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2. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Sportausschusses
TOP: Ö 7
Gremium: Sportausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 14.02.2012 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:15 - 19:27 Anlass: Ordentliche Sitzung
Raum: "Sparkassen-Arena", Schützenplatz 1, 37081 Göttingen
Ort:
 
Wortprotokoll
Abstimmungsergebnis
Beschluss

 

 

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Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich TOP 7 - Präsentation Freibad Weende Allris (865 KB)      
Herr Frey stellt anhand einer Präsentation, die dem Protokoll beigefügt ist, die aktuelle Situation des Freibades Weende und die mögliche Zukunft vor

Herr Frey stellt anhand einer Präsentation, die dem Protokoll beigefügt ist, die aktuelle Situation des Freibades Weende und die mögliche Zukunft vor. Er betont, dass es nicht mehr reicht, das Freibad wie in früheren Jahren jeweils vor der Saison mit Kosten zwischen 20.000 und 40.000 Euro betriebsbereit zu machen, da hier ein Grundsanierungsbedarf besteht. Das Freibad Weende ist, zusammen mit der Sporthalle Weende, der BSA Weende und den Tennisplätzen, ein wichtiges Merkmal des Sport- und Freizeitangebotes in Weende. Des Weiteren stellt er die Attraktionen des Bades vor, die aber auch dringend renovierungsbedürftig sind (z. B. der Sprungturm).

Herr Hirt berichtet über die immer weiter aufkommenden Probleme der Bau- und Betriebstechnik. Auf mehreren Bildern sind deutlich die Problemstellen zu erkennen. U. a. sind in dem Schwimmerbecken Rostfahnen zu erkennen, was darauf schließen lässt, dass die Rohre unter dem Becken so stark rosten, dass es bereits auf der Beckenfolie zu sehen ist. Außerdem ist der Beton der Startblöcke und der Beckenumrandungen stark feuchtigkeitsdurchlässig, so dass er extrem brüchig ist. Im Sanierungsgutachten wird u. a. vorgeschlagen, aus dem Schwimmerbecken ein Mehrzweckbecken zu erstellen, mit einem Nichtschwimmerbereich (ca. 400 m² Wasserfläche), einem Schwimmer- (ca. 800 m² Wasserfläche) und einem Sprungbereich (300 m² Wasserfläche). Das jetzige Nichtschwimmerbecken soll in seiner Funktion mit den Rutschen und mit einer Wasserfläche von ca. 365 m² erhalten bleiben. Das Umkleidegebäude muss komplett saniert werden. Die Sanierungskosten für das Bad betragen laut dem Gutachten von Herrn Schütze 2.700 Euro/m², wobei ein wesentlicher Punkt die Erneuerung des Schwallwasserbehälters im Mehrzweckbecken ist. Das Gutachten des Büros Schütze Architekten wird mit dem Protokoll versandt.

Herr Frey führt als weiteres Problem den Wandel des Freizeitverhaltens in der heutigen Gesellschaft an. Dieses ist auch an einem Beispiel des Regionalverbandes Ruhr deutlich zu sehen, in dem die Besucherzahlen der Freibäder im Jahr 1992 noch 5,6 Mio. betrugen, im Jahr 2010 jedoch nur noch 2,2 Mio.. Die Stadt Kassel hat im Zeitraum von 1972 – 2011 einen Besucherrückgang von 1,125 Mio. in ihren Bädern zu verzeichnen. In Göttingen sind die Besucherzahlen der Freibäder von 666.504 (1971) auf 162.190 (2011) zurückgegangen und im Freibad Weende von 224.026 (1971) auf 34.266. Der Bedarf in Göttingen ist mit drei Freibädern mehr als gedeckt. Für den Bedarf einer Kommune an Schwimmangeboten in Freibädern, der in Zukunft mit 0,03 m² Wasserfläche pro Person gerechnet wird, wären auch zwei Freibäder für Göttingen genug. Gegen das Schließen des Bades spricht jedoch, dass Personen, die nicht mobil sind und die die öffentlichen Verkehrsmittel nicht alleine nutzen können, ein wichtiges Freizeitangebot verlieren würden.

Herr Frey erläutert, dass neben den Möglichkeiten der Schließung oder Sanierung des Bades geprüft wird, ob nicht durch eine Veränderung des Angebotes in Richtung eines Freizeitparkes mit einem deutlich reduzierten Badeangebot auf dem Gelände die aktuellen und künftigen Bedürfnisse der Weender Bevölkerung nach Kommunikation, Erholung und Bewegung besser entsprochen werden könnte.

