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Betreff: Umbau von Busbuchten in der Geismar Landstraße / Hauptstraße - Ergebnisse der Probephase
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:61-Fachbereich Planung, Bauordnung und Vermessung   
Beratungsfolge:
Ortsrat Geismar Anhörung
30.01.2020 
21. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ortsrates Geismar geändert beschlossen   
Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke Entscheidung
06.02.2020 
50. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke geändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag: 

 

Dem barrierefreien Umbau der Bushaltestellen Magdeburger Weg, Kiefernweg (jeweils beide Fahrtrichtungen), Hauptstraße stadtauswärts und Kurmainzer Weg stadteinwärts wird zugestimmt.

Die Bushaltestellen Magdeburger Weg und Kiefernweg (jeweils beide Fahrtrichtungen) werden als Busbuchten beibehalten.

Die heutigen Busbuchten Hauptstraße stadtauswärts und Kurmainzer Weg stadteinwärts werden zu Fahrbahnrandhaltestellen zurückgebaut.

 

Zukünftig werden im Zuge von barrierefreien Haltestellenumbauten grundsätzlich vorhandene Busbuchten zurückgebaut, außer örtliche Randbedingungen lassen dies nicht zu.

Begründung:

 

Einleitung

 

Die Verwaltung hatte dem Ortsrat Geismar am 28.03.2019 und dem Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke am 04.04.2019 mit der Vorlage FB61/1646/19 die Bushaltestellen vorgestellt, die im Jahr 2019 barrierefrei umgebaut werden sollten. Unter dem Begriff barrierefreier Umbau ist dabei die Ausstattung aller Bushaltestellen mit Bussonderborden und taktilen Leitsystemen zu verstehen.

Ein großes Thema während der Gremienberatung-/diskussion war der mögliche Rückbau bestehender Haltestellenbuchten zu sog. Fahrbahnrandhaltestellen.

Nachfolgend noch einmal die Vor-/Nachteile der beiden Varianten (Busbucht vs. Fahrbahnrandhaltestelle) kurz zusammengefasst:

Die Busbucht ist fahrdynamisch betrachtet eher ungünstig, da beim Ein- und Ausfahren unerwünschte Querbeschleunigungs-Kräfte auftreten, die den Fahrkomfort beeinträchtigen.

Laut Aussage der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) haben die Busfahrer*innen außerdem Probleme beim Verlassen der Busbuchten, da die Autofahrer*innen die Linienbusse trotz Vorfahrt der Busse teilweise nicht in den fließenden Verkehr einfädeln lassen, wodurch Verzögerungen im Fahrplan entstehen können. Dieses Problem würde es bei einer Fahrbahnrandhaltestelle nicht mehr geben, da der motorisierte Individualverkehr (MIV) hinter den haltenden Bussen warten muss.

Zudem müssen die Buchten eine vergleichsweise große Länge aufweisen, um auch hier mit allen Türen parallel am Bord halten zu können.

Bei einigen Haltestellen im Stadtgebiet (hier Magdeburger Weg und Kiefernweg) gibt es außerdem heute sehr schmale Seitenräume. Die Gehwege und Aufstellflächen für die Fahrgäste sind teilweise nur 1,00 bis 1,50 m breit. Hier könnten bei einem Rückbau ausreichend breite Flächen von jeweils 2,50 m Breite und mehr geschaffen werden.

Der Nachteil von Fahrbahnrandhaltestellen ist darin zu sehen, dass beim Rückbau der Buchten durch die auf der Fahrbahn haltenden Busse der Verkehrsablauf ggf. zu stark beeinträchtigt wird. Rückstaus wären die Folge.

Hinzu kommt der höhere bauliche und somit finanzielle (Mehr-)Aufwand beim Rückbau der Busbuchten zu einer Fahrbahnrandhaltestelle.

Um die Behinderung des fließenden Verkehrs während des Haltens in der Praxis zu ermitteln, wurde vom Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstück in der Aprilsitzung die Durchführung einer Probephase für die Haltestellen Magdeburger Weg, Kiefernweg (jeweils beide Fahrtrichtungen), Hauptstraße stadtauswärts und Kurmainzer Weg stadteinwärts beschlossen.

Die Bedenken bezogen auf einen Rückbau ergaben sich – auch verwaltungsseitig – insbesondere an den Haltestellen Magdeburger Weg und Kiefernweg (jeweils beide Fahrtrichtungen) aufgrund der hohen Verkehrsmengen und der Taktfolge der Busse im Bereich Hauptstraße/Geismar Landstraße.

