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9. öffentliche Sitzung des Ortsrates Roringen
TOP: Ö 6
Gremium: Ortsrat Roringen Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Do, 22.11.2007 Status: öffentlich
Zeit: 19:00 - 21:50 Anlass: Ordentliche Sitzung
Raum: eigener Eintrag
Ort:
FB61/531/07 Entwicklung kleinräumiger Baugebiete in den Ortsteilen
- Gesamtkonzept 'Siedlungsentwicklung im Ortsteil Roringen'
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage/sonstige Vorlage
Federführend:61-Fachbereich Planung, Bauordnung und Vermessung   
 
Wortprotokoll
Beschluss

Herr Ortsbürgermeister Caspers begrüßt Herrn Ohlow vom Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung und führt aus, dass sich der Orts

Herr Ortsbürgermeister Caspers begrüßt Herrn Ohlow vom Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung und führt aus, dass sich der Ortsrat seit Jahren um die Ausweisung eines Neubaugebietes in Roringen bemühe. Bisherige Möglichkeiten seien leider nicht realisierbar gewesen. Im Oktober habe der Ortsrat eine Anregung beschlossen, den südlichen Menzelberg baulich zu erschließen.

 

Herr Ohlow erläutert, dass er dem Ortsrat heute konzeptionelle Überlegungen vorstellen werde, zu denen es normalerweise erst im Verlauf von Baulandentwicklung komme.

Im Jahr 2004 sei ein Konzept zur Siedlungsentwicklung in den Ortsteilen erstellt worden, welches dazu dienen solle, die Ortsteile und deren Infrastruktur zu stabilisieren sowie den Baulandbedarf vor Ort zu decken. Festzustellen sei, dass bei zurückgehender Bevölkerung auch die Infrastruktur schrittweise zurückgefahren werde.

Im Jahr 2006 sei ein Gutachten erstellt worden, welches die Nachfrage nach Bauland räumlich differenziert darstelle. Ziel der Verwaltung sei, junge Familien an Göttingen zu binden und den Trend des Wegziehens in die Umlandgemeinden umzukehren.

Das kürzlich erstellte Leitbild 2020 sei eine gute Fachgrundlage sowie ein gutes Instrument für die Politik; darin sei Roringen mit den Themen Wohnen und Infrastruktur berücksichtigt.

Mittels des Baulandmanagements, zu dem beispielsweise der Kinderbaulandbonuns gehöre, sei es möglich, preiswertes Bauland zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung sei, dass die Stadt in den Besitz der Grundstücke gelange.

Anhand einer Power-Point-Präsentation stellt Herr Ohlow die besondere Lage Roringens im Stadtgebiet sowie die demographische Situation dar. Mindestens 20% der Einwohnerinnen und Einwohner Roringens seien älter als 65 Jahre, so dass Handlungsbedarf in Sachen Wohnen und Infrastruktur bestehe.

Anschließend geht Herr Ohlow näher auf die Siedlungsstruktur ein. Die alte Ortslage habe ihren besonderen Wert u.a. in den Streuobstwiesen und alten Hofanlagen. Die Neubaugebiete am Menzelberg hätten ebenfalls hohe Qualitäten. Der obere Menzelberg sei seinerzeit als homogenes Baugebiet entstanden. Aufgrund des Alterungsprozesses werde es in diesem Bereich in den nächsten Jahren einen Nutzungswandel geben.

Baulücken seien nur auf vereinzelten Flächen vorhanden. Jedoch habe man keinen Einfluss, dass dort auch tatsächlich gebaut werde.

Der Flächennutzungsplan stelle am Menzelberg Flächen für Wohnbebauung dar. Ein Baugebiet am Rottenanger sei nicht zu realisieren gewesen, die Außenbereichsflächen seien eher hinten an zu stellen, da Roringen über einen abgegrenzten Ortsrand verfüge und von Landschaftsschutz umgeben sei.

Der südliche Menzelberg sei von Grünflächen und Durchfahrten zu Grundstücken sowie durch seine starke Topographie geprägt. Auf der Fläche sei eine typische Parzellierung festzustellen. Eine städtebauliche Studie zum südlichen Menzelberg habe ergeben, dass dieser unter bestimmten Rahmenbedingungen bebaubar sei. So müsse das Gebiet über Stichwege weiter erschlossen werden. Grundstücksgrößen seien zwischen 500qm und 700qm möglich; jeweils vier Gebäude würden mittels eines Stichweges einen Hof bilden. Auf den insgesamt 1,5 ha seien so 24 Wohneinheiten möglich. Um den bisher bestehenden Naturraum in Ansätzen zu erhalten und die Anlieger nicht noch stärker zu belasten, sollte die Zahl der Wohneinheiten auch nicht weiter erhöht werden. In lockerer Anordnung erscheinen Einzelhäuser, sowie Hausgruppen/Doppelhäuser am angemessensten.

Der seit Jahren im Ort gewünschte Verbindungsweg sei in die Planung mit aufgenommen, da wichtig sei, das Altdorf mit dem Menzelberg fußläufig zu verbinden. Die Erschließung der vorhandenen Grundstücke sei bei dieser Planung weiterhin möglich. Durch die Lage des Baugebietes und die Ausrichtung nach Süden sei es möglich, ein besonderes Profil zu entwickeln und z.B. die Nutzung von Solarenergie gut zu realisieren.

Formell müsse das Gebiet aus dem Landschaftsschutz entlassen werden. Aus stadtplanerischer Sicht sprechen viele Gründe für eine solche Entlassung, wenn entsprechender Ausgleich geschaffen werde.

Damit das Baulandmanagement zum Tragen komme, müsse die Stadt die Grundstücke erwerben können. Dann könnten die Grundstücke gegebenenfalls unter Gewährung des Kinderbaulandbonusses direkt an die Bauherren weiter verkauft werden. Voraussetzung sei, dass die Grundstückseigentümer, die Politik und die Verwaltung an einem Strang zögen.

 

Herr Ortsbürgermeister Caspers führt aus, dass das Konzept die Potenziale Roringens aufzeige und die Flächen am Menzelberg planerisch durchdacht worden seien. Wichtig sei, dass durch die Ausweisung eines Baugebietes die Infrastruktur stabilisiert werde. So sei in diesem Jahr z.B. nur ein Kind aus Roringen eingeschult worden; eine 