zurück
 
 
Betreff: 'Bekenntnis zum Museumskomplex am Ritterplan'
Antrag der CDU-Ratsfraktion v. 31.03.2017
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:41-Fachbereich Kultur Beteiligt:65-Fachbereich Gebäude
    66-FB Tiefbau und Bauverwaltung
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschuss Stadthalle Vorberatung
19.09.2017 
10. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschusses der Stadthalle ungeändert beschlossen   
Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke Vorberatung
21.09.2017 
13. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke ungeändert beschlossen   
Verwaltungsausschuss Entscheidung

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

 

  1. Es wird angestrebt, das Städtische Museum und die Kulturverwaltung am Standort Ritterplan (Posthalterei, Remise und Hardenberger Hof) zusammenzuführen. Dem vorgelegten Nutzungskonzept wird vorbehaltlich der Vorlage des Finanzierungskonzepts zugestimmt.
     
  2. Dem Abruf von Fördermittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz für die Durchführung des europaweiten VgV-Verfahrens zur Bauftragung eines Planers zur Erstellung eines Gesamtkonzepts und zum Ausbau des Verbindungsbau zwischen Alter Posthalterei und Remise wird zugestimmt.

 

  1. Die Verwaltung wird beauftragt, auf der Basis des in der Anlage befindlichen Nutzungskonzepts Fördermittel aus geeigneten Programmen wie dem Städtebauförderungsprogramm (StBauF-Programm) Städtebaulicher Denkmalschutz des Bundes und des Landes, BKM-Mittel oder EFRE-Mittel des Landes für die noch ausstehende Sanierung des Komplexes zu beantragen und vor einer abschließenden Entscheidung des Rates zur Sanierung des Gebäudekomplexes ein Finanzierungskonzept unter Berücksichtigung von Folgekosten vorzulegen.

 

  1. Der CDU-Antrag „Bekenntnis zum Museumskomplex Ritterplan“ wird damit für erledigt erklärt.

 

Begründung:

 

Am 10.06.2016 beschloss der Rat der Stadt Göttingen einstimmig das in einem breiten Beteiligungsverfahren erarbeitete Museumskonzept (vgl. Vorlagen FB41/0335/15 und FB41/0350/16). Einzig und allein die Entscheidung über den Standort des künftigen Städtischen Museums blieb offen, weil der Standort Ritterplan aufgrund seiner Lage, der im Hardenberger Hof z. T. kleinteiligen Räumlichkeiten, der schwer herzustellenden Barrierefreiheit sowie der hohen anstehenden Sanierungskosten politisch umstritten war.

 

Mit Antrag vom 31.03.2017 forderte die CDU-Ratsfraktion ein Bekenntnis zum Ritterplan.

 

Das Städtische Museum ist seit 2008 im Betrieb stark eingeschränkt und kann seitdem nur ein reduziertes Angebot präsentieren, da am Komplex Ritterplan diverse Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt worden sind. Insbesondere wurde die Alte Posthalterei komplett saniert, am Verbindungsbau sowie dem Großteil der Remise erfolgten Arbeiten an der statischen Konstruktion sowie eine Schwammsanierung. Die Außenhülle (Dach, Fassade, Fenster) wurde wiederhergestellt.

 

Bislang wurden rund 3,76 Mio. € investiert (Siehe Anlage 5 Kostenzusammenstellung). Zur vollständigen Sanierung des Komplexes fehlen noch

•  die konstruktive Sanierung des Restteils der Remise sowie die Innensanierung von Verbindungsbau und Remise

•  die barrierefreie Erschließung aller Gebäudeteile durch einen Anbau sowie

•  die Sanierung der Kapelle und des Hardenberger Hofes.

 

Hierfür ist nach heutigem Kenntnisstand mit einem weiteren Investitionsbedarf in Höhe von ca. 12 Mio. € (inkl. Preissteigerungen bis 2017) zu rechnen. Im Rahmen des StBauF-Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurden bislang rd. 3,5 Mio. € für die Sanierung bewilligt, wovon bereits 2 Mio. € abgerufen worden sind. Es stehen also noch 1,5 Mio. € zur Verfügung; diese Mittel sind in jährlichen Tranchen à 300.000 bis 600.000 € abrufbar und müssen zu 33,3 % aus Eigenmitteln der Stadt gegenfinanziert werden.

