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24. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschusses der Stadthalle
TOP: Ö 8
Gremium: Ausschuss für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschuss Stadthalle Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 18.09.2014 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:30 - 18:50 Anlass: Ordentliche Sitzung
Raum: Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Justus-von-Liebig-Weg 3, 37077 Göttingen (barrierefrei).
Ort:
Zusatz: Bitte beachten: Vor Beginn der Sitzung findet ab 16:00 Uhr eine Führung durch das Institut statt. Die Parkplätze des Institutes sind über den Hans-Adolf-Krebs-Weg zu erreichen.
FB41/0298/14-1 "Kragenbär"- Skulptur auf dem Robert-Gernhardt-Platz
     
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:41-Fachbereich Kultur   
 
Abstimmungsergebnis
Beschluss

 

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Stellungnahme Ref. 02 Kragenbär (856 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich Ratsantrag GöLINKE Krägenbär (69 KB)      

Frau Dr. Schlapeit-Beck erläutert das Verfahren, nachdem die Elchpreisjury nunmehr einen Antrag an die Stadt Göttingen gerichtet habe, der Aufstellung des Kragenbärs in Erinnerung an Robert Gernhardt zuzustimmen, habe die Verwaltung die vorliegende Beschlussvorlage vorbereitet. Im Verlauf ihrer Einführung weist Frau Dr. Schlapeit-Beck weiter darauf hin, dass mit der heutigen Verwaltungsvorlage zunächst eine grundsätzliche Entscheidung über die beantragte Aufstellung der „Kragenbär“-Skulptur getroffen werden solle, bevor ein privat initiierter Spendenaufruf der Elchpreisjury veröffentlicht werde. Sollte dieser erfolgreich sein, so müsse der Rat dann zu gegebener Zeit noch über die Annahme der Spende befinden.

Bezüglich der Vorgeschichte verweist sie unter Hinweis auf die öffentliche Kritik an dem bisherigen Verfahren darauf, dass vor rd. einem Jahr in diesem Ausschuss nichtöffentlich nur eine von den Initiatoren vorgebrachte Idee diskutiert wurde und kein ein förmliches Verfahren begründender offizieller Antrag vorgelegen habe. Aufgrund des Antrages der ELCH-Preis-Jury und eines dem Rat vorliegenden Antrages handele es sich nunmehr um einen formellen Vorgang. Im Rahmen dieses Verfahrens habe die Verwaltung bereits Kontakt mit der Grundstückeigentümerin Delta Bau Hannover und der Witwe Dr. Gehebe-Gernhardt aufgenommen und von dort grundsätzlich zustimmende Rückmeldungen erhalten.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Göttingen Frau Müller erläutert nachfolgend die Gnde, warum das Frauenbüro und die im Frauenforum zusammengeschlossenen Gruppen und Initiativen die geplante Aufstellung der „Kragenbär“-Skulptur ablehnen (Anlage 3).

Als Mitglied der ELCH-Preis-Jury und stellvertretendr den heute verhinderten Antragsteller WP Fahrenberg erläutert Herr Beck nachfolgend den Antrag und verweist auf Leben, Werk und Bedeutung des Mitbegründers und 2. Göttinger ELCH-Preisträgers Robert Gernhardt. Im Verlauf seiner Ausführung weist er insbesondere darauf hin, dass es bei der Skulptur nicht vordergründig um die Darstellung von Onanie in der Öffentlichkeit oder deren Verharmlosung gehe, sondern Gernhardt mit satirischen Mitteln bereits 1973 fast prophetisch auf die wachsende Ich-Bezogenheit und zunehmende Vereinzelung vieler Menschen hingewiesen habe, die sich selbst genügen und keinen Austausch mit anderen brauchen, solange sie nur „senden“ und ihren Sprachmüll absondern und ihr Ego befriedigen könnten. Im Übrigen sei, wenn man/frau den Zweizeiler nicht kenne, durch die geplante Anbringung des Gedichtes „Tierwelten“ in der Fassung von 1966 am Sockel der Skulptur und die aus seiner Sicht unanstößige und eher possierliche Kragenbär-Darstellung des Künstlers die zu problematisierende Darstellung von Onanie überhaupt nicht ersichtlich. 

Herr Arndt erklärt, dass er von der Stellungnahme des Frauenbüros enttäuscht sei und er für die Herausarbeitung der satirischen Aspekte der Skulptur danke, die für ihn eine hervorragende Darstellung der Ich-Bezogenheit und der „kommunikativen Flachheit der Gesellschaft“ sei. Diese Form der Darstellung durch die „Kragenbär“-Skulptur werde von seiner Fraktion ausdrücklich begrüßt. Bezüglich der Diskussion in der Öffentlichkeit erklärt er weiterhin, dass er diese als „spannend, aufrüttelnd und anregend“ empfand und er verweise in diesem Zusammenhang auf frühere Diskussionen über Kunst im öffentlichen Raum wie z. B. über das Relief an der Stadthalle oder das Portal des Ratssaales im Neuen Rathaus.