Herr Güntzler bedankt sich für den ausführlichen Vortrag und schlägt vor, erst die Fragen des Ausschusses zu diesem Thema zu klären und dann die Fragen der Gäste zu beantworten.

Frau Schulz erfragt, ob das Thema der Barrierefreiheit für die Planungen eine Rolle spielt.

Herr Hirt erklärt, dass dieser Punkt im Naturbad Grone bereits berücksichtigt wurde. Sollte für die Sanierung des Bades entschieden werden, wird darauf geachtet, dass die Barrierefreiheit gegeben ist.

Herr Holefleisch betont den Ernst der Lage in diesem Bad und fragt nach der Wirtschaftlichkeit von kleineren Umbauten.

Herr Frey erklärt, dass vor der Saison 2013 bereits die Folie in den Becken ausgetauscht werden muss. Die Kosten belaufen sich nur für diese Instandsetzung auf ca. 60.000 Euro.

Herr Holefleisch erfragt, ob es noch andere Gutachten für das Bad gibt und ob die Kosten realistisch sind oder sich an der höchsten Grenze bewegen. Es sollten auch Gutachten für andere Möglichkeiten eingeholt werden.

Herr Hirt berichtet, dass ein Neubau des Bades, so wie er in Grone erfolgt ist, ca. 2,5 Mio. Euro kosten würde, dieses Konzept aber in Weende nicht erwogen wird, da es nicht zwei Naturbäder in Göttingen geben soll.

Herr Dr. Häntsch ist daran interessiert, wie hoch die Kosten für die leere Fläche bei einem Abriss des Bades sind.

Mit der Absicherung des Grundstücks und der Grundsteuer für das Areal wären die Kosten laut Herrn Frey im fünfstelligen Bereich anzusetzen.

Herr Dr. Pfahl fragt nach den Kosten für eine Teilsanierung des Bades und ob die Probleme bei der Wasseraufbereitungsanlage kurzfristig behoben werden könnten, ohne den Betrieb zu stark zu beeinflussen.

Herr Hirt erläutert, dass eine Teilsanierung bei Herrn Schütze in vier Bauabschnitte unterteilt werden würde. Der 1. Bauabschnitt würde 2,5 Mio. Euro netto kosten, allerdings würde das Kinderbecken und der Umkleidebereich hier nicht mit berücksichtigt werden. Für eine weitere Saison würde dies sicher ausreichen, aber dann müsste man sich wieder Gedanken machen, wie es weitergeht. Eine Aufteilung der Sanierung in mehrere Abschnitte würde jedoch teurer als eine Komplettsanierung in einem Zuge.

Herr Neumann erfragt, wie hoch die Unterhaltungs- und Betriebskosten bei einer Sanierung sind.

Herr Frey beziffert die momentanen Unterhaltungs- und Betriebskosten auf ein Defizit von 130.000 Euro. Für ein mögliches neues Bad wurden diese Kosten noch nicht berechnet, man muss hier u. a. die Abschreibungs- und Kapitalkosten berücksichtigen. Die Betriebskosten würden auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben.

Herrn Gruber interessiert, ob bei einem Alternativkonzept auch andere Sportarten außer Schwimmen, Beachvolleyball und Beachfußball in Frage kämen.

Herr Frey betont, dass es noch kein Alternativkonzept gibt. Die Gestaltung einer Alternative würde die GoeSF gerne zusammen mit den Vertretern des Ortsteiles besprechen.

Herr Güntzler erfragt, ob mögliche Alternativen von der Vermarktung einer Teilfläche finanziert werden sollen.

Herr Frey erklärt, dass die Vermarktung eines Teiles der Freibadfläche angedacht ist, der größte Teil des Grundstückes jedoch weiterhin für die Weender Bürgerinnen und Bürger als Freizeitstandort nutzbar bleiben soll.

Frau Graeber fragt, ob ein Alternativkonzept auch für Schulen nutzbar wäre.

Herr Frey berichtet, dass das Bad bis jetzt kaum von Schulen genutzt wurde. Die Schule aus Bovenden und die damalige Personn-Realschule haben das Bad nur einmal im Jahr genutzt. Es gibt zwar noch kein Konzept für eine Alternative, trotzdem ist es schwer vorstellbar, dass man eine Alternative für Schulsport nutzen könnte.

