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33. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschusses der Stadthalle
TOP: Ö 5
Gremium: Ausschuss für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschuss Stadthalle Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 22.10.2015 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:30 - 18:40 Anlass: Ordentliche Sitzung
Raum: Deutsches Primatenzentrum, Kellnerweg 4, 37077 Göttingen
Ort:
Zusatz: Vor Beginn der Sitzung findet um 16.00 Uhr eine Führung durch die Räumlichkeiten des DPZ statt.
FB41/0340/15 Publikumsbefragungen Göttinger Kultureinrichtungen 2014
     
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:41-Fachbereich Kultur   
 
Beschluss

Herr Beck erläutert die Ergebnisse der Publikumsbefragungen Göttinger Kultureinrichtungen 2014. Der Fokus der Umfrage habe auf der Frage nach der Zusammensetzung des Publikums gelegen. Der Berichtband sei online (siehe http://www.goettingen.de/staticsite/staticsite.php?menuid=633&;topmenu=628) abrufbar.

Insgesamt hätten die 17 untersuchten Einrichtungen im Jahr 2014 über 3.700 Veranstaltungen mit 430.000 Besuchen vermelden können, was einer durchschnittlichen Nutzung von 3,3 Kulturbesuchen pro Einwohner/in entspreche. Es seien jedoch nur geförderte Institutionen und Besucherinnen und Besucher ab 18 Jahre erfasst worden, daher lägen über Kinder und Jugendliche keine Ergebnisse vor. Insbesondere gut gebildete Frauen nutzten Kulturveranstaltungen; der Anteil von Akademikern, Frauen und Älteren liege über deren durchschnittlichem Bevölkerungsanteil. Etwa zwei Drittel der Besucher und Besucherinnen kämen aus der Stadt, ein Drittel aus dem Landkreis Göttingen, die Händel-Festspiele, der Literaturherbst und das Jazzfestival wiesen aber einen höheren Anteil von Besuchern/innen von außerhalb der Region auf. Die Institutionen besäßen zum Teil einen hohen Anteil an regelmäßigen Besuchern und ein ausgewogenes Verhältnis in deren Altersstruktur, wiesen teilweise jedoch gravierende Unterschiede auf. Die Soziokultur besitze ein vergleichsweise großes regelmäßiges Publikum, Musikveranstaltungen würden eher von Männern besucht, Literaturveranstaltungen eher von Frauen. Insgesamt sei ein hoher Publikumsanteil mit höherem Einkommen und höherer Bildung festzustellen. Insgesamt bildeten die Ergebnisse der Umfrage eine gute Grundlage für eine Diskussion inhaltlicher Zielvereinbarungen. Die Befragung sei nach seiner Kenntnis deutschlandweit die erste Untersuchung ihrer Art. Um die Entwicklung vergleichen zu können, sei es sinnvoll, sie im drei- oder vierjährigen Turnus zu wiederholen und evtl. auch um andere Kultureinrichtungen zu erweitern. Die Datenerfassung und -auswertung sei jedoch sehr aufwändig und die Durchführung der Befragung mit einem hohen Aufwand und Kosten verbunden.

Frau Dr. Schlapeit-Beck dankt Herrn Beck für seinen außerordentlichen Einsatz bei der Durchführung dieser Befragung. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen zukünftig helfen, die Kulturpolitik in Göttingen besser zu steuern. Die bestehenden Zielvereinbarungen zur Förderung der Kinder- und Jugendarbeit, zur Erschließung neuer Besuchergruppen und zur Kooperation mit Bildungsinstitutionen würden hierdurch evaluiert. Die Kultur in Göttingen müsse sich bei der interkulturellen Ansprache noch weiter entwickeln, da der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund 20 % an der Bevölkerung betrage, die Kultur diese aber nur mit 7 % erreiche. Sie sehe politisch drei Schlussfolgerungen aus der Publikumsbefragung für die Zukunft:

1. Kultur stärker für die Allgemeinheit anbieten,

2. interkulturelle und niederschwellige Angebote weiterentwickeln und

3. preiswerte Angebote vorhalten.

So sei z. B. das Kulturticket für Studierende ein großer Erfolg. Junges Publikum (In der Sitzung am 19.11.15 hat die Verwaltung folgende Ergänzung zugesagt:) über 18 Jahre zu erreichen stelle insgesamt noch ein Defizit dar. Häufig beeinflusse zudem der Veranstaltungsort die Struktur und Anzahl des Publikums. So erreicht ein Klavierkonzert in der Universitätsaula ein ganz anderes Publikum als im Nachbarschaftszentrum Grone.

Frau Gerl-Plein bescheinigt der Studie ein gutes Ergebnis, das Überraschende sei, dass sie so wenig überrasche. Erfreulich sei der erhebliche Anteil junger Erwachsener im Bereich Theater. Sie finde es wichtig, den Anteil des jungen Publikums auszudehnen, z. B. analog zum Kulturticket ein Projekt für Auszubildende ins Leben zu rufen und eventuell durch die Stadt Göttingen zu fördern. Kulturangebote sollten breiter gestreut und stärker in den Ortsteilen verankert werden.

Herr Beck weist darauf hin, dass das Kulturticket die Publikumsstruktur verändert und zu Verteilungskämpfen um die Förderung geführt habe, an der viele partizipieren wollen. Ein ähnliches Ticket für Azubis hieße, das die Stadt Göttingen dies bezahlen müsse.

Frau Dr. Schlapeit-Beck verweist in diesem Zusammenhang auf Gespräche über eine Aufgabenverteilung mit der IHK und der Kreishandwerkerschaft; das Modell müsse noch näher erarbeitet werden, zudem entstehe ein hoher Verwaltungsaufwand. 

Herr Prof. Dr. Theuvsen weist auf das Selbstverständnis der Kultureinrichtungen hin, deren Programm eher das Bildungsbürgertum anspräche, so sei z. B. der Literaturherbst keine leichte Kost. Auch das Deutsche Theater könne gelegentlich populärere Stücke auf die Bühne bringen. Um andere Inhalte zu berücksichtigen, sei eine Richtungsentscheidung gefordert.

 
 

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