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14. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Göttingen
TOP: Ö 5
Gremium: Rat Beschlussart: an Ausschuss verwiesen
Datum: Mi, 15.05.2013 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 17:50 Anlass: Ordentliche Sitzung
Raum: Ratssaal des Neuen Rathauses, Hiroshimaplatz 1 - 4, 37083 Göttingen
Ort:
LINKE/0052/13 Antrag der GöLINKE-Ratsfraktion betr. "Gedenktafel am alten Rathaus"
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:GöLINKE-Ratsfraktion Beteiligt:Dezernat C - Soziales und Kultur
    41-Fachbereich Kultur
   Dezernat D - Planen, Bauen und Umwelt
   80-Fachbereich Gebäude und Immobilien
 
Wortprotokoll
Abstimmungsergebnis
Beschluss

 

Ratsvorsitzende Frau Bank teilt mit, dass der Verwaltungsausschuss empfohlen habe, diesen Antrag zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Kultur und Wissenschaft zu überweisen.

 

Im Anschluss teilt Ratsherr Humke in der Begründung des Antrages u.a. mit, dass es der GöLINKE-Ratsfraktion auch darum gehe, sich mit dem „Bruch“ der  Stadt Göttingen mit ihrem geschichtlichen Militarismus, dessen Verharmlosung und der eigenen „braunen“ Vergangenheit auseinander zu setzen.

Die seinerzeit in diesem Sinne vollzogene Umbenennung des bis dahin bezeichneten „82er-Platzes“ in Hiroshimaplatz und eine darauf hinweisende Tafel am Amtshaus ten ein gutes Beispiel dafür, wie man sich mit der Historie befassen und diese auch differenziert betrachtennne. Ratsherr Humke nennt noch weitere Beispiele, mit denen eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Hintergründen erst möglich wurde.

In diesem Fall gehe es um eine Gedenktafel am Alten Rathaus, zu dem Touristenströme hingeleitet würden. Diese Tafel, mit der in „alter militaristischer Tradition“ den „in Heldenkämpfen 1914 - 1918 gefallenen Söhnen der Stadt Göttingen….die mutig für das Vaterland gefallen“ erinnert werden soll, sei unkommentiert installiert worden.

Sollte die Tafel nicht abgenommen werden um den Vorwurf zu vermeiden, man „schleife“ Denkmäler, böte sich die Möglichkeit, an dieser und sicherlich auch an weiteren Stellen erklärende Hinweise zu installieren, die sich mit der eigenen Geschichte kritisch auseinandersetzten.

Diese Thematik sollte ausführlich im Ausschuss für Kultur und Wissenschaft diskutiert werden und ggfls. um weitere vergleichbare Orte in Göttingen erweitert werden können.

 

Ratsherr Rieth teilt mit, dass die Piraten-Ratsfraktion einer Überweisung in den Ausschuss zustimmen werde, man aber grundsätzlich gegen die Entfernung der Tafel sei. Am Beispiel vergleichbarer Bauten in Hamburg und den Diskussionen darum wolle er deutlich machen, dass eine Auseinandersetzung mit der Geschichte durch Information - gerade hinsichtlich des bevorstehenden Erinnerungsjahres „Hundert Jahre Erster Weltkrieg“ - angebrachter sei, als diesen Teil der Geschichte durch das einfache Entfernen der Tafel zu ignorieren. Möglicherweise bringe die Diskussion im Fachausschuss auch noch weitere vergleichbare Standorte von Denkmälern etc. zu Tage, bei denen man ähnlich handeln möge um die aktuelle Situation reflektieren zu können.

 

Ratsherr lkening begrüßt namens der Bündnis90/Die Grünen-Ratsfraktion ebenfalls diesen Antrag. Problematisch an der in Rede stehenden Gedenktafel sei, dass eine einseitige, glorifizierende Ehrung „der Helden“ vorgenommen wurde, auf die Vielzahl aller Opfer des Krieges aber nicht angemessen eingegangen werde.

 

Der Rat beschließt mit Mehrheit gegen 1 Stimme, den folgenden Antrag zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Kultur und Wissenschaft zu überweisen:

 

 

Der Rat möge beschließen:

 

Die am alten Rathaus angebrachte Tafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges wird entfernt.

Sollte sich dafür keine Ratsmehrheit finden, sollte hilfsweise eine erläuternde zweite Informationstafel angebracht werden, die unseren heutigen demokratischen Verständnis von Krieg und Frieden entspricht.

 

 

 
 

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