Herr Güntzler eröffnet den Austausch mit dem Publikum.

Herr Gramsch als Vorsitzender des Fördervereins des Freibades Weende hält die Sanierungskosten von 4,5 Mio. Euro für sehr übertrieben, da die Referenzen des Büros Schütze Architekten auf ihrer Internetseite nur Umbauten zwischen 1,1 und 1,2 Mio. aufweisen. Vom Förderverein wird angeboten das Gutachten zu prüfen und eine Alternative zu diesem Gutachten zu suchen. Des Weiteren bemängelt er, dass es für Schulen kaum möglich ist das Bad zu nutzen, da die Öffnungszeiten von Juni bis August immer in die Sommerferien fallen. Würde man die Zahlen der anderen Bäder auch nur auf den Zeitraum Juni bis August beziehen, so stände das Bad in Weende gleich viel besser da. Weende hat keine wirkliche Alternative für Freizeitaktivitäten. Wenn beim Bau des Naturerlebnisbades Grone auch eine Analyse des Nutzens des Bades gemacht worden wäre, hätte man dieses auch damals nicht umbauen müssen, da es mit Weende und dem Bad am Brauweg bereits zwei Bäder gab.

Herr Güntzler schlägt vor, dass sich der Förderverein und die GoeSF über Alternativen der Sanierung austauschen.

Herr Schwieger stimmt Herrn Gramsch als Mitglied des Fördervereins zu und bittet, sich darüber Gedanken zu machen, was man für die Stadt Göttingen und was man für den Ortsteil Weende zerstört. Der Stadtteil lebt von den gemeinnützigen Einrichtungen wie dem Kindergarten, der Bezirkssportanlage und dem Schwimmbad.

Herr Arnold, der stellvertretende Ortsbürgermeister von Weende, bemängelt, dass der Freibadeintritt in den vergangenen Jahren stark angehoben wurde und dass für die Ferienkarte der Stadt Göttingen viel zu wenig Werbung gemacht wurde, so dass es sich Jugendliche nicht leisten können jeden Tag in das Freibad zu gehen. So kommt die Senkung der Besucherzahlen zu Stande.

Herr Schmiedel und Frau Speidel nehmen die Kritikpunkte von Herrn Gramsch, Herrn Schwieger und Herrn Arnold auf und fragen, ob dieses Bad als wichtiger Standpunkt für Freizeitgestaltung in Weende seit der Eröffnung damals schon einmal renoviert wurde.

Herr Bachmann gibt bei der Vermarktung von Flächen zu bedenken, dass dort auch Wohnhäuser gebaut werden könnten und es dann zu der Beauftragung eines Schallschutzgutachtens kommt, welches auch die Bezirkssportanlage und damit den Rest der Fläche als Freizeitstandort gefährden könnte.

Herr Frey versichert, dem Förderverein das Gutachten zukommen zu lassen, um dann einen konstruktiven Dialog über die Zukunft des Standortes zu führen. Um das Freibad Weende wurde sich allerdings seit der Übernahme immer wieder so gekümmert, wie um die anderen Göttinger Bäder auch. 2004 wurde zuletzt die Beckenfolie ausgetauscht und die Chlordosierungsanlage wurde vor ca. 2 Jahren erneuert. Erst nach der Übernahme durch die Stadt wurde das Bad mit einer Beckenwassererwärmung ausgestattet und mit vielen weiteren Attraktionen versehen. Zu der geringen Schulnutzung erklärt Herr Frey, dass man bei solchem Wetter, wie man es im letzten und vorletzten Sommer erlebt hat, auch in den anderen Bädern kaum Besuch von Schulklassen hatte, da es zu kalt war. Zu den Kosten der Sanierung ist zu sagen, dass Freibäder, die in letzter Zeit saniert wurden (z. B. Münster oder Erfurt) auch Sanierungskosten in dem hier genannten Umfang hatten. Es soll geprüft werden, ob die von Herrn Gramsch angesprochenen Referenzbäder einen Sanierungsaufwand in ähnlichem Umfang hatten. Sollte ein Teil der Fläche verkauft werden, so wird sichergestellt, dass dort keine Wohnbebauung erfolgt. Insgesamt wäre es wünschenswert, dass die Fläche weiterhin zur Freizeitnutzung zur Verfügung steht.