Frau Valena verweist darauf, dass die Skulptur innerhalb der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen sehr kontrovers diskutiert werde und sie als Vertreterin eines Teils die Stellungnahme von Frau Müller unterstütze. Nach Ansicht von Teilen ihrer Fraktion stelle die Skulptur des im Übrigen hoch geschätzten Robert Gernhardt etwas anderes dar als Komik oder Satire. Mit dieser Skulptur werde nach ihrer Aussage zu Onanie in der Öffentlichkeit animiert. Dies müsse u. a. zum Schutz von Kindern und Jugendlichen verhindert werden. Auch sei sie der Meinung, dass Robert Gernhardt mit einer Benennung dieses zentralen Platzes bereits eine große Ehrung erfahren habe. Grundsätzlich glaube sie auch nicht, dass jeder in Göttingen die Skulptur richtig interpretieren und verstehen werde.

Nach Ansicht von Herrn Prof. Dr. Neumannsse die Skulptur auch metaphorisch betrachtet als Aufforderung verstanden werden, mit Tabus zu brechen. 

Die Ratsfraktion der Piraten habe nach Aussage von Herrn Dr. Schleuß bereits im Vorfeld ihre Zustimmung zu der Skulptur signalisiert und er danke Herrn Beck für seine Ausführungen. Grundsätzlich aber kritisiere er weiterhin das Verfahren, wonach für seine Fraktion nicht nachvollziehbar sei, warum eine Diskussion über ein Denkmal nicht in der Öffentlichkeit geführt werde und sich die Frage stelle, was passiere, wenn die Öffentlichkeit ein Denkmal ablehne.

Bezüglich der durch die Skulptur vermeintlich dargestellten öffentlichen Onanie führt er weiterhin aus, dass nach seiner Ansicht ein direkter Bezug hierzu fehle, da auf dem Sockel der Skulptur ein ganz anderes Gedicht von Gernhardt als der ggf. als anstößig empfundene Zweizeiler aufgenommen werden solle.

Herr Pachehrt aus, dass er die von Frau Müller vorgebrachten Bedenken verstehe und gegen jedwede Verharmlosung von Exhibitionismus in der Öffentlichkeit sei. Auch er verweise aber darauf, dass an dem Denkmal ein ganz anderes Gedicht als der kritisierte Zweizeiler angebracht werden solle und insofern liege nach seiner Ansicht keine Anstößigkeit vor.

Herr Völkening verweist auf die bereits dargestellten unterschiedlichen Meinungen innerhalb der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Er persönlich halte die Skulptur zumal mit dem geplanten längeren Gedicht für relativ harmlos und den geplanten Standort für grundsätzlich geeignet. Insofern könne er der Aufstellung trotz der vorgetragenen Bedenken zustimmen und begrüße im Übrigen die lebhafte öffentliche Diskussion. Im Zusammenhang mit der Aufstellung und der Unterhaltung aber bitte er um Mitteilung der voraussichtlichen Kosten.

Herr Akad verweist auf einen zur Ratssitzung am 26.09.14 von seiner Fraktion eingebrachten Antrag zur Aufstellung der Kragenbär“-Skulptur (Anlage 4), die im Übrigen unterstützt werde.

Bezüglich der Folgekosten verweist Frau Dr. Schlapeit-Beck auf ihre eingangs gemachten Ausführungen, wonach es am heutigen Tage nur um eine Grundsatzentscheidung über eine mögliche Aufstellung gehe. Über die Annahme der Schenkung selbst werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden, wobei die Folgekosten im Rahmen einer Schenkung nicht problematisiert werden sollten. Schließlich sei die Schenkung eines Kunstwerkes an die Stadt ein sehr begrüßenswerter Akt bürgerschaftlichen Engagements.

Unter Bezug auf die Ausführungen von Herrn Dr. Schleußhrt sie weiterhin aus, dass sie den Vorwurf bezüglich einer undemokratischen Verfahrensweise und der Unterschlagung von Informationen über die Beratung im nichtöffentlichen Teil des Ausschusses von Seiten der Verwaltung deutlich zurückweise, da es sich bei der Aufstellung der Skulptur bisher um eine informelle Diskussion einer Idee gehandelt habe und die Ratsfraktionen hierzu alle Unterlagen erhalten hätten, die hierfür notwendig gewesen seien.

Herr Dr. Schleuß entgegnet, dass er der Verwaltung nicht ein undemokratisches Vorgehen vorwerfe, da auch ein nichtöffentlicher Prozess Teil eines demokratischen Verfahrens sei. Bemängelt aber werde die Nichtnachvollziehbarkeit der vor einem Jahr getroffenen Entscheidung. Letztlich wurde die Diskussion über eine Aufstellung des Denkmals erst durch Presseberichte wieder aufgenommen.

Mit Blick auf die geplante private Spendenaktion erklärt Herr Dr. Schleuß abschließend, dass ihm die Namen von zwei potentiellen Spendern bekannt seien.       

Nach Ansicht von Herrn Prof. Dr. Neumannnne diese Skulptur weder mit Exhibitionismus noch mit Pornografie in Verbindung gebracht werden und auch ggf. fragenden Kindern unverfänglich erklärt werden.     

Anschließend beschließt der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft mit 8 Ja- gegen 1 Nein-Stimme:              

Der Antrag der Göttinger Elch-Preis-Jury, eine dem Dichter, Schriftsteller, Maler, Zeichner und Elch-Preisträger Robert Gernhardt gewidmete und mit seiner Witwe Dr. Almut Gehebe-Gernhardt abgestimmte Skulptur zu stiften, wird zustimmend zur Kenntnis genommen. Das Motiv der über Spendenmittel zu finanzierenden und in Bronze gegossenen Skulptur ist Gernhardts bekanntes Bildgedicht des „Kragenbären“ aus dem Jahr 1973.

 
 

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