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Betreff: Mountainbikestrecke im Wald testen
Natur schützen - Erholung ermöglichen - Sport gewähren
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:69 -Fachbereich "Baubetrieb" Beteiligt:67-Fachbereich Stadtgrün und Umwelt
Beratungsfolge:
Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität Entscheidung
26.03.2019 
- ausgefallen - 23. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität      
Sportausschuss Entscheidung
21.05.2019 
öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Sportausschusses zur Kenntnis genommen   
Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität Entscheidung
28.05.2019 
24. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

 

1. Der dargelegten Vorgehensweise der Verwaltung wird zugestimmt.

 

2. Einer weiteren Beratung im Rat bedarf es nicht. 

 

 

Begründung:  

 

zu 1:

Das bestehende Nutzungskonzept des Stadtwaldes

Der Stadtwald Göttingen unterhält, gemessen an der durchschnittlichen Wegedichte von Waldflächen anderer Eigentümer, eine sehr hohe Wegedichte in einer sehr guten Qualität. Dank dieser Wegedichte gibt es zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen (Spaziergänger, Wanderer, Jogger, Reiter) auf den ausgewiesenen Wegen und den Interessen des Naturschutzes nur wenig Konflikte. 

Über die Wege des Stadtwaldes können die Waldbesucher viele besondere Ausflugsziele innerhalb des Stadtwaldes erreichen und erkunden. So z.B. das Wildgehege am Kehr, welches mit seinem Rundwanderweg für große und kleine Waldbesucher eine, in der Region einmalige, Bildungs- und Erholungsreinrichtung darstellt. Daneben verfügt der Göttinger Stadtwald über diverse Aussichtsmöglichkeiten wie den Bismarckturm, den Harzblick oder den Eulenturm.

Zudem gibt es zahlreiche naturschutzfachliche Besonderheiten, die durch die Waldbesuchenden unter Einhaltung der Vorgaben der Naturschutzgebietsverordnung aufgesucht werden können.

Ein Teil aller Waldwege des Stadtwaldes wurde in das neue Wanderwegekonzept eingearbeitet, welches mit Unterstützung der Göttinger Sport und Freizeit (GoeSF) und des Deutschen Alpenvereins (DAV) erstellt und am 14.10.2018 eröffnet wurde.

Entlang der Wege des Stadtwaldes und des Kerstlingeröderfeldes wurde eine hohe Anzahl an Bänken aufgestellt, die den Waldbesucher immer wieder zum Verweilen einladen. Diese Bänke werden regelmäßig von Bewuchs freigestellt und nach Bedarf erneuert.

Der Holzeinschlag ist, gemessen an den Zuwächsen, sehr gering, so dass die Störung der Erholungssuchenden auch deutlich reduziert ist.

Für Bürgerinnen und Bürger die den Stadtwald noch näher kennenlernen wollen, bietet das Team des Stadtwaldes auch in Kooperation mit regionale Umweltverbänden und Umweltpädagogikeinrich-tungen diverse Exkursionen für unterschiedliche Altersgruppen an. Zudem nutzen Kindergärten und Schulen sowie die Universität Göttingen und die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Kooperation mit dem Stadtwaldteam den Wald als Bildungseinrichtung. Einzelne Gruppen und Vereine werden nach Prüfung der Verträglichkeit mit den Naturschutzzielen durch die Mitarbeiter des Stadtwaldes in das bestehende Nutzungskonzept integriert.

Wenn gewünscht, kann dieses Nutzungskonzept mit der Leistung des Stadtwaldteams und den einzelnen Partnern noch weiter ausgeführt werden.

 

Das Radfahren im Stadtwald

Das Radfahren im Stadtwald erfolgt mittels verschiedenster Fahrräder auf den unterschiedlichsten „Wegen“. Derzeit wird unterschieden zwischen herkömmlichen Fahrrädern und Mountainbikes. Beide gibt es sowohl ohne als auch mit Elektroantrieb. Gefahren wird mit den Rädern auf befestigten Wegen, auf unbefestigten Wanderpfaden und auch abseits aller Wege und Pfade. Zudem gibt es noch eine Gruppe, die sich in den Beständen auf kleineren Pfaden Hindernisse baut. Dabei ist es gewünscht, dass diese Routen besonders steil sind, damit der Fahrer an den Hindernissen ausreichend Geschwindigkeit für einen Sprung hat. Dies sind die sogenannten Downhillfahrer. Auch diese illegalen Strecken existieren seit längerer Zeit im Stadtwald.

Es ist zu beachten, dass nach einer wissenschaftlichen Untersuchung im Stadtwald in den Jahren 2005 und 2006 das Radfahren 24% aller Erholungsarten im Stadtwald abbildete. Dabei wurde nicht unterschieden nach den vielen verschiedenen Möglichkeiten des Radfahrens. Somit bilden die einzelnen Radfahrgruppen vermutlich einen noch deutlich geringeren Anteil aller Interessengruppen ab.

Lässt man die genannten Arten des Fahrradfahrens unberücksichtigt, so verbleiben drei verschiedene Arten des Mountainbikings. Für die im Antrag der FDP gewünschte Ausweisung einer Probestrecke kann sich die Stadt Göttingen Erfahrungen anderer Städte und Landkreise bedienen. Damit eine Verwaltung als Vorbild verwendet werden kann, sollte sie eine Großstadtverwaltung mit den Strukturen eines urbanen Stadtwaldes sein.

