zurück
 
 
11. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Umweltausschusses
TOP: Ö 5
Gremium: Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 24.06.2008 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 18:00 Anlass: Ordentliche Sitzung
Raum: Sitzungsraum CHELTENHAM (118), Hiroshimaplatz 1 - 4, 37083 Göttingen (barrierefrei)
Ort:
 
Beschluss

Frau Tippach-Kemmling von der unteren Naturschutzbehörde stellt das Feldhamsterschutzkonzept für 2008 vor

 

Frau Tippach-Kemmling von der unteren Naturschutzbehörde stellt das Feldhamsterschutzkonzept für 2008/2009 vor. Der Feldhamster zählt nach dem  Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit der Einstufung in Anhang IV der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie) zu den streng geschützten Tierarten. Eine zentrale Bestimmung der FFH-Richtlinie besagt, dass jeder Mitgliedstaat Gebiete benennen, erhalten und ggf. entwickeln muss, die für gefährdete Lebensräume und Arten wichtig sind.

Weiterhin führt Frau Tippach-Kemmling aus, dass lt. Baugesetzbuch ergänzende Vorschriften zum Umweltschutz im Rahmen einer Bauleitplanung in der Abwägung zu berücksichtigen und entsprechende Ausgleichsmaßnahmen darzustellen sind.  Eine sachgemäße Abwägung ist nur möglich, wenn alle Faktoren bekannt sind. Zu diesen Faktoren zählt auch jedes Vorkommen einer streng geschützten Art, so dass im mutmaßlichen Vorkommensgebiet des Feldhamsters auf Ackerstandorten prinzipiell eine Kartierung des Feldhamsters notwendig ist. Wenn im Bebauungsplan alle erforderlichen Maßnahmen zum Feldhamsterschutz festgesetzt sind, ist davon auszugehen, dass damit die Voraussetzungen für die Erteilung der artenschutzrechtlichen Befreiung, die zu einer Umsetzung erforderlich ist, erfüllt sind.

Damit Feldhamster umgesiedelt werden können, müssen die erforderlichen Maßnahmen grundsätzlich geregelt sein. Auf diese Weise wird in allen Verfahren eine standardisierte Anwendung ermöglicht. Hierzu müssen Vorgaben zur räumlichen Zuordnung, zur Flächenauswahl, zum Flächenbedarf, zur Aufwertung des Lebensraumes und zum Monitoring einheitlich erarbeitet werden.

 

Zu Beginn des Feldhamsterschutzkonzeptes 2008 sind vorrangig Untersuchungen auf stadteigenen Flächen mit grundsätzlicher Eignung für die Population von Feldhamstern unter Berücksichtigung der  Bodenverhältnisse im Stadtgebiet Göttingen vorgesehen. 

Die Bestandteile des Schutzkonzeptes umfassen die Erfassung möglicher lokaler Populationen auf den ausgewählten Potenzialflächen und Feststellung des Erhaltungs-zustandes in der Zeit von Mai 2008 bis Herbst 2009.  Die Untersuchung von Entwicklungsflächen erfolgt nach den folgenden Eignungskriterien: unter anderen werden Bodenart/-struktur, Grundwasserflurabstand, Flächengröße, vorhandene Rückzugs- und Schutzräume, Nähe zur Ortschaften/Siedlungen, Zerschneidung, Verkehrsgefährdung und aktuelle Nutzung sowie geplante Maßnahmen  analysiert.

Die Festlegung von Entwicklungsflächen und –Maßnahmen in geeigneten Bereichen wird ab Herbst 2008 bis Winter 2009 stattfinden. Anschließend soll ein Gesamt-Entwicklungskonzept für die lokale Hamsterpopulation auf allen ausgesuchten Flächen im Jahr 2009 entwickelt werden.

Am Feldhamsterschutzkonzept  beteiligen sich die untere Naturschutzbehörde der Stadt Göttingen, Planungsbüro LAREG Braunschweig, NLWKN – Bereich Artenschutz Säugetiere. Mit eingebunden in die Diskussion über die Abstimmung der ausgesuchten Flächen sind die Naturschutzverbände der Stadt Göttingen. Der Fachdienst Stadtplanung der Stadt Göttingen  und der Fachdienst Immobilienmanagement als Flächeneignerin werden in die Umsetzungsberatungen eingebunden.

Eine Umsetzung der FFH-Richtlinie ist nur schrittweise möglich in Abhängigkeit der vorhandenen Finanzmittel.

Frau Tippach-Kemmling  ergänzt abschließend, im Nordbereich der Universität wurde bereits erfolgreich eine Umsetzung durchgeführt.

