zurück
 
 
Betreff: "Göttinger Stipendium für Erzieherinnen und Erzieher - Offensive zur Beseitigung des Fachkräftemangels im KiTa-Bereich" (Ratsantrag der SPD-Ratsfraktion vom 31. 05. 2018)
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:51-Fachbereich Jugend Beteiligt:11-Fachbereich Personal und Organisation
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
16.08.2018 
16. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses vertagt (zurückgestellt)   
20.09.2018 
16. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses vertagt (zurückgestellt)   
13.11.2018 
17. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses vertagt (zurückgestellt)   
17.01.2019 
19. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses vertagt (zurückgestellt)   
Ausschuss für Personal, Gleichstellung und Inklusion Entscheidung
20.08.2018 
14. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Personal,Gleichstellung und Inklusion vertagt (zurückgestellt)   
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
Ausschuss für Personal, Gleichstellung und Inklusion Vorberatung
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
Ausschuss für Personal, Gleichstellung und Inklusion Entscheidung

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

 

Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept zur Fachkräftegewinnung und -sicherung für bereits in städtischen Kitas arbeitende Personen zu erarbeiten und dem Jugendhilfeausschuss sowie dem Ausschuss für Personal, Gleich-stellung und Inklusion vorzulegen.

 

Von der Gewährung von Stipendien für eine Vollzeitausbildung wird derzeit abgesehen.

 

Begründung:   

 

Die Gewinnung von Fachkräften für die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern in Kindertageseinrichtungen gestaltet sich in der Tat immer schwieriger und stellt ein zunehmend größer werdendes Problem für alle Träger von Kindertagesstätten dar, das auch von der Landesregierung erkannt worden ist. Das Kultusministerium hat im März dieses Jahres auf seiner Internetseite einige Initiativen für das jetzt begonnene Schuljahr 2018/19 angekündigt:

 

„Mehr Fachkräfte für die Kita!“

NIEDERSACHSEN-PLAN FÜR MEHR FACHKRÄFTE IN KINDERTAGESEINRICHTUNGEN STARTET ZUM SCHULJAHR 2018/2019

 

Bereits zum neuen Schuljahr 2018/2019 startet das Land Niedersachsen eine Reform der Erzieherausbildung, um mehr junge Frauen und Männer für die Arbeit in Kindertageseinrich-tungen zu gewinnen. Der „Niedersachsen-Plan: Mehr Fachkräfte für die Kita!" sieht mehrere Bausteine vor, wie die Ausweitung des Praxisanteils in der Ausbildung, den schnellstmögli-chen Wegfall des Schulgeldes und die Möglichkeit einer Ausbildungsvergütung. Damit wird umgesetzt, was der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne im Dezember 2017 im Landtag angekündigt hatte.

„Je früher Bildung beginnt, desto besser ist das für die weitere Bildungsbiografie unserer Kinder. Insofern kommt unseren Kindertagesstätten auch ein immer wichtigerer Bildungsauf-trag zu, den wir aber nur mit ausreichendem und gut ausgebildetem Personal verwirklichen können. Es geht um Klasse und Masse: Wir wollen mehr Interessierte, die engagiert auf ho-hem pädagogischen Niveau mit den Krippen- und Kindergartenkindern arbeiten. Es kann nicht sein, dass angehende Fachkräfte für die Bildung, Betreuung und Erziehung unserer Kin-der während ihrer Ausbildung auch noch Schulgeld aufbringen müssen", sagte Kultusminister Tonne am (heutigen) Donnerstag.

Bereits zum neuen Schuljahr 2018/2019 wird der „Niedersachsen-Plan: Mehr Fachkräfte für die Kita!" umgesetzt:

 

I. Ausbildungszahlen weiter steigern

 

Das Kultusministerium schafft bis zu 500 zusätzliche Ausbildungsplätze für sozialpädagogi-sche Bildungsgänge an berufsbildenden Schulen! Damit können neue Sozialpädagogische Assistenten/innen, Erzieher/innen, Heilpädagogen/innen ausgebildet werden.

