zurück
 
 
Betreff: "100 Jahre kommunales Frauenwahlrecht"
Interfraktioneller Antrag aller Ratsfraktionen und -gruppen sowie des Rh Dr. Welter-Schultes
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:41-Fachbereich Kultur   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschuss Stadthalle
25.04.2019 
21. -außerordentliche(n)- öffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschusses der Stadthalle (gemeinsam mit A.f. Bauen, Planung und Grundstücke) (offen)   
Rat
17.05.2019 
21. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Göttingen ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag: 

Zum Gedenken an die Göttinger Abgeordneten im Bürgervorsteherkollegium der Stadt Göttingen

 Henriette „Henni“ Lehmann,

 Luise Stegen,

 Dorothea vor Mohr,

 Elisabeth Freitag-Winter,

 Luise Syring

wird eine gemeinsame Gedenktafel am Ort ihres Wirkens - dem Alten Rathaus - angebracht. Ihre Namen werden in die Liste der zu benennenden Straßennamen aufgenommen.

Stellungnahme der Verwaltung

Sozialdemokraten

(Liste Bode)

15 Sitze

5.217 Stimmen

Deutschdemokraten

(Liste Föge)

6 Sitze

2.303 Stimmen

Dtsch. Volkspartei

(Liste Schmidt)

10 Sitze

3.603 Stimmen

Dtsch. Hann. Partei

(Liste Lambach)

7 Sitze

2.766 Stimmen

Dtschnat. Volkspartei

(Liste Susebach)

4 Sitze

1.577 Stimmen

Unabhängige

(Liste Kargl)

0 Sitze

270 Stimmen

= 15.736 Stimmen

Die Wahlen zum Bürgervorsteher-Kollegium der Stadt Göttingen am 2.3.1919 hatten folgendes Ergebnis:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem am 8.3.1919 veröffentlichten Gemeindewahlergebnis wurden folgende Frauen aus Göttingen als erste Göttinger Abgeordente in das Bürgervorsteherkollegium gewählt:

Henriette „Henni“ Lehmann

(geb. Straßmann; * 10.10.1862 in Berlin; † 18.02.1937 ebenda) entstammte einer jüdischen Berliner Familie. Sie war eine politisch und sozial engagierte deutsche Künstlerin und Autorin. Bis zum Umzug der Familie nach Göttingen im Jahr 1911 war Henni Lehmann Vorsitzende des Rostocker Frauenvereins. Während des Ersten Weltkriegs war sie Leiterin der Göttinger Abteilung des Nationalen Frauendienst (NFD) innerhalb des Vaterländischen Kriegshilfsdienstes. Nach dem Tod ihres Mannes 1918 zog sie nach Weimar. 1922 etablierte sie in Vitte auf Hiddensee, wo sie seit 1907 regelmäßig im Sommer zu Gast war, einen Künstlerinnenbund. Das Henni-Lehmann-Haus existiert bis heute. Ab 1921 veröffentlichte sie drei sozial engagierte Romane. Ab 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten verfolgt und nahm sich deshalb 1937 das Leben.

Gewählt  auf Platz 3 der Liste Bode, SPD

Luise Stegen

(geb. Lottmann, * 02.09.1871 Lamspringe, Kr. Alfeld, † 23.03.1953 Göttingen) war verheiratet mit Wilhelm Stegen, dem Vorsitzenden des Ortsvereins der SPD. Sie war seit 1908 SPD–Parteimitglied und engagierte sich ehrenamtlich im Deutschen Hilfsdienst während des Krieges. 1920 wurde sie Vorsitzende des inoffiziellen Ausschusses für Arbeiterwohlfahrt, 1922 Vorsitzende der Frauenkommission des SPD-Ortsvereins. 1924 übernahm sie die Leitung des Frauentages des SPD-Unterbezirks. 1924 fusionierte die Frauenkommission mit der Frauenarbeitsgemeinschaft zur sozialistischen Frauengruppe. Sie organisierte traditionelle Nähabende im Jugendzentrum in der Jüdenstraße 39. 1926 wurde Luise Stegen Vorsitzende des Ortsausschusses für Arbeiterwohlfahrt. Sie war Mitorganisatorin des vierten Frauentages des Unterbezirks in Northeim mit der Gastrednerin Marie Juchacz, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin, die 1919 als erste Frau eine Rede in der Weimarer Nationalversammlung hielt und die Arbeiterwohlfahrt mitbegründete und bis 1933 leitete. 1929 bereitete Luise Stegen den siebten Frauentag der SPD Südhannover mit vor, dessen Gastrednerin Elisabeth Kirschmann-Roehl, Köln, die Schwester von Marie Juchacz, war. 1930 gelang ihr trotz der Weltwirtschaftskrise ein erfolgreicher Jahresabschluss des Ortvereins für Arbeiterwohlfahrt.

Gewählt auf Platz 6 der Liste Bode, SPD

Elisbeth Freitag-Winter

Elisabeth Freitag-Winter wurde am 05.11.1866 in Northeim geboren. Mehr ist über sie leider nicht bekannt.

Gewählt auf Platz 6 der Liste Schmidt, DVP

Dorothea vor Mohr

Dorothea vor Mohr wurde am 16.06.1876 Hamburg geboren. Sie war Oberlehrerin und saß ab Anfang Dezember 1918 im geschäftsführenden Vorstand der DDP-Ortsgruppe Göttingen. Mehr ist über sie leider nicht bekannt.

Gewählt auf Platz 3 der Liste Föge, DDP

Luise Syring wurde am 26.03.1884 in Klein Lengden als Luise Vollmer geboren. Seit dem 4. März 1925 war sie verheiratet mit dem Handelsgehilfen Bernhard Syring. Sie war Vorsitzende der sozialdemokratischen Frauenarbeitsgemeinschaft für politische Bildung und von 1924-33 die einzige weibliche Abgeordnete im Bürgervorsteherkollegium. Luise Syring verstarb am 30.04.1949 in Göttingen.

Das Bürgervorsteherkollegium tagte während der gesamten Zeit der Weimarer Republik im Alten Rathaus. Mit dem Amtsantritt der Nationalsozialisten wurde auch das Bürgervorsteherkollegium 1933 im nationalsozialistischen Sinn „gleichgeschaltet“ und dessen fünfzehn Mitglieder vom Regierungspräsidenten auf die Dauer von sechs Jahren berufen. Der Kreisleiter der NSDAP und die Führer von SA und SS waren qua Amt unter den Bürgervorstehern, die im übrigen kein Mitbestimmungsrecht hatten, sondern den Oberbürgermeister lediglich beraten durften.

Die Liste mit Namensvorschlägen für die zu benennenden Straßen in Göttingen ist bereits sehr umfangreich und es sind in absehbarer Zeit wenig neue Straßen zu benennen. Die Namen der fünf einzigen Frauen im Bürgervorsteherkollegium der Stadt Göttingen in der Zeit der Weimarer Republik von 1919-33 werden in die Liste aufgenommen.

Finanzielle Auswirkungen:

 

 Nein

 

 siehe Anlage

 

ca. 1.000 Euro

 

Anlagen:

 

1)      Interfraktioneller Antrag „100 Jahre kommunales Frauenwahlrecht“ aller Ratsfraktionen und -gruppen sowie des Ratsherrn Dr. Welter-Schultes vom 05.03.19

2)      Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft vom 21.03.19

 

 

 

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Inter-21-03-2019_Frauenwahlrecht (658 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich Prokollauszug KWA 21.03.19 TOP 7 100 Jahre komm. Frauenwahlrecht (91 KB)      
 
 

zurück