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14. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschusses der Stadthalle
TOP: Ö 8
Gremium: Ausschuss für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschuss Stadthalle Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 22.08.2013 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:30 - 19:25 Anlass: Ordentliche Sitzung
Raum: Sitzungsraum THORN (126), Hiroshimaplatz 1 - 4, 37083 Göttingen (barrierefrei)
Ort:
FB41/0269/13 Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus durch die Verlegung von "Stolpersteinen"
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage SmartDoc
Federführend:41-Fachbereich Kultur   
 
Beschluss

Zu diesem Tagesordnungspunkt begrüßt Herr Gerhardy Frau Jürgenliemk, Jüdische Gemeinde Göttingen e

Zu diesem Tagesordnungspunkt begrüßt Herr Gerhardy Frau Jürgenliemk, Jüdische Gemeinde Göttingen e. V., Frau Tichauer-Moritz, Jüdische Kultusgemeinde Göttingen e. V. und Herrn Willen, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e. V.

Frau Dr. Schlapeit-Beck erläutert nachfolgend die Vorlage der Verwaltung und weist darauf hin, dass die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e. V. das Projekt organisatorisch begleite. Sie verweist auf die nunmehr fast zehnjährige kontroverse Behandlung des Themas in Göttingen. Sie habe das Thema wieder aufgegriffen, da sich nach Verlegung eines ersten Stolpersteins in Göttingen auf privater Fläche im vorigen Jahr einzelne Nachfahren von ermordeten jüdischen Bürgern gemeldet hätten und einen Stolperstein für ihre Angehörigen verlegen wollten. Hierzu gab es aber bisher keinen Konsens. Als gemeinsamer Kompromiss aller Beteiligten, auch der Jüdischen Kultusgemeinde Göttingen e. V., wurde nunmehr eine Vereinbarung gefunden,   Stolpersteine zu verlegen, wenn  Angehörige oder Nachfahren zustimmen würden.

Herr Gerhardy dankt der Verwaltung für die beharrliche Arbeit an diesem Projekt.

Für die Jüdische Gemeinde Göttingen e. V. erklärt Frau Jürgenliemk, dass das Projekt sehr begrüßt und nach ihrer Kenntnis von den Anhängern des jüdischen Glaubens mehrheitlich unterstützt werde.

Für die jüdische Kultusgemeinde Göttingen e. V. erklärt die Vorsitzende Frau Tichauer-Moritz, dass man sich dieser Regelung „geschlagen gegeben“ habe. Die Bedenken ihrer Gemeinde lägen nach wie vor darin, dass die Namen vieler jüdischer Personen den Namen Gottes enthielten und dieser nicht mit Füßen betreten werden dürfe. Die Kultusgemeinde ihrerseits habe andere Vorschläge gemacht, wie an die Opfer angemessen erinnert werden könne durch z. B. Stelen vor den Häusern oder Tafeln an den Straßen. Auch sollten neue Ideen wie z. B. Schülerwettbewerbe entwickelt werden und sie sei enttäuscht, dass diese Vorschläge nicht berücksichtigt würden. Auch verweise sie darauf, dass die „Stolpersteine“ nicht nur an die jüdischen Opfer, sondern auch an andere Verfolgte des NS-Regimes erinnern.

Herr Willen weist darauf hin, dass die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e. V. seit 2002 für eine Umsetzung des Projektes eintrete und vor rd. einem Jahr in der Bühlstraße auf Anregung einer Hausgemeinschaft auf Privatgrund durch einen „Stolperstein“ an die frühere Eigentümerin des Gebäudes erinnert werde. Grundsätzlich werde das Projekt als eine mögliche Art der Erinnerung angesehen, die es auch in Göttingen geben solle und für die es nach seiner Aussage viel Unterstützung gebe.

Herr Arndt erklärt für die SPD-Ratsfraktion, dass er es begrüße, dass das Projekt trotz der verständlichen Bedenken toleriert und somit auch in Göttingen umgesetzt werden könne. Bezüglich der Befürchtung, dass der Name Gottes mit Füßen getreten werde sei er sicher, dass die Göttinger Bevölkerung diese Art des Gedenkens angemessen würdigen werde.

Auf Nachfrage weist Frau Dr. Schlapeit-Beck darauf hin, dass im Falle einer Ablehnung durch Nachfahren oder Angehörige kein „Stolperstein“ verlegt werde.

Bezüglich historisch möglichst präziser Ergebnisse und zur Vermeidung von Missbrauch verweist Herr Beck auf die Arbeit des Stadtarchivs sowie die Zusammenarbeit mit jüdischen Organisationen und Fachleuten. Weiterhin verweise er auf die am „Mahnmal Synagoge“ angebrachten fünf Bronze-Tafeln mit den Namen der von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Landkreis und das diesen zugrunde liegende, gut recherchierte Gedenkbuch.

Frau Gerl-Plein führt aus, dass sie den von der Jüdischen Kultusgemeinde vorgebrachten Bedenken grundsätzlich folgen könne. Für sie seien die „Stolpersteine“ nicht die einzige, aber eine weit verbreitete Form, im Alltag auf die Verfolgung durch das NS-Regime hinzuweisen, der man, da man im besseren Sinne „darüber stolpere“, nicht ausweichen könne. Andere Formen des Erinnerns seien dadurch grundsätzlich nicht ausgeschlossen und sie könne sich z. B. eine stärkere Beteiligung von jungen Menschen vorstellen. 

Auf die Bemerkung von Herrn Akad, dass nach seinem Eindruck die ablehnende Haltung gegen das Projekt weiterhin bestehe, erklärt Frau Jürgenliemk für die Jüdische Gemeinde Göttingen e. V., dass sie der von der Jüdischen Kultusgemeinde getroffenen Aussage, „man müsse sich geschlagen geben“ widerspreche. Dieses widerspreche dem von ihr im Verlauf der Gespräche gewonnenen Eindruck, dass in Bezug auf die Verlegung von „Stolpersteinen“ ein „echter Kompromiss“ gefunden worden sei, den sie begrüße. Diesem hätte sie nicht zugestimmt, wenn eine der drei beteiligten jüdischen Organisationen dem nicht zugestimmt hätte.     

Bezüglich der von Frau Gerl-Plein und der Jüdischen Kultusgemeinde Göttingen e. V. gewünschten stärkeren Einbindung junger Menschen erklärt Herr Willen, dass seit vielen Jahren die von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e. V. organisierte Gedenkveranstaltung am 9. November von jungen Leuten vorbereitet werde und Göttingen in dieser Hinsicht eine gute Tradition aufweise.

Anschließend empfiehlt der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft dem Rat einstimmig folgenden Beschluss:

Der Rat der Stadt Göttingen begrüßt und unterstützt die Verlegung von „Stolpersteinen“ in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auf öffentlichen Flächen, sofern  Nachfahren und Angehörige der Opfer zustimmen.

 
 

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