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Betreff: Artenauswahl bei Neupflanzungen von Gehölzen innerhalb des Gemeindegebietes der Stadt Göttingen
(Antrag von Britta Walbrun, beratendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität als Naturschutzbeauftragte der Stadt Göttingen vom 12.05.2020)
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:67-Fachbereich Stadtgrün und Umwelt   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität Entscheidung
26.01.2021 
38. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität vertagt (zurückgestellt)   
23.02.2021 
39. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität vertagt (zurückgestellt)   
23.03.2021 
40. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag: 

 

Bei Neupflanzungen von Gehölzen werden im Übergangsbereich zur freien Landschaft und in naturnahen Grünflächen grundsätzlich einheimische und regionaltypische Baum- und Straucharten verwendet.

 

Im Siedlungsbereich der Stadt werden weiterhin artenreiche und klimaresistente Baum- und Straucharten (auch resistentere Sorten) gepflanzt, die sowohl heimisch als auch nicht heimischen Ursprungs sein können, um vor allem den gestiegenen Anforderungen durch den Klimawandel gerecht werden zu können.

 

Begründung:  

 

Seit März 2020 ist mit der Novellierung aus 2009 des Bundes-Naturschutzgesetzes § 40 Absatz 4 BNatSchG gesetzlich vorgeschrieben, dass in der freien Natur kein Pflanzmaterial verwendet werden soll, das seinen genetischen Ursprung nicht in der jeweiligen Region hat. Mit der Novelle wurde eine bundesweit geltende Vorschrift geschaffen. Diese muss nun in den Bundesländern vollzogen werden, ohne dass Abweichungsmöglichkeiten bestehen.

 

Dem gegenüber steht die Erfahrung, dass im innerstädtischen Raum heimische Gehölzarten im besonderen Maße von den Folgen der Klimaerwärmung betroffen sind. Seit einigen Jahren werden neuartige „Komplex-Erkrankungen“ u.a. an der Rotbuche beobachtet. Die klimatische Veränderung mit milden Wintern und Frühsommerdürren schwächen die Bäume in der Widerstandskraft gegen Schadorganismen. Teilweise treten bisher unauffällige Mikroben und Schlauchpilze als Pathogene auf (Quelle: HAWK Prof. Kehr). So fallen in den letzten Jahren in Göttingen u.a. vermehrt Birken (Betula pendula) durch Frühsommertrockenstress und nachfolgendem Pilzbefall aus (Quelle: Dr. Gitta Langer Forstliche Versuchsanstalt Göttingen). Rotbuche (Fagus sylvatica), Hainbuche (Carpinus betulus) sowie die im Stadtgebiet besonders häufig vertretenen Berg- und Spitzahorne (Acer pseudoplatanus und A. platanoides) und die Winterlinde (Tilia cordata) sind ebenfalls in ihrer Vitalität deutlich eingeschränkt und zeigen vermehrte Totastbildung.

 

Die Beschränkung auf wenige Baumarten erhöht die Gefahr, dass bei weiterer Erwärmung und zunehmendem Befallsdruck von Pathogenen einzelne Arten und größere Anteile des Baumbestandes im Stadtgebiet kurzfristig verloren gehen. Die kühlende Wirkung auf das städtische Klima kann durch Nachpflanzungen von Jungbäumen nur langsam ersetzt und nicht in dem erforderlichen Umfang kompensiert werden. Die kleinklimatische Funktion der Stadtbäume ist strategisch gesehen nur durch eine möglichst hohe Diversität an Baumarten und Sorten zu sichern. Dazu gehört auch die Verwendung von an wärmeres Stadtklima besser angepasste Baumarten bevorzugt aus Süd- /Südosteuropa.

 

Der FD Grünflächen hat für die Herausforderung eines sich weiter erwärmenden Stadtklimas für das Stadtgebiet u.a. eine Baum- und Strauchliste entwickelt, die für Bebauungspläne und Bauvorhaben in Göttingen als Empfehlung hinzugezogen werden soll. Die Liste basiert neben den Empfehlungen für die Verwendung gebietsheimischer Gehölze auch auf den Ergebnissen der Feldversuche und den daraus resultierenden Empfehlungen der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) des Dt. Städtetages. Weiter spielt die Erfahrung mit im Stadtgebiet Göttingens bereits bewährten Baumarten eine Rolle bei der Auswahl der Baumarten.

 

Die ‚Liste der zu empfehlenden Baum- und Straucharten‘ sieht in den Übergangsbereichen zur freien Landschaft sowie innerhalb oder angrenzend an naturnahe Flächen (FFH, Natura-2000, Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete) grundsätzlich gebietsheimische Baum- und Straucharten vor. Im Siedlungsbereich, bei stark versiegelten Flächen (diese können auch im Übergang zur freien Landschaft sein, z.B. Parkplätze und Verkehrsflächen von Industriegebieten), in gärtnerisch gepflegtem Stadtgrün und in historischen Parkanlagen sieht die Liste eine größere Vielfalt an Baum- und Straucharten (auch resistentere Sorten) vor, die auch nicht heimische Arten beinhaltet. Dabei werden Arten, die nachweislich von der heimischen Fauna als Nähr- und Heimstätte angenommen werden besonders berücksichtigt (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, 2020, Bienenbroschüre der LVM). Nachweislich invasive Arten wie z.B. der asiatische Götterbaum (Ailanthus a.) sind von der Liste ausgeschlossen.

 

Anmerkung

Göttingen weist durch die bereits über Jahrhunderte betriebene naturwissenschaftliche Lehre und Forschung durch Universität und Privatpersonen einen sehr artenreichen Baum- und Strauchbestand auf. In vielen Parkanlagen, Privatgärten und auf dem Universitätsgelände gedeihen Gehölze, die nicht regionaltypisch sind und aus Zeiten herrühren, in denen Arboreten (Pflanzensammlungen) angelegt wurden. Die naturwissenschaftliche Forschung hat so auch das Erscheinungsbild der Stadt geprägt und zu einem Gehölz-Kulturgut verholfen, das Göttingen ein Alleinstellungsmerkmal verleiht. Auch um diese Vielfalt zu erhalten und zu fördern, wird eine Gehölzliste für den städtisch urbanen Bereich und eine für Siedlungsübergänge in die freie Natur differenziert bereitgehalten.

 

Neben der weiteren Überarbeitung der Empfehlungsliste zur Gehölzverwendung in der Stadt Göttingen sind die Standards bei der Herstellung von Baumstandorten, der Anwachspflege und der Schutz von Bäumen im Stadtgebiet bei Baumaßnahmen zu verbessern.

 

 

Finanzielle Auswirkungen:

 

 Nein

 

 siehe Anlage

 

Anlagen:

 

- Antrag von Frau Britta Walbrun, beratendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität als Naturschutzbeauftragte der Stadt Göttingen vom 12.05.2020

- Protokollauszug Ausschusssitzung Umwelt, Klimaschutz u. Mobilität vom 26.05.2020 TOP 6

- Liste der zu empfehlenden Baum- und Straucharten, Dezember 2020

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich BerMi-0035-20 Artenwahl Gehölzpflanzungen (50 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich Protokollauszug Sitzung UKliMo 26.05.2020 TOP 6 (23 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich Baum- und Strauchartenliste_Dezember 2020 (125 KB)      
 
 

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