltung, verschiedene Gespräche u.a. mit potentiellen Bauherren geführt. Bisher konnte hierfür jedoch noch kein Projektentwickler gewonnen werden.

Derzeit liegt für die Flächen noch kein konkretes städtebauliches Konzept vor. Um die Entwicklung der Fläche voranzubringen, ergeht mit dem vorliegenden Aufstellungsbeschluss der Arbeitsauftrag an die Verwaltung den Bebauungsplan im Sinne einer Angebotsplanung aufzustellen. Nach Fassung des Aufstellungsbeschlusses soll ein Planungsbüro mit der Erarbeitung des Bebauungsplans sowie des erforderlichen städtebaulichen Konzeptes beauftragt werden. Anschließend soll das städtebauliche Konzept mit ggf. in Frage kommenden Varianten den politischen Gremien vorgelegt werden sowie die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange gemäß der §§ 3 Abs. 1 und 4 Abs. 1 BauGB durchgeführt werden. Darauf erfolgt die Erarbeitung des Bebauungsplanentwurfs.

Die Vergabe der Grundstücke wird in einem Verfahren, welches u.a. in enger Abstimmung mit dem Ortsrat erarbeitet werden soll, erfolgen.

Finanzielle Auswirkungen:

 

 Nein

 

 siehe Anlage

Anlagen:

 

  • Übersichtsplan Geltungsbereich
Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Nik022_Auf der Lieth_Geltungsbereich (535 KB)      
 
 

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