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60. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planung und Grundstücke
TOP: Ö 6
Gremium: Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Do, 19.08.2010 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:03 - 20:25 Anlass: Ordentliche Sitzung
Raum: Sitzungsraum CHELTENHAM (118), Hiroshimaplatz 1 - 4, 37083 Göttingen (barrierefrei)
Ort:
 
Wortprotokoll
Abstimmungsergebnis
Beschluss

Frau Lorenz erläutert, dass Maastricht als Exkursions-Ziel ausgewählt worden sei, da diese Stadt über eine ähnliche Größe wie Göttingen verfüge und ebenfalls Universitätsstadt sei, auch wenn die Universität mit rd

 

Frau Lorenz erläutert, dass der Bauausschuss im Zusammenhang mit der Fortschreibung des Innenstadtleitbildes sowie aktueller Fragestellungen der Innenstadtentwicklung in diesem Sommer eine Fachexkursion durchgeführt habe. Als Exkursions-Ziel sei Maastricht – die Hauptstadt der süd-niederländischen Provinz Limburg - ausgewählt worden, da diese Stadt zahlreiche vergleichbare Parameter wie Göttingen aufweise. So verfüge Maastricht mit rd. 120.000 Einwohnern über eine ähnliche Größe. Maastricht sei ebenfalls Universitätsstadt, auch wenn die Universität mit rd. 6.000 Studenten deutlich kleiner sei, als die Georgia Augusta. Ferner sei auch hier der historische Innenstadtkern weitestgehend unzerstört erhalten geblieben.

 

Es gebe jedoch auch deutliche strukturelle Unterschiede. So sei Maastricht geprägt durch die zentrale Lage zwischen den Großräumen Aachen, Brüssel und Lüttich, was dazu geführt habe, dass sich die einkommensstarken Schichten dieser Zentren – v.a. aus Brüssel – in Maastricht angesiedelt hätten. Dies zeitige auch Auswirkungen auf den Einzelhandel: Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft sei in Maastricht deutlich höher, als in Göttingen; die Innenstadt zeichne sich durch eine sehr kleinteilige Einzelhandelsstruktur aus. In der Innenstadt befänden sich rd. 100.000 qm Verkaufsfläche (zum Vergleich: 70.000 qm in Göttingen). Dabei müsse jedoch berücksichtigt werden, dass in den Niederlanden großflächiger Einzelhandel außerhalb der Kernstadt i.d.R. nicht zulässig sei.

 

Die Wirtschaft Maastrichts sei geprägt durch Tourismus, Handel und Dienstleistung; die Arbeitslosenquote sei vergleichsweise gering.

 

Herr Lepper ergänzt, dass zur Gestaltung der Verkehrsflächen im öffentlichen Raum vorrangig Natursteinmaterialien verwendet würden. Die Werbung zeichne sich durch eine zurückhaltende Gestaltung aus. In der Innenstadt seien für die Möblierung der Gastronomie einheitliche Gestaltungskriterien vorgeschrieben. Seines Erachtens solle insbesondere hinsichtlich des letztgenannten Aspektes geprüft werden, ob und inwieweit eine derartige Vorgehensweise auch auf Göttingen übertragen werden könne.

 

Hinsichtlich der Gestaltung der Innenstadt sei ein starkes privatwirtschaftliches Engagement festzustellen gewesen. Allerdings müsse dabei auch die deutlich größere wirtschaftliche Potenz der Maastrichter Kaufmannschaft berücksichtigt werden. Der Strukturwandel des Innenstadt-Einzelhandels hin zu hochwertigem Einzelhandel sei jedoch auch nicht unproblematisch. Die z.T. sehr aufwändige Sanierung der historischen Bebauung habe zu einem deutlichen Anstieg der Ladenmieten geführt, so dass der herkömmliche Einzelhandel aus der Innenstadt weitestgehend verdrängt worden sei. Entsprechendes gelte auch für den Wohnungsbau. In Quartieren mit hochwertigem Wohnungsbau hätten sich z.T. Strukturen ohne nachhaltige Aufenthaltsqualität entwickelt. 

 

Maastricht betreibe eine systematische und langfristige strategische Entwicklungsplanung für Innenstadt- und Konversionsflächen. Dadurch werde für potentielle Investoren ein hohes Maß an Verlässlichkeit und Transparenz erreicht.

 

Insgesamt müsse nun sorgfältig geprüft werden, welche der in Maastricht vorgefundenen Lösungsansätze auch in Göttingen zur Anwendung kommen könnten. Es bleibe allerdings festzustellen, dass auch in Göttingen bereits zahlreiche positive Ansätze verfolgt würden; er verweise hierzu auf das Leitbild 2020 sowie das Innenstadtleitbild, welches derzeit erarbeitet werde.

 

Nach Ansicht von Herrn Holefleisch sei die Exkursion sehr informativ und von hohem Gewinn für die tägliche Arbeit gewesen. Er fordere die Verwaltung auf, gerade in Zeiten eines sinkenden Personalbestandes vermehrt in die Fortbildung der Mitarbeiter zu investieren und in diesem Zusammenhang auch derartige Fachexkursionen anzubieten.

 

Positiv aufgefallen sei ihm in Maastricht v.a. die qualitätsvolle Werbung; auf „schreiende Werbung“ sei vollständig verzichtet worden. Ein weiteres Ergebnis für ihn sei gewesen, dass ein geordnetes Abstellen von Fahrrädern im öffentlichen Raum dann erreicht werden könne, wenn ausreichende – und v.a. hochwertige – Anlagen vorgehalten würden. Am Beispiel von Maastricht habe sich aber auch sehr deutlich gezeigt, dass Stadtentwicklungspolitik auch stets Sozialpolitik sei.

 

Frau Behrens (Pro City) teilt die Einschätzung von Herrn Holefleisch; eine derartige Exkursion trage dazu bei, die heimischen Probleme unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Die Veranstaltung sei daher für weitere Planungen sehr hilfreich gewesen. Dies treffe insbesondere auf die Frage der Fahrradabstellanlagen, der Gestaltung und Möblierung der Außengastronomie aber auch auf die Perspektivplanung für künftige Investoren zu.

 

Nach Ansicht von Herrn Kromschröder habe sich Maastricht als liebenswürdige europäische Metropole präsentiert. Es sei jedoch auch deutlich geworden, dass ein solch positives Ergebnis nur zu erreichen sei, wenn regelmäßige Planungsuntersuchungen durchgeführt und darauf aufbauend der Dialog mit den Betroffenen und den Bürgern gesucht werde. Eine Kommune müsse ggfs. auch den Mut haben, Investoren abzulehnen.

 

Auf Nachfrage von Frau Rohmann erläutert Frau Lorenz, dass Barrierefreiheit in Maastricht – wie generell in den Niederlanden – noch kaum ein Thema sei.

 

Abschließend erklärt Herr Holefleisch, dass er Wert auf die Feststellung lege, dass die Teilnehmer der Exkursion einen Großteil der Kosten selber getragen hätten.

Sodann beschließt der Ausschuss einstimmig:

Sodann beschließt der Ausschuss einstimmig:

 

Der Bericht der Verwaltung wird zustimmend zur Kenntnis genommen

 

Der Bericht der Verwaltung wird zustimmend zur Kenntnis genommen.

 
 

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