Im Straßenzug Geismar Landstraße/Hauptstraße zwischen Danziger Straße und Sandersbeek liegt die Verkehrsbelastung in der morgendlichen Spitzenstunde im Durchschnitt bei ca. 1000 Kfz in Richtung stadteinwärts und in der abendlichen Spitzenstunde bei ca. 900 Kfz in Richtung stadtauswärts (Zählungen aus Oktober 2016).

Zu diesen Zeiten verkehren die Buslinien 21 und 22 der GöVB zusammen im ¼ Stunden-Takt und die Regionalbuslinien morgens mit drei und abends mit zwei Bussen – in der Summe also sieben Busse morgens und sechs Busse abends je Stunde und Richtung.

Für Fahrbahnrandhaltestellen liegen gemäß den einschlägigen Regelwerken bis zu einer Taktfolgezeit der Busse von 10 Minuten = sechs Busse/h und ca. 710 Kfz/h und Richtung (Empfehlungen für Anlagen des öffentlichen Personennahverkehrs (EAÖ 2013) bzw. 750 Kfz/h und Richtung nach der Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06) positive Erfahrungen vor.

Die Probephase zeigte, dass auch oberhalb der o. g. Werte ein Rückbau der Busbuchten grundsätzlich möglich ist.

Hinweise bzw. Bedenken aus der Öffentlichkeit wurden aufgenommen und im Zuge der Abwägung bewertet. Dazu gehörte auch das Einholen von Stellungnahmen bei Polizei, Feuerwehr sowie Verkehrsunternehmen und benachbartem Aufgabenträger.

 

Beschreibung der Probephase

 

Zur Vorbereitung der Probephase wurde vom 25.06.2019 bis 27.06.2019 eine (Vorher-) Bestanderhebung mit Videokameras durchgeführt. Hierbei wurden bei allen sechs Bushaltestellen die Verkehrsabläufe dokumentiert und an mehreren Stellen die Verkehrsmengen - auch im anliegenden Straßennetz - erhoben.

Die eigentliche Probephase fand vom 19.08.2019 bis zum 20.09.2019 statt. Während dieser Zeit hielten alle Busse auf der Fahrbahn. Eine erneute (Nachher-) Erhebung fand vom 17.09.2019 bis 19.09.2019 statt. Hierbei wurden an denselben Stellen wie im Juni erneut Videobeobachtungen und Verkehrszählungen durchgeführt.

Durch die Verkehrszählungen können auch Aussagen zu den in der Sitzung des Ortsrates Geismar vorgetragenen befürchteten Verkehrsverlagerungen (über die Straße Am Rischen bzw. den Zietenterrassen) getroffen werden.

Außerdem konnten die von der GöVB zur Verfügung gestellten Haltezeiten an den Bushaltestellen verglichen und Veränderungen in der Reisezeit / Pünktlichkeit der Busse ausgewertet werden.

 

Ergebnisse der Probephase

 

Durch die Probephase konnte im Grundsatz durch die Verwaltung festgestellt werden, dass es zu keinen übermäßigen Beeinträchtigungen des Verkehrsablaufs kam.

Für die Rettungsdienste / Feuerwehr ist der Straßenzug Geismar Landstraße / Hauptstraße allerdings die Hauptschlagader für ihre Einsatzfahrten. Aufgrund der Erfahrungswerte von Rettungsdiensten und Feuerwehr wird der Rückbau der Bushaltestellen Magdeburger Weg und Kiefernweg (jeweils beide Fahrtrichtungen) nicht empfohlen.

Die Regionalbus Braunschweig GmbH (RBB) stimmt dem Rückbau grundsätzlich zu, hat allerdings Vorbehalte bei den beiden Haltestellen Kiefernweg (vgl. Anlage 7).

Die GöVB unterstützt den Rückbau der Busbuchten. Die Maßnahme führt zu einem Zeitgewinn und zu einer Komforterhöhung (vgl. Anlage 8).

Seitens des Gutachters wurde lediglich bei der Haltestelle Kurmainzer Weg einwärts auf Probleme hingewiesen. Die haltenden Busse wurden hier von Kfz überholt, ohne dass diese eine ausreichende Sicht auf den Gegenverkehr haben. Als Abhilfe wird hier eine durchgezogene Mittelmarkierung oder ein baulicher Fahrbahnteiler vorgeschlagen, um das Überholen zu vermeiden.

Es bildeten sich natürlich teilweise Rückstaus hinter den auf der Fahrbahn haltenden Bussen – diese lösten sich aber nach Abfahrt des Busses relativ schnell wieder auf. Hierbei muss angemerkt werden, dass es auch anderweitige Ereignisse zu Beeinträchtigungen im Verkehrsablauf bzw. Rückstaus führen können, so z. B. durch ein –ausparkende Kfz, wartende Linksabbieger oder querende Fußgänger*innen über Fußgängerüberwegen.