 

Da das Programm vielfach überzeichnet ist, scheint es eher unwahrscheinlich, dass über die bestehende Bewilligung hinaus kurzfristig aus dem Programm im größeren Umfang Mittel für die Ertüchtigung von Remise und Hardenberger Hof zur Verfügung gestellt werden. Sofern ein Nutzungskonzept, das eine öffentliche Nutzung vorsieht, vorgelegt wird, wäre vorstellbar, dass über die vorhandene Mittelbewilligung hinaus weitere Mittel tranchenweise wie in den Vorjahren bewilligt und bereitgestellt werden.

Weitere Fördermittel können im Rahmen der Landesrichtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Maßnahmen der Energieeinsparung und Energieeffizienz bei öffentlichen Trägern sowie Kultureinrichtungen (EFRE-Mittel) oder beim BKM beantragt werden.

 

In den geschätzten Sanierungsgesamtkosten sind die Kosten für die Einrichtung einer neuen Dauerausstellung inkl. Beleuchtungstechnik nicht inbegriffen. Diese hängen von verschiedenen Variablen ab (Fläche, Anspruch, technische Ausstattung, Wiederverwendung vorhandener Vitrinen etc.). Als ungefährer Wert können 2.000,- Euro/m² angenommen werden. Bei  angenommenen 800 m² Dauerausstellungsfläche ergäbe dies einen zusätzlichen Investitionsbetrag von ca. 1,6 Mio. €, für die aber Drittemittelanträge, z.B. beim Land Niedersachsen, gestellt werden können.

 

Grundsätzlich hält die Verwaltung die Verfolgung nachstehender Ziele/Meilensteine für erstrebenswert:

•   Das Städtische Museum ist als historisches Kompetenzzentrum und Gedächtnis der Stadt der zentrale Ort zur Präsentation von Stadtgeschichte. Deshalb sollte es in zentraler Innenstadtlage verortet sein.

•  Der Ort sollte den modernen baulichen Anforderungen an ein Museum in Hinblick auf Größe, Raumhöhen, Funktionalitäten, Erreichbarkeit und Barrierefreiheit entsprechen.

Wünschenswert wäre eine Lösung, die eine rasche Wiederaufnahme einer vollumfänglichen Museumsarbeit ermöglicht.

Die Verwaltung hat aufgrund der vorstehenden Situation und der bekannten Einschränkungen des Standortes Ritterplan zwischenzeitlich als Alternative geprüft, ob die Remise einer anderen öffentlichen Nutzung (hier: VHS) zugeführt und die Nachteile des Museumsstandorts Ritterplan durch eine 2-Standorte-Variante (Hardenberger Hof für Dauerausstellung, alternativer Standort in zentraler Lage mit besseren Möglichkeiten für Sonderausstellungen) ausgeglichen werden können bzw. ob sich zeitnah ein gänzlich anderer Standort in zentraler Lage für das Museum findet.

 

Im Ergebnis ist festzustellen, dass

  1. die Raumzuschnitte sowie die Raumhöhen der Remise für eine Nutzung durch die VHS als Seminargebäude ungeeignet sind,
  2. in zentraler und repräsentativer Lage keine städtischen Gebäude gefunden wurden, die für einen Komplettumzug des Städtischen Museums oder als Ort für Sonderausstellungen geeignet und zeitnah nutzbar wären, denn

• das Alte Rathaus kann aufgrund von durchgängigen Ausstellungen der Kulturverwaltung und des Kunstvereins sowie diverser repräsentativer Veranstaltungen nicht zur Verfügung gestellt werden,

die Stockleffsche Mühle ist wie der Ritterplan stark sanierungsbedürftig (vgl. Heller-Gutachten), als alleiniger Museumsstandort zu klein (440 qm); Haushaltsmittel für die Sanierung sind absehbar nicht eingeplant, so dass sich hieraus keine Vorteile gegenüber einer Sanierung und Nutzung des Ritterplankomplexes ergäben,

das Dachgeschoss der ehemaligen Justizvollzugsanstalt (JVA) wäre für eine museale Nutzung zu niedrig und die JVA kommt im Übrigen nach Ablehnung des sog. UIA-Antrages nicht mehr in Frage,

die Voigtschule wird als Ausweichspielstätte für das KAZ und das Junge Theater während der Sanierung des Otfried-Müller-Hauses sowie zur Zwischennutzung bei diversen Schulsanierungsvorhaben benötigt,