Aktuell befinden sich so viele junge Menschen wie nie zuvor in Niedersachsen in einer Aus-bildung zum Erzieher bzw. zur Erzieherin (mehr als 14.000).

 

II. Teilzeit-Variante in der Ausbildung und Vergütung ermöglichen

 

Niedersachsen wird die Ausbildung zum/zur Sozialpädagogischen Assistenten/in und zum/zur Erzieher/in ab dem neuen Schuljahr auch in Teilzeit ermöglichen. Durch den praktischen Ein-satz in den Kindertageseinrichtungen neben der schulischen Ausbildung können die angehen-den Sozialpädagogischen Assistenten/innen und Erzieher/innen eine Vergütung von den Trä-gern erhalten. Die Teilzeit-Variante der Ausbildung wird in Niedersachsen sowohl für den Berufseinstieg als auch für den Quereinstieg umgesetzt.

 

III. Schulgeldfreiheit umsetzen

 

Das Niedersächsische Kultusministerium wird für Schüler/innen an Schulen in freier Träger-schaft für den Schulbesuch der Berufsfachschule Sozialpädagogische Assistenz und der Fach-schule Sozialpädagogik das Schulgeld übernehmen. Das Schulgeld für die rund 4.400 angehenden Sozialpädagogischen Assistenten/innen und Erzieher/innen summiert sich auf zirka 5 Millionen Euro jährlich. Im Falle einer Berücksichtigung im Haushalt kann die Maßnahme ab 2019 umgesetzt werden.

 

IV. Quereinstieg erleichtern durch berufliche Vorbildung

 

Schneller staatlich anerkannte Erzieherin / staatlich anerkannter Erzieher werden: Gesundheits- oder Kinderkrankenpfleger/innen, Heilerziehungspfleger/innen, Logopäden/innen, Ergotherapeuten/innen, Logopäden/innen und Atem-, Sprech- und Stimmlehrer/innen können zum neuen Schuljahr in die zweijährige Fachschule Sozialpädagogik aufgenommen werden. Die Ausbildung dieser Professionen wird anerkannt und ermöglicht die Verkürzung der Aus-bildung auf zwei statt vier Jahre.

Tonne: „Mit unserem Niedersachsen-Plan für mehr Fachkräfte machen wir die Ausbildung attraktiver und öffnen das Tätigkeitsfeld Kita für weitere, hoch qualifizierte Fachkräfte. Ich bin überzeugt, dass dies ein wichtiger Beitrag ist, um der steigenden Bedeutung der frühkind-lichen Bildung und dem steigenden Bedarf an Fachkräften nachkommen zu können."

 

Insbesondere die beiden Punkte zur Schulgeldfreiheit bei nicht öffentlichen Fachschulen sowie die Ermöglichung der Teilzeitausbildung einschließlich der Möglichkeit, eine Vergütung anzubieten, gehen in die Richtung des Antrags.

 

Im Raum Göttingen spielen private Fachschulen in der Ausbildung von Sozialassis-tent/innen und Erzieher/innen aber nur eine untergeordnete Rolle.

 

Die Teilzeitvariante besteht in Göttingen in zwei Formen:

 

1. Ausbildung zur/zum Sozialassistent/in für Personen, die bereits als Hilfskräfte, z.B. über das QuiK-Programm (s.u.) in Kitas arbeiten und damit bereits Erfahrung in der Arbeit mit Kindern haben. Die Ausbildung findet abends und an samstags statt und dauert 3 Semester.

 

2. Ausbildung zur/zum Erzieher/in in der Fachschule Teilzeit für Sozialassisten-ten/innen. Sie findet donnerstags und freitags von 8 bis 17 Uhr statt und dauert insgesamt drei Jahre. Die Teilnehmenden arbeiten in der Regel montags bis mittwochs in einer Einrichtung.

