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Betreff: Konzept Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Göttingen
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:41-Fachbereich Kultur   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschuss Stadthalle
20.09.2018 
16. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschusses der Stadthalle (offen)   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

 

Dem in der Anlage beigefügten Konzeptentwurf Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Göttingen wird grundätzlich zugestimmt. Er wird mit den in Göttingen tätigen gesellschaftlichen Gruppierungen und Personen, die sich aktiv um die Erinerungsarbeit kümmern (Jüdische Gemeinde, Jüdisches Lehrhaus, Gesellschaft für christlich jüdische Zusammenarbeit, Bündnis 27. Januar Holocaust-Gedenktag, AG Stolpersteine, AG Widerstand, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Geschichtsverein, Geschichtswerkstatt, Lehrernetzwerk, Verein für Famileinforschung, Universität, Stadtverwaltung u.a.m.) diskutiert und abgestimmt werden.

 

Zur Priorisierung der in dem Konzept vorgeschlagenen, sehr vielfältigen Empfehlungen werden folgende Maßnahmen verfolgt:

 

1)      Einrichtung einer Internetpräsenz, die zentral über die Erinnerungskultur Göttingen informiert (webseitenübergreifend, d.h. Verlinkung/Verweise auch auf externe, z.B. universitäre Inhalte oder Seiten): Konzeptionserstellung, Verortung des Informationsangebots und technische Umsetzung soll durch 01.3 Öffentlichkeitsarbeit erarbeitet werden (Orientierung bzw. in Anlehnung an Pkt. 7 Gedenkkonzept)

 

2)      Stolpersteine: Entscheidung über die Einbeziehung anderer Opfergruppen und Überprüfung des Einverständnisses der Nachkommen bei Personen, bei denen dies nicht eingeholt werden kann, mit allen Beteiligten in der AG Stolpersteine (s. Pkt. 6.1)

 

3)      Erforschung des Schicksals der Sinti und Roma in der NS-Zeit in Göttingen (s. Pkt. 5.7.2)

 

4)      Klärung der namentlichen Kennzeichung der Gräber der verstorbenen Zwangsarbeiter/innen und Kriegsgefangenen auf kommunalen Friedhöfen: ggf. als Projekt mit Göttinger Schulen und Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge (s. Pkt. 5.3.2)

 

Zur sukzessiven Umsetzung dieser Maßnahmen sind Haushaltsmittel i. H. v. 10.000 € jährlich bereitzustellen.

 

Begründung:

Der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft hat sich in den vergangen Jahren wiederholt mit unterschiedlichen Aspekten der Thematik der Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft befasst:

 

Im Jahr 2000 beauftragte die Stadt Göttingen die Historikerin Dr. Cordula Tollmien mit der Erforschung der „Geschichte der NS-Zwangsarbeiter in der Stadt Göttingen“. Auf der homepage des Stadtarchivs und unter der webadresse www.zwangsarbeit-in-goettingen.de sind ihre Forschungsergebnisse veröffentlicht. Das Forschungsprojekt ist eng verknüpft mit der Debatte über die Entschädigung für ehemalige NS-Zwangsarbeiter/innen, die nach Anfängen in den 1980er Jahren vor allem in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre im politisch-öffentlichen Raum intensiv geführt wurde und schließlich in die Gründung der Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" mündete. Im weiteren Verlauf ergaben sich durch das geforderte Nachweisverfahren Zeitzeugenkontakte und Zahlungen an ehemalige Göttinger Zwangsarbeiter/innen.

 

Auf einstimmigen Beschluss des Rates der Stadt Göttingen vom 07.12.2001 wurde am 17.05.2003 im Beisein ehemaliger Göttinger Zwangsarbeiter/innen aus der Ukraine ein Gedenkstein auf dem Vorplatz der Lokhalle auf der Westseitte des Hauptbahnhofs eingeweiht, der an das Leid der ehemaligen Zwangsarbeiter/innen erinnert (siehe https://denkmale.goettingen.de/denkmale/zwangsarbeiter-innen-denkmal.html).