  1. eine 2-Standorte-Variante zudem den Nachteil hätte, dass bei gleichbleibenden Öffnungszeiten beider Standorte doppelte Personalkosten entstünden und aus vorstehenden Gründen verworfen wird,
  2. es auch sonst keine Fläche im Stadtkern gibt, auf der ein Museumsneubau, der obigen Anforderungen gerecht wird, errichtet werden könnte,
  3. die avisierten Ziele nicht vollumfänglich erfüllt werden können, es also einer Kompromisslösung bedarf.

 

Vor dem Hintergrund der vorstehenden Ausführungen schlägt die Verwaltung vor, zusätzliche Fördermittel für eine beschleunigte Sanierung des Hardenberger Hofes einzuwerben und im Gesamtkomplex - bestehend aus Alter Posthalterei, Verbindungsbau, Remise, sog. Kapelle und Hardenberger Hof - den Fachdienst Kultur sowie das Städtische Museum dauerhaft zusammenzuführen. Das scheint realisierbar und hätte folgende Vorteile:

 

  1. Der Fachbereich Kultur ist derzeit mit seinen 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf die Standorte Neues Rathaus (Fachdienst Kultur), Reinhäuser Landstraße (Stadtarchiv), Thomas-Buergenthal-Haus (Stadtbibliothek), Ritterplan (Städt. Museum)  mit Weender Landstraße (Depot) verteilt. Eine Zusammenführung zumindest von zwei der fünf Bereiche erleichtert die Zusammenarbeit und macht Wege kürzer.
  2. Die Mitarbeitenden des Fachdienstes Kultur arbeiten regelmäßig außerhalb der regulären Öffnungszeiten des Neuen Rathauses. Im Ritterplan ist ein den Arbeitszeiten und Erfordernissen des Fachdienstes entsprechender Zugang möglich.
  3. Ein Auszug des Fachdienstes Kultur aus dem Neuen Rathaus würde helfen, die dortige Raumnot zu lindern.
  4. Die zusätzliche Nutzung durch den Fachdienst Kultur entspricht einer öffentlichen Nutzung, so dass bei Vorlage eines entsprechenden Nutzungskonzeptes bis Ende September auch weiterhin Mittel aus dem städtebaulichen Denkmalschutz fließen können.
  5. In einer Machbarkeitsuntersuchung wurde geprüft, ob der Fachdienst Kultur in dem Verbindungsbau zwischen Alter Posthalterei und Remise untergebracht werden könnte. Im Ergebnis zeigt sich, dass die benötigte Nutzfläche im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss dargestellt werden könnten und durch die Schaffung eines eigenen Treppenhauses sich Synergieeffekte bei der noch erforderlichen Herstellung des zweiten baulichen Rettungswegs für die Alte Posthalterei ergäben. Die Kosten für den Ausbau wurden auf 600.000 Euro geschätzt.

Bisher existiert kein detailliertes Sanierungskonzept, sondern lediglich eine unkonkrete Planungsskizze vom März 2014, die anlässlich der Vorbereitung eines VOF-Verfahrens erstellt wurde. Das Sanierungskonzept lässt sich nicht von der Planung des Gesamtkonzeptes abkoppeln, in dem vor allem auch die Frage der bei einer öffentlicher Nutzung erforderlichen barrierefreien Erschließung der Gebäudeteile geklärt wird.

 

Mit den personellen Ressourcen von FB 65 kann weder ein solches Konzept noch die Planung der Sanierung mit städtischen Personal erstellt werden. Daher ist die Beauftragung eines externen Planers notwendig, der auf Grundlage eines europaweiten VgV-Verfahren beauftragt werden muss. Aufbauend auf die bereits erfolgte Schadenskartierung an der Fassade des Hardenberger Hofes ist zudem eine vollständige Erfassung der Gebäudeschäden notwendig.