 

Dies vorausgeschickt nimmt die Verwaltung zu den Punkten 1. - 4. des Ratsantrages wie folgt Stellung.

 

Zu 1.

Die Verwaltung sieht beide Maßnahmen der Teilzeitausbildung als außerordentlich zielführend an. Sie hält es insbesondere für sachgerecht, bereits jetzt zusätzlich eingesetztes Personal in Kindergartengruppen zur Verbesserung der Qualität in Kindertagesstätten die Möglichkeit zu einer Ausbildung zu Sozialassistenten oder Erzieherinnen bzw. Erzieher zu bieten.

 

Dieses Programm hat auch aus der Perspektive der Stadt als Anstellungsträger gegenüber einem Stipendium für eine Vollzeitausbildung wesentliche Vorteile:

 

 Die Stadt Göttingen als Arbeitgeberin kennt die künftigen Auszubildenden und kann damit gezielt entscheiden, wen sie in der Weiterbildung unterstützen möchte.

 Die Auszubildenden haben sich in Kenntnis der Berufsbilder für eine Ausbildung in diesem Beruf entschieden und sind entsprechend motiviert. Dadurch können sowohl die jeweiligen Personen als auch die Stadt recht sicher sein, eine Ausbildung zu beginnen, die den eigenen Neigungen und Fähigkeiten entspricht.

 Die vorhandenen Fachkräfte in den Kitas werden durch die berufsbegleitende Ausbildung sofort bzw. weiterhin unterstützt und entlastet (im Gegensatz zu Stipendiaten, die während ihrer Ausbildung in den städtischen Kindertagesstätten nicht zur Verfügung stünden)

 Das Programm ist zu 100% drittmittelgefördert, der städtische Haushalt würde nicht belastet.

 

Auch die zu 2 genannte Form der Teilzeitausbildung wird seitens der Verwaltung sehr positiv bewertet. Auch hier ist ein entscheidendes Argument, dass die Personen bereits bekannt sind.

 

In beiden Fällen kann die Stadt Göttingen als Arbeitgeber sowohl derzeit angestellte Hilfskräfte als auch Sozialassistenten/innen das Angebot unterbreiten, in Teilzeit zu gehen, um die für sie jeweils passende Ausbildung zu beginnen. Die mit der Teilzeitbeschäftigung verbundenen jeweiligen finanziellen Einbußen können von der Stadt Göttingen in Orientierung an die BAFöG-Sätze durch die Gewährung eines Stipendiums gemildert bzw. ausgeglichen werden.

 

Auf eine Rückzahlung der Stipendien würde mit Blick auf die ohnehin vergleichsweise geringe Bezahlung der Sozialssistenten/innen sowie Erzieher/innen verzichtet. Es würde als Gegenleistung erwartet, dass nach bestandener Prüfung ein Arbeitsvertrag mit der Stadt abgeschlossen und dieser mindestens für fünf Jahre erfüllt wird.

 

Vorher würde die Verwaltung eine Auswahlrichtlinie ausarbeiten.

 

 

Erläuterung QuiK-Programm:

 

Das Land Niedersachsen finanziert seit dem 01. 01.2017 (zunächst befristet bis zum 31. 12.2018, eine Fortsetzung zeichnet sich ab) über die "Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Verbesserung der Qualität in Kindertagesstätten" (QuiK) den Einsatz zusätzlicher Fach- und Betreuungskräfte in Kindergartengruppen.

 

Die Richtlinie zielt darauf ab, die Regelkräfte zu entlasten und somit für eine intensivere Förderung und Integration der neu zugewanderten Kinder zu sorgen. Im Rahmen dieses Projektes können in Teilzeit bis zu Vollzeit Personen eingestellt werden, die den Zugang zur Sozialassistentenklasse II (allgemeine Hochschulreife oder eine abgeschlossene Berufsausbildung) haben.