Während der Probephase konnten messbare Verkürzungen bei den Haltezeiten der Busse an den Haltestellen und somit Reisezeiteinsparungen im Busbetrieb von bis zu 24 Sekunden festgestellt werden. Zudem konnte der Fahrkomfort für die Fahrgäste gesteigert werden, da das störenden Querbeschleunigen beim Einfahren in die Busbuchten bzw. Ausfahren aus den Buchten entfiel.

Ausgeprägte Verkehrsverlagerungen in den Bereichen „Am Rischen“ und Zietenterrassen wurden ebenfalls nicht registriert.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Probephase erfolgreich verlaufen ist und für die Abwägung der Varianten mit ihren Vor- und Nachteilen ein gutes Hilfsmittel war.

Nach Abwägung aller Ergebnisse und unter Berücksichtigung der verschiedenen Stellungnahmen und im Einvernehmen mit der Feuerwehr wird verwaltungsseitig folgendes Vorgehen vorgeschlagen:

  • Die Busbuchten Magdeburger Weg und Kiefernweg (jeweils beide Fahrtrichtungen) werden als Buchten beibehalten, sie werden nicht zu Fahrbahnrandhaltestellen zurückgebaut.
  • Die Busbuchten Hauptstraße auswärts und Kurmainzer Weg einwärts werden zu Fahrbahnrandhaltestellen umgebaut.

 

Ausblick auf weitere barrierefreie Bushaltestellenumbauten, die heute als Busbucht vorhanden sind / Grundsatzbeschluss

 

Aufbauend auf den hier gewonnenen Erkenntnissen kann die Empfehlung ausgesprochen werden, Busbuchten im Stadtgebiet grundsätzlich zu Fahrbahnrandhaltestellen zurück zu bauen, sofern zwingende Gründe (z.B. Verkehrsbelastung, Busfolge, Sicherheitsgründe, Vorgaben aus Regelwerken etc.) diesem Vorhaben nicht entgegenstehen. Ggf. sind in Einzelfällen als Hilfsmittel für die Entscheidungsfindung wiederum Probephasen durchzuführen. Hierbei ist anzumerken, dass die hier durchgeführte Probephase für die sechs Haltestellen ein Kostenaufwand von rund 45.000,- € hervorgerufen hat (für die Errichtung der Holzpodeste sowie die gutachterliche Betrachtung).

Finanzielle Auswirkungen:

 

 Nein

 

 siehe Anlage

 

 

Die Gesamtbaukosten für die sechs Bushaltestellen werden sich nach derzeitiger Kostenschätzung auf ca. 275.000, -- € belaufen, die zu 75 % gefördert werden.

Durch den Rückbau der beiden Busbuchten zu Fahrbahnrandhaltestellen entstehen Mehrkosten von ca. 25.000, -- €, die in der o. g. Summe bereits enthalten sind.

 

Die Mittel stehen bei den Investitionsnummern 6163005019 und 6379205001 zur Verfügung.

 

Anlagen:

 

Anlage 1 :  Lageplan Magdeburger Weg - Rückbau der Bucht

Anlage 2 : Lageplan Kiefernweg - Rückbau der Bucht

Anlage 3 : Lageplan Magdeburger Weg - Beibehaltung der Bucht

Anlage 4 : Lageplan Kiefernweg - Beibehaltung der Bucht

Anlage 5 : Lageplan Hauptstraße

Anlage 6 : Lageplan Kurmainzer Weg

Anlage 7 : Stellungnahme der RBB

Anlage 8 :  Stellungnahme der GöVB

Anlage 9 :  Finanzielle Auswirkungen

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich A007-Haltestelle Magdeburegr Weg (e-a) 2019-10-25 (383 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich A006-Haltestelle Kiefernweg (a+e)_2019-05-02 (401 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich A004-Haltestelle Magdeburger Weg Bucht (e-a) 2019-01-25 (332 KB)      
Anlage 4 4 öffentlich A005-Haltestelle Kiefernweg Bucht (a-e)_2019-01-25 (322 KB)      
Anlage 5 5 öffentlich A006-Haltestelle Hauptstraße (a)_2019-05-02 (369 KB)      
Anlage 6 6 öffentlich A007-Haltestelle Kurmainzer weg V1 (e)_2019-05-02 (320 KB)      
Anlage 9 7 öffentlich Stellungnahme RBB (87 KB)      
Anlage 10 8 öffentlich GöVB Probephase_Buchten (783 KB)      
Anlage 7 9 öffentlich Finanzielle Auswirkungen H 2020-neu (697 KB)      
 
 

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