 

Im Jahr 2017 wurden vor dem Zwangsarbeiter-Denkmal zwei QR-Code-Steine mit Verlinkung auf die städtische Zwangsarbeiter-Subdomain www.zwangsarbeit-in-goettingen.de und die des Landkreises bzw. der Geschichtswerkstatt www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu eingelassen.

 

Am 24.05.2012 stimmte der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft in seiner Beratung des Antrags der GöLinke-Ratsfraktion zur „Anbringung einer Gedenktafel für Gustav Kuhn“ der Einrichtung einer Arbeitsgruppe zum Gedenken an den Göttinger Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zu (Allris-Vorlage FB41/237/12).

 

Am 18.09.2012 stimmte der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft in Beratung des Antrags der SPD-Ratsfraktion „Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft der von der Verwaltung vorgeschlagenen Behandlung des Antrags in der AG Widerstand und der Erarbeitung von Vorschlägen zu einer etwaigen Ergänzung der Gedenkstätten und andere Formen der Erinerungskultur mit Kosten zu (Allris-Vorlage FB41/248/12).

 

Nachdem auf Anregung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ein Antrag der SPD-Ratsfraktion zur Durchführung des Projektes „Stolpersteine“ in der Stadt Göttingen im Sept. 2002 aufgrund des noch bestehenden Klärungsbedarfs mit der Jüdischen Gemeinde und dem Jüdischen Lehrhaus zurückgestellt wurde, konnte im Jahr 2012 ein Kompromiss dahingehend erzielt werden, eine Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichen Flächen in Göttingen zu genehmigen, sofern Nachfahren und Angehörige der Opfer dieser Form des Gedenkens ausdrücklich zustimmen (Allris-Vorlage FB41/0269/13).

 

Am 19.05.2016 nahm der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft den Abschlussbericht des Historikers Dr. Rainer Driever über den „Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Göttingen“ zustimmend zur Kenntnis. Die Ergebnisse des dreijährigen Forschungsprojektes wurden auf der Subdomain des Stadtarchivs Göttingen unter http://stadtarchiv.goettingen.de/widerstand öffentlich zugänglich gemacht.

 

Am 25.08.2016 stimmte der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft der Erarbeitung eines umfassenden Konzeptes der Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Göttingen mit verschiedenen, einzeln aufgeführten und zwischenzeitlich zum großen Teil umgesetzten Maßnahmen einstimmig zu (Allris-Vorlage FB41/0358/16).

 

In derselben Sitzung wurde die Verwaltung nach Beratung des Antrags der SPD-Ratsfraktion „Gedenken neu gestalten“ gebeten, „eine systematische und kritisch geschichts-wissenschaftliche Aufarbeitung der Denkmale und Erinnerungsorte an die Opfer von Kriegen in Göttingen zu prüfen. Sowohl die erforderlichen Haushaltsmittel für ein solches Gutachten als auch die notwendigen Mittel für die Sanierung, Unterhaltung und Anbringung von Erläuterungstafeln sind (möglichst) im Rahmen der Haushaltsberatungen 2017 vorzulegen“ (Allriss-Vorlage SPD/0193/16).

 

Am 20.10.2016 stimmte der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft zu, zum Gedenken an die Göttinger Bürgerinnen und Bürger, die aus politischen, weltanschaulichen, religiösen o. a. Gründen Widerstand geleistet haben, einen zentralen, in Form und Gestaltung dem Zwangsarbeiter-Denkmal vergleichbaren Gedenkstein aus schwarzem Granit vor dem Thomas-Buergenthal-Haus (Stadtbibliothek, ehem. Stadtgefängnis) aufzustellen und am Boden vor dem Gedenkstein einen QR-Code-Stein einzulassen, der mit der o.a. subdomain des Stadtarchivs verlinkt ist.

