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41. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses
TOP: Ö 5
Gremium: Jugendhilfeausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 09.06.2011 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 19:02 Anlass: Ordentliche Sitzung
Raum: Sitzungsraum THORN (126), Hiroshimaplatz 1 - 4, 37083 Göttingen (barrierefrei)
Ort:
 
Wortprotokoll
Beschluss

Frau Dr

 

Frau Dr. Draing, Leiterin der Fachstelle Diagnostik, und Frau Broeckmann stellen ihre Arbeit vor.

 

Frau Dr. Draing erläutert, die Fachstelle befinde sich in den Räumen der JSN am Gothaer Platz. Man biete auch Außensprechstellen in Northeim und Osterode an.

 

Das Team sei interdisziplinär mit Mitarbeitern/-innen aus dem pädagogischen und psychotherapeutischen Bereich besetzt.

 

Eingangs erläuterte Frau Dr. Draing den Begriff der seelischen Behinderung, wie ihn der § 35 a SGB VIII definiert. Danach müsse die seelische Gesundheit eines Kindes oder Jugendlichen mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen. Außerdem müsse durch die Abweichung der seelischen Gesundheit die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt sein oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten sein.

 

Die Jugendämter Südniedersachsens beauftragten die Fachstelle, gutachterliche Stellungnahmen hinsichtlich seelischer Störungen von Kindern und Jugendlichen und daraus resultierender Teilhabegefährdung nach § 35 a SGB VIII zu erstellen. Man prüfe, ob bei den Kindern die vermutete und/oder eine andere psychische Behinderung vorliege. .Die Begutachtung erfolge nach dem Multiaxialen Klassifikationsschema psychischer Störungen.  Man nutze die klinische Diagnostik oder andere Testdiagnostiken. Man arbeite mit den Kooperationspartnern SPZ und  TBZ sowie niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiatern zusammen.

 

Die Überprüfung der Teilhabegefährdung geschehe über eine Risiko- und Schutzfaktorenanalyse.

 

Alle erhobenen Informationen würden den Jugendämtern übermittelt, die die Entscheidung über die Hilfegewährung träfen.

 

Jährlich würden ca. 680 Anträge bearbeitet, 73 % davon zur Überprüfung der Notwendigkeit einer Legasthenie- oder Dyskalkulietherapie.

 

Darüber hinaus würde die Fachstelle zunehmend mit außerhalb des § 35 a SGB VIII stehenden Fragestellungen betraut, z.B. zu Fragen der Möglichkeiten der Rückführung fremd untergebrachter Kinder in die Herkunftsfamilie.

 

Frau Broeckmann schildert im Folgenden den typischen Ablauf bei einer Legasthenie- oder Dyskalkulie- und anschließend auch bei einer Autismusdiagnostik.

 

Auf Nachfrage von Frau Oldenburg erläutert Frau Broeckmann, dass 2009 42 % aller Legasthenie- und Dyskalkulie-Anträge auch in der Diagnostik bestätigt worden seien. Die Zahl der Empfehlungen für die Gewährung einer Schulbegleitung sei steigend.

 

Herr Friebe macht darauf aufmerksam, dass die in § 35 a geforderte Prognose für die nächsten sechs Monate hinsichtlich einer möglichen Teilhabegefährdung zu kurz gegriffen sei. Kinder mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche in der vierten Klasse könnten gut in ihr soziales Umfeld integriert sein, bekämen aber bei der späteren Lehrstellensuche erhebliche Probleme. Es mache deshalb Sinn, schon frühzeitig mit der Förderung zu beginnen.

 

Ferner fragt er, wie Kinder einen Zugang zu einer Therapie bekämen, deren Eltern sich um ihre Entwicklung nicht kümmern würden. Herr Witschel antwortet, dass sich Einrichtungen (Kindergärten, Schulen) an den Allgemeinen Sozialdienst wenden könnten.

 

Frau Valena fragt nach dem Migranten/-innenanteil bei den Diagnostiken. Frau Dr. Draing antwortet, dass man Kinder/Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht statistisch erfasse, es seien aber nur wenige Fälle. Auf Nachfrage erläutert sie, dass man nur deutsche Rechtschreibtests anwende.

 

Frau Behbehani bedankt sich bei den Vortragenden und verabschiedet sie.

 

Frau Behbehani verlässt um 17:58 Uhr die Sitzung, Frau Fischer übernimmt den Vorsitz.

 

 

 

 

 

 
 

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