Herr Dr. Scherer dankt Frau Tippach-Kemmling für den gehaltenen Vortrag.

Herr Dr. Joger stellt fest, dass erstmalig ein Artenhilfsprogramm im Ausschuss vorgestellt wird. Es sollte der Ansatz erreicht werden, dass erst geprüft wird, wo die Feldhamster leben, und dann erst Flächen Investoren angeboten werden. In der Vergangenheit wurden von Investoren Flächen ausgesucht und dann erst geprüft, ob dort Feldhamster leben. Vorab sollte geklärt werden, auf welchen Flächen lebt der Feldhamster, wo könnte es Konflikte geben.

Weiter führt Herr Dr. Joger aus, es sollte ferner vorbeugend berücksichtigt werden, an welchen Orten die Feldhamster bevorzugt leben möchten. Die Beschaffenheit der unterschiedlichen Böden sollte beachtet werden.

 

Herr Dienberg erläutert, dass im Rahmen  einer sorgfältigen Bestandsanalyse  Nutzungskonflikte in absehbarer Zeit vermieden werden sollen. Das Konzept sei ein fachplanerischer Beitrag zum Flächennutzungsplan der Stadt Göttingen.

Herr Semmelroggen merkt an, dass 95 % des Gebietes der Geismaraner Feldmark von der Landwirtschaft genutzt werden. Es würden somit nur brachliegende Flächen in Frage kommen.

 

Frau Tippach-Kemmling erläutert, in der Feldmark von Geismar wird es voraussichtlich zwei bis drei Ausgleichsflächen geben. Die Bodenverhältnisse sind dort grundsätzlich geeignet. Als  Wintervorräte ist der Anbau von Luzerne geplant. Mit der Landwirtschaft soll ein Konsens gefunden werden, damit ein Ausgleich nach den Vorgaben der unteren Naturschutzbehörde durchgeführt werden kann.

 

Herr Semmelroggen ergänzt, dass es bei der Geismaraner Feldmark um die größte Feldmark von Göttingen handelt.

 

Frau Bank fügt hinzu, auch bei der Gärtnerei Marx in Grone befinden sich Hamsterpopulationen. Frau Bank fragt nach, wie so eine Umsetzungsmaßnahme konkret durchgeführt wird. 

 

Frau Tippach-Kemmling erwidert, die Feldhamster werden auf die vorbereitete Fläche umgesetzt mit den entsprechend vorbereiteten Bauten. Einzelne Tiere werden mit einem Chip versehen und können so auf den Flächen beobachtet werden. Dieses Monitoring dient als Erfolgskontrolle.

 

Herr Mederake/BUND begrüßt, dass jetzt ein Umdenken bei der Stadt Göttingen einsetzt.

Es sei an der Zeit ein geeignetes Konzept zu erstellen. Zweckmäßig sei, Pläne zu erstellen für Flächen, wo die Hamsterpopulationen sich befinden. Der Beginn  der Er-fassung sollte an den akuten Brennpunkten der geplanten Gewerbegebiete Göttingen/West für IKEA und am Siekanger erfolgen. Eine Umsetzung von Hamsterpopulationen sollte die Ausnahme sein. Bedacht werden sollte, dass diese Flächen für Hamster eine elementare Lebensgrundlage darstellen können. Wichtig sei ebenfalls, für dieses Projekt ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.

 

Herr Dienberg plädiert dafür, auf geplanten Gewerbeflächen eventuelle Hamsterpopulationen für bauliche Projekte umzusiedeln. Aus diesem Grund soll der Flächennutzungsplan um das Schutzkonzept erweitert werden. Ziel sei,  Konfliktsituationen im Vorfeld zu vermeiden.

 

Erfreut zeigte sich Herr Endres/BUND darüber, dass ein Konzept für Gewerbeflächen unter Berücksichtigung der Hamsterpopulationen entwickelt wird.

Weiterhin müsste nach Ansicht von Herrn Endres/BUND ein regionaler Masterplan über die politischen Grenzen hinaus unter Einbeziehung des Landkreises Göttingen für die Feldhamster aufgestellt werden. Mit eingebunden werden sollte auch der Landkreis Northeim. Herr Endres wünscht sich eine stärkere Beteiligung der Naturschutzverbände.

Ferner spricht sich Herr Endres dafür aus, Umsiedlungsflächen in den urbanen Bereich zu integrieren, so wie es z. B. auf dem nördlichen Universitätsgelände erfolgreich durchgeführt wurde.

Herr Endres weist abschließend darauf hin, dass auch in Herberhausen und Deppoldshausen Hamsterpopulationen zu finden sind.

 

 

 
 

zurück