 

Der Gedenkstein wurde am 17. Mai 2017 vor dem Thomas-Buergenthal-Haus, Ecke Gotmastr., aufgestellt (siehe https://denkmale.goettingen.de/denkmale/gedenkstein-an-den-widerstand.html).

 

Im Haushalt 2017/18 wurden auf Beschluss des Rates der Stadt Göttingen für die Bearbeitung des Themas Erinnerungskultur Haushaltsmittel für 2017 in Höhe von 15.000 € bereitgestellt.

 

In der Folge erhielt Dr. Driever den Auftrag, eine Bestandsaufnahme und Schwachstellenanalyse der im öffentlichen Raum befindlichen Gedenkstätten und jährlich wiederkehrenden Gedenkveranstaltungen sowie anderer Formen des Gedenkens im städtischen Raum mit Vorschlägen und geeigneten Verbesserungsmaßnahmen für ein umfassendes Konzept und eine zentrale Subdomain für die Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Göttingen zu erarbeiten.

 

Der Berichtsentwurf wird dem Ausschuss für Kultur und Wissenschaft mit einem Verfahrensvorschlag und einer Priorisierung der empfohlenen Maßnahmen hiermit zur Beratung und Entscheidung über das weitere Verfahren vorgelegt.

 

 

 

 

Anlagen:

 

1)      Allris-Vorlage FB 41/237/12 „Anbringung einer Gedenktafel für Gustav Kuhn“ u. Protokollauszug Ausschuss f. Kultur u. Wissenschaft vom 24.05.2012

2)      Allris-Vorlage FB 41/248/12 „Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft“ u. Protokollauszug Ausschuss f. Kultur u. Wissenschaft vom 18.09.2012

3)      Allris-Vorlage FB 41/0269/13Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus durch die Verlegung von Stolpersteinen“ u. Protokollauszug Ausschuss f. Kultur u. Wissenschaft vom 22.08.2013 und Rat vom 13.09.2013

4)      Allris-Vorlage FB 41/0358/16 „Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft“ u. Protokollauszug Ausschuss f. Kultur u. Wissenschaft vom 25.08.2016

5)      Allris-Vorlage SPD/0193/16 „Gedenken neu gestalten“ u. Protokollauszug Ausschuss f. Kultur u. Wissenschaft vom 25.08.2016

6)      Allris-Vorlage FB 41/0368/16 Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft“ – Gedenkstein an den Widerstand gegen das NS-Regime“ u. Protokollauszug Ausschuss f. Kultur u. Wissenschaft vom 20.10.2016

7)      Dr. Rainer Driever, Konzept „Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Göttingen“ (Kurzfassung), 24.07.2018

8)      Dr. Rainer Driever, Konzept „Erinnerungskultur an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Göttingen“ (Langfassung), 16.08.2018

 

 

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Allris-Vorl. Verlegung von Stolpersteinen u. Beschlussauszüge KWA 22.08._Rat 13.09.13 (865 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich Allris-Tischvorl. Stgn. Verw. Gedenktafel Kuhn_ Prot.auszug KWA 24.05.12 (1607 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich Allris-Tischvorl. Stellungn.Verw.Erinnerungskultur_Prot.auszug_KWA 18.09.2012 (884 KB)      
Anlage 4 4 öffentlich Allris-Vorl. FB41-0358-16 Erinnerungskultur NS-Gewaltherrschaft Göttingen_Vorl. u. Prot.auszug KWA 25.08.16 (301 KB)      
Anlage 5 5 öffentlich SPD-25-08-2016-Gedenken neu gestalten_Vorl. u. Prot. KWA 25.08.16 (196 KB)      
Anlage 6 6 öffentlich Allris-Vorl. Konzept Erinnerungskultur NS Gewaltherrschaft Göttingen u. Prot.auszug KWA 20.10.16 (945 KB)      
Anlage 7 7 öffentlich Driever_Gedenkkonzept-Göttingen_kurz_24-07-18 (79 KB)      
Anlage 8 8 öffentlich Driever_Gedenkkonzept-Göttingen_integriert_16-08-18 (275 KB)      
 
 

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