 

Diese, im pädagogischen Bereich noch nicht ausgebildeten Personen, entlasten zum einen die vorhandenen pädagogischen Fachkräfte und erlangen zum anderen Kenntnisse über die Berufsbilder der Sozialassistenten/in und Erzieher/in.

 

Diese Personen können, wenn sie sich aufgrund der gesammelten Erfahrungen nach einiger Zeit für eine Ausbildung entscheiden, berufsbegleitend (2 Tage Theorie, 3 Tage Praxis) die Ausbildung zur Sozialassistenz (1 Jahr) absolvieren und ggf. die Erzieherausbildung anschließen (die BBS III Göttingen und BBS Einbeck bieten diese Ausbildungsgänge an).

 

Sie sind währenddessen finanziell über das QuiK-Programm abgesichert. Die Stadt Göttingen erhält aus diesem Programm derzeit Fördermittel in einem Umfang von 280.000 € jährlich, für die 18 Personen (6 Vollzeitstellen) in den Kindertagesstätten eingestellt wurden.

 

Zu 2.

Die Stadt Göttingen orientiert sich hinsichtlich der Standards und Entgelte an den Vorgaben des Gesetzes über Tageseinrichtungen für Kinder in Niedersachsen

(KiTaG) und des Tarifrechts. Hinsichtlich der Entgelte ist die Stadt Göttingen an das Tarifrecht gebunden. Langfristig befristete Verträge wurden entfristet.

 

Zu 3.

Die Verwaltung baut derzeit das Arbeitgebermarketing grundsätzlich neu auf. Geprüft wird, welche Kanäle und welche Form zur Kommunikation der Attraktivität der Stadt Göttingen als Arbeitgeberin künftig genutzt werden sollen.

 

Neben der reinen Stellenanzeige wird es immer wichtiger, sich als TOP-Arbeitgeber zu präsentieren. Verschiedenste Job- und Ausbildungsportale bieten daher für Arbeitgeber sog. ganzheitliche Präsentationsmöglichkeiten an. Neben den konkreten Stellenageboten bekommt man dort als Arbeitgeberin die Möglichkeit, sich als Unternehmen adressatengerecht vorzustellen (z.B. über Firmenporträts, Azubi-Interviews, Arbeitgeber-Statements, Imagefilme).

 

Dieses Arbeitgebermarketing befindet sich derzeit im Aufbau. Sobald die Konzeption fertig gestellt ist, wird im Personalausschuss dazu berichtet werden.

 

Zu 4.

In den städtischen Kindertagesstätten ist der Wunsch nach Stundenerhöhung von Teilzeitbeschäftigten eher gering. Deutlich häufiger wird der Wunsch von Vollzeitbeschäftigten geäußert, nach der Familienphase mit reduziertem Stundenumfang wieder in die Berufsphase einsteigen zu können.

 

 

 

Finanzielle Auswirkungen:

 

Die finanziellen Auswirkungen sind derzeit noch nicht abzusehen und werden bei Vorlage des zu erarbeitenden Konzeptes vorgelegt.

 

Anlage:

 

Antrag  SPD-Ratsfraktion vom 31.05.2018

 

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich RatsantragSPD-15-06-2018-Fachkraeftemangel_Erz (105 KB)      
Stammbaum:
FB51/0638/18   "Göttinger Stipendium für Erzieherinnen und Erzieher - Offensive zur Beseitigung des Fachkräftemangels im KiTa-Bereich" (Ratsantrag der SPD-Ratsfraktion vom 31. 05. 2018)   51-Fachbereich Jugend   Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
FB51/0638/18-1   "Göttinger Stipendium für Erzieherinnen und Erzieher - Offensive zur Beseitigung des Fachkräftemangels im KiTa-Bereich" (Ratsantrag der SPD-Ratsfraktion vom 31. 05. 2018)   51-Fachbereich Jugend   Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
 
 

zurück