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öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses
TOP: Ö 4
Gremium: Jugendhilfeausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 16.02.2012 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:07 - 19:23 Anlass: Ordentliche Sitzung
Raum: Sitzungsraum CHELTENHAM (118), Hiroshimaplatz 1 - 4, 37083 Göttingen (barrierefrei)
Ort:
 
Wortprotokoll
Beschluss

Frau Wittenstein erklärt, dass die Sozialräumliche Prävention in Netzwerken (SPIN) in der Weststadt eine quartierbezogene Langzeitstrategie darstelle, die in ihrer Präventionsarbeit auf eine Verbesserung der Kooperation / Vernetzung aller Akteure abziele

 

Frau Wittenstein erklärt, dass die Sozialräumliche Prävention in Netzwerken (SPIN) in der Weststadt eine quartierbezogene Langzeitstrategie darstelle, die in ihrer Präventionsarbeit auf eine Verbesserung der Kooperation / Vernetzung aller Akteure abziele und durch verschiedene Gremien begleitet werde. Das Konzept sei in den Vereinigten Staaten unter der Bezeichnung CTC („Communities that Care“) entwickelt worden, werde seit einigen Jahren in circa 20 Städten in den Niederlanden angewendet und befinde sich nun in einer Projektphase an drei niedersächsischen Standorten. Neben der Stadt Göttingen sind dies der Landkreis Emsland sowie die Stadt Hannover. Vor Ort seien die Stadtverwaltung Göttingen und der Verein Jugendhilfe die Kooperationspartner von SPIN.

 

Herr Groeger-Roth vom Landespräventionsrat erläutert das Projekt näher. Die Annahme des Projekts sei, dass Verhaltensprobleme bei Kindern und Jugendlichen durch frühzeitige Erkennung und Beeinflussung von Risikofaktoren verhindert werden könnten. Zu diesen gehörten die bereits gut bekannten Faktoren wie Gewalt in der Familie, Zugang zu Drogen, fehlende soziale Bindungen bzw. soziale Ausgrenzung. Demgegenüber stünden Schutzfaktoren, welche durch Individuen oder Institutionen repräsentiert würden, die soziale Bindungen und Kompetenzen sowie die Vermittlung von Verhaltensnormen förderten. SPIN wolle die Risikofaktoren innerhalb eines Quartiers messen und gewichten und diejenigen Institutionen, welche die entsprechenden Schutzfaktoren stärke, in ihrer Arbeit vernetzen, um so eine messbare Verringerung von Verhaltensproblemen zu erreichen.

 

Zur Messung der Risiko- und Schutzfaktoren habe es in Göttingen eine Jugendbefragung gegeben. Der anfängliche Ansatz, diese an den Schulen durchzuführen, habe zu keinem befriedigenden Rücklauf geführt. Erst eine haushaltsbezogene Befragung habe einen höheren Rücklauf gezeitigt. Hierbei wurde festgestellt, dass unter anderem die Riskofaktoren „Konflikte in der Familie“ sowie „zustimmende Haltung der Eltern zu Substanzkonsum“ in der Weststadt deutlich überdurchschnittlich vertreten seien. Andererseits habe man festgestellt, dass Schutzfaktoren wie Gelegenheit und Anerkennung von prosozialer Mitwirkung in der Weststadt genauso präsent seien wie im restlichen Stadtgebiet.

 

Der nächste Schritt sei die Analyse der vorhandenen Angebote, sowie der Einsatz bzw. die Förderung geeigneter Anbieter. SPIN habe eine „Grüne Liste Prävention“ erstellt (www.grüne-liste-prävention.de), auf der bundesweit alle effektiven bzw. erfolgversprechenden Präventionsangebote aufgeführt seien. Aufgabe von SPIN sei es, geeignete Angebote vor Ort flächendeckend einzusetzen und dabei Überschneidungen zu vermeiden.

 

In Göttingen seien die wesentlichen Strukturen eine Lenkungsgruppe des Präventionsrats Göttingen sowie ein Gebietsteam „Weststadt“. Daneben gebe es noch verschiedene themenbezogene Arbeitsgruppen. Obgleich die Finanzierung des Projekts, das seit Januar 2009 arbeite, zum Dezember 2012 auslaufe, geht man in Göttingen von einer Tätigkeit bis Mitte 2013 aus. Bis dahin würden Schulungen angeboten, die Gebietsanalyse sowie ein Aktionsplan erstellt.

 

Frau Wittenstein und Herr Groeger-Roth beantworten Fragen aus dem Ausschuss. Man habe während der Befragung mit den örtlichen Jugendeinrichtungen kooperiert, aber der erzielte Rücklauf von einem Drittel dürfe als Erfolg gelten. Der zu erstellende Aktionsplan werde mehrere zu erreichende Ziele definieren, die entweder über bereits entstehende oder neu zu beginnende Projekte den erwünschten Gebietseffekt erzielen sollen. Die Messung der Risiko- und Schutzfaktoren sei nicht geschlechtsspezifisch erfolgt, aber man plane spezifische Maßnahmen. Die beteiligten Träger würden über die Ergebnisse der Befragung informiert.

 

Bei der Befragung habe man sich auf Jugendliche im Alter von 12 – 18 Jahren konzentriert, aber die Zielgruppe von SPIN seien alle Kinder und Jugendlichen. Das Projekt Prävention als Chance (PaC) befinde sich in der grünen Liste und biete eine gute Evaluation. Da sich PaC aber mit sehr spezifischen Problemlagen befasse, gebe es dort im Vorfeld keine Problemanalyse und sei hier nur bedingt einsetzbar. Im Gebietsteam Weststadt arbeite man im Wesentlichen mit den örtlichen Jugendzentren, Kindertagesstätten und der Schulsozialarbeit zusammen. Kooperationen mit den Kirchen, der Moschee, der MUSA sowie dem Familienbildungszentrum seien geplant. Allerdings sei für alle Beteiligten problematisch, dass die Teamarbeit sehr zeitaufwendig sei.

 

 

 

 

 
 

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