Herr Dr. Öttler stellt die Frage, was mit den Sitzungen der Sportentwicklungsplanung in Bezug auf das Freibad erreicht werden kann und ob es sich lohnt, gemeinsame Ziele für diesen Bereich zu erarbeiten.

Ein Gast möchte in Erfahrung bringen, wie viele Schwimmstunden noch für die Schulen vorgesehen sind.

Herr Frey berichtet, dass die Becken des Badeparadieses, die für Schulsport zur Verfügung stehen nahezu immer ausgebucht sind. Seit dem Bau des Badeparadieses wird daher mehr Schwimmunterricht durch die Schulen durchgeführt als je zuvor. Auch Schulen des Landkreises nutzen dieses Angebot.

Herr Holefleisch betont noch einmal, dass es für die Zukunft des Freibades Weende keine interne Vorentscheidung gibt. Mit dem Thema wird offen umgegangen und es soll nicht das Ziel sein, die betroffenen Bürgerinnen und Bürger zu übergehen. Aber man muss auch sehen, dass es mehrere Stadtteile gibt und der Rat erst einmal über das Entschuldungshilfeprogramm entscheiden muss. Die Politik setzt sich für das Bad ein, wird aber trotzdem die finanzielle Situation der Stadt berücksichtigen und eine Abwägung treffen müssen. Die gleiche Situation, Altes aufzugeben und etwas Neues zu schaffen, gab es damals bereits mit dem alten Stadtbad. Mittlerweile hat sich aber der Neubau des Badeparadieses bewährt. Herr Holefleisch schlägt vor, das Gutachten für alle zugänglich darzustellen und eine Aufstellung über die Gelder, die in das Bad gesteckt wurden zu erstellen.

Herr Meyer erklärt, dass das Bad in der Saison 2012 auf jeden Fall noch geöffnet werden soll, dass aber während dieser Zeit unbedingt eine Entscheidung über die Zukunft getroffen werden muss. Bäder sind immer ein defizitärer Betrieb, bei dem man die Gesamtsituation im Auge behalten muss. Die heutigen Besucherzahlen rechtfertigen drei Freibäder für Göttingen nicht mehr, da viele Menschen heute ihre Freizeit entweder ganz anders verbringen oder sich am Baggersee aufhalten. Das Sportbecken am Badeparadies war eine gute Idee um den Schulsport nach vorne zu bringen.

Zu dem Einwurf eines Gastes, dass ja auch der Maschpark ohne Zustimmung der Bürger verkauft werden solle, antwortet Herr Meyer, dass dieser nicht verkauft wird, sondern lediglich die Grundstücke am Maschmühlenweg erschlossen werden sollen, was den Vereinssport aber in keiner Weise behindern wird.

Herr Dr. Pfahl erinnert daran, dass der Stadtteil Weende der zweitgrößte in Göttingen ist und somit den Wünschen und Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger auch Beachtung geschenkt werden muss.

Herr Gramsch betont, dass die finanzielle Situation der Bevölkerung nicht mehr so gut ist, dass sich viele Menschen Urlaub am Wasser leisten können. Deshalb ist es wichtig hier das Freibad zu erhalten.

Herr Meyer erklärt noch einmal, dass es finanziell nicht möglich ist, das Bad in der jetzigen Form zu sanieren.

Herr Güntzler fasst abschließend zusammen, dass der Sportausschuss sehr an einer offenen Diskussion zu diesem Thema interessiert ist. Es ist notwendig Transparenz zu schaffen und sich bereits jetzt Gedanken über Alternativen zu machen. Nach der Entscheidung über das Entschuldungshilfeprogramm im Rat am 11.05.2012 sollte die Diskussion fortgeführt werden.

 

Einwohnerfragestunde

Herr Güntzler unterbricht um 19:20 Uhr die Sitzung und gibt den anwesenden Einwohnern Gelegenheit, Fragen an den Ausschuss zu stellen.

Herr Kunze möchte erfahren, ob in diesem Jahr die Eintrittspreise in den Bädern angehoben werden sollen.

Herr Frey erklärt, dass dies nicht der Fall sein wird.

Herr Kunze fragt weiterhin, ob der Brunnen auf dem Heisenbergplatz trotz einer Umgestaltung erhalten bleiben soll.

Diese Frage wird vom Ausschussvorsitzenden, Herrn Güntzler, bejaht.

 

 
 

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