 

Das Pilotprojekt der Region Hannover

Von der Region Hannover wurden in den Buchen- und Tannenwäldern des  Höhenzuges Deister über ein Jahr drei Probestrecken in Kooperation mit dem Flächeneigentümer den Niedersächsischen Landesforsten (NLF) ausgewiesen. Die Strecken enthalten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und sind als Einbahnstraßen ausgewiesen. Die Sicherheit für Fußgänger soll unter anderem dadurch garantiert werden, dass sie für diese gesperrt sind. Parallel wurde eine Verständniskampagne durchgeführt. Die Mountainbiker haben in Eigenregie einen Verein gegründet. Dieser musste und muss die Verkehrssicherungspflicht und den Bau der Hindernisse übernehmen, sowie die Beschilderung der Strecke. Die Gründung des Vereins und die damit verbundenen Verpflichtungen waren Voraussetzung für die Ausweisung der Teststrecken. Die Ausweisung der Probestrecken mit Gutachten etc. haben die Region knapp 200.000 € gekostet.  Die in der Bau- und Testphase angefallenen Personalkosten der Region Hannover sind darin nicht enthalten.

In einem noch unveröffentlichten Ergebnisbericht und in einem persönlichen Gespräch zwischen der Leiterin des Stadtwaldes und zwei hauptverantwortlichen Kolleginnen bei der Region Hannover zieht die Region ein vorläufiges Fazit zur Ausweisung der Probestrecken. Die Teststrecken wurden durch die Besucher gut angenommen, jedoch bleibt der Nutzungsdruck auf den illegal angelegten Trails unverändert. Somit kann angenommen werden, dass die Ausweisung der Teststrecken auch eine Sogwirkung erzielt hat. D.h. auch Menschen aus den umliegenden Gebieten nutzen nun den Deister zum Mountainbike fahren. Da das gewünschte Ergebnis nicht erzielt wurde, wird derzeit von der Region darüber nachgedacht, mit Kontrollen und Sanktionen zu arbeiten um den Druck der illegalen Nutzung in den hoch sensiblen Naturschutzbereichen zu reduzieren. Gerne sind die Kolleginnen der Region bereit, mit der Stadt Göttingen im Austausch zu bleiben.

 

Ein Lösungsvorschlag

Die Ausweisung von Teststrecken ist im Stadtwald kritisch zu sehen. Die Strecken würden als Einbahnstraßen ausgewiesen werden und für die anderen Erholungssuchenden gesperrt werden müssen, Dies würde alle andern Waldbesucher deutlich einschränken, da der Stadtwald nur über eine begrenzte Fläche verfügt, die zudem noch deutlich kleiner ist als der Deister. Die Strecken können aber auch nicht kürzer sein als im Deister, da sie sonst unattraktiv werden.

Die Routen müssten im Landschaftsschutzgebiet (LSG) liegen, da eine Ausweisung im Naturschutzgebiet (NSG) abseits der Hauptwege ausgeschlossen ist. Somit müssten diese Strecken im bereits stark frequentierten Hainberg liegen.

Eine Ausweisung von Teststrecken ist nur sinnvoll, wenn so professionell (Finanzen, Personal, Vereinsgründung) wie in der Region gearbeitet wird. Für eine Umsetzung in der genannten Qualität fehlen dem Stadtwald die Personalkapazitäten und die Finanzausstattung.

Ohne die Gründung eines Vereins ist die Ausweisung ausgeschlossen, da ansonsten die Verkehrssicherung und die Haftung bei der Stadt verbleiben. Der Versuch der Gründung eines Vereins wurde im Jahr 2011 bereits erfolglos durch Herrn Levin unternommen.

Aus Sicht der Verwaltung könnte anknüpfend an das Wanderwegeprojekt ein Radwegeprojekt erfolgen. Dieses würde sich jedoch auf die festen Wege beschränken und keine Hindernisse enthalten. Auf diesen Wegen könnten dann nicht nur die Mountainbiker, sondern auch alle anderen Radfahrer fahren und somit der Nutzungskonflikt mit Spaziergängern noch etwas reduziert und das Radfahren attraktiver gestaltet werden. So können beispielsweise Routen für Familien oder Erwachsene mit langen oder kurzen Distanzen ausgewiesen werden. Aus Sicht der Verwaltung  würde eine zukünftige Zusammenarbeit mit der GoeSF begrüßt.

Das Thema „Sport im Wald“ wird nicht aufgenommen, da hinreichende Alternativangebote innerhalb der Stadt vorhanden sind. Des Weiteren dient diese Lösung dazu, weitere Konflikte zwischen Sporttreibenden und Erholungssuchenden im Wald zu minimieren.

 

 

 

 

Finanzielle Auswirkungen:

 

 Nein

 

X Eine Finanzplanung wird mit weiteren konkreten Schritten der Umsetzung vorgelegt.

 

 

 

 

 

Anlagen:

 

  • Antrag der FDP-Ratsfraktion betr. „Mountainbikestrecke im Wald testen“ vom 29.03.2018

 

  • Antrag der SPD-Ratsfraktion betr. „Natur schützen – Erholung ermöglichen – Sport gewähren vom 27.03.2018

 

  • Bilder vor der letzten Beseitigung illegaler Mountainbikestrecken

 

 

 

 

 

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich FDP-Antrag-Mountainbikestrecke (144 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich SPD-Antrag-Natur-schützen (107 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich 190306_Downhill Bilder (876 KB)      
 
 

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