 

Vorbehaltlich der Zustimmung der Ratsgremien beabsichtigt die Verwaltung daher, das VgV-Verfahren (entspricht dem früheren VOF-Vergabeverfahren) für die Vergabe der Architektenleistung zur Sanierung des denkmalgeschützen Gebäudekomplexes in der Jüdenstr./Ritterplan durchzuführen.

 

Angemerkt sei, dass mit der vorgeschlagenen Standortentscheidung in den nächsten Jahren - abhängig von der Akquise von Fördermitteln - nur ein weiterhin deutlich eingeschränkter Museumsbetrieb möglich ist.

 

Schließlich sei angemerkt, dass es - abweichend vom Antrag der CDU-Ratsfraktion - keines neuen Museumskonzeptes bedarf. Das verabschiedete Konzept bildet mit seinen 7 Themenblöcken eine umfassende Grundlage, die Stadtgeschichte einem breiten Publikum näher zu bringen. Geschichte und Gegenwart des Wissenschaftsstandortes Göttingen bilden dabei einen besonderen Schwerpunkt. Aus diesem Grund wird das verabschiedete Museumskonzept natürlich auch weiterhin in enger Abstimmung mit dem Forum Wissen umgesetzt.

 

Allerdings ist - nach der getroffenen Standortentscheidung - ein dezidiertes Umsetzungskonzept bzw. ein auf die verfügbaren Räumlichkeiten zugeschnittenes Ausstellungskonzept erforderlich, in dem die künftige Arbeit des Städtischen Museums dargelegt und entwickelt wird. Dabei soll der Weg fortgesetzt werden, das Museum als Bildungseinrichtung für alle gesellschaftlichen Gruppen und Schichten, als historisches Kompetenzzentrum, wo Geschichte und Geschichten erlebbar und erfahrbar werden, als Ort neuer Formen der zielgruppenorientierten Interaktion und Partizipation sowie aktueller gesellschaftlicher Diskussionen zu entwickeln. Dafür werden zusätzliche Mittel für die Ausstattung, die bislang noch nicht kalkuliert sind, bereitgestellt werden müssen.

 

Sofern dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt wird, kann der Antrag der CDU-Ratsfraktion für erledigt erklärt werden.

 

Finanzielle Auswirkungen:

 

Nein

 

siehe Anlage

 

Die zu erwartenden Kosten sind in Anlage 5 zusammengestellt. Ein Finanzierungs-konzept wird erarbeitet und vorgelegt.

 

Die Kosten für den Ausbau des Verbindungsbaus betragen nach Kostenschätzung 600.000 Euro. Hierfür soll der Abruf der Sanierungsmittel aus dem Programm städtebaulicher Denkmalschutz erfolgen.

 

 

 

 

 

Anlagen:

 

  1. Antrag der CDU-Ratsfraktion „Bekenntnis zum Museumskomplex am Ritterplan“ zur gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft und des Ausschusses für Bauen, Planen und Grundstücke am 06.04.2017
  2. Protokollauszug der gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft und Ausschusses für Bauen, Planen und Grundstücke am 06.04.2017
  3. Nutzungskonzept Gebäudekomplex am Ritterplan
  4. Lageplan und Bauabschnitte
  5. Kostenzusammenstellung Stand 2017

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich 2017-03-31 Antrag-CDU-Bekenntnis-Museumskomplex-Ritterplan (135 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich 2017-04-06 Prot.auszug 6. außerordentliche öffentl. Sitzung Ausschuss Kultur Wissenschaft u. Bauen Planen (82 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich Anl. 3_Nutzungskonzept Museumskomplex (214 KB)      
Anlage 4 4 öffentlich Anl 4 Lageplan und Bauabschritte Stand 2017 (1129 KB)      
Anlage 5 5 öffentlich Anl 5 Kostenzusammenstellung Stand Sep 2017 (115 KB)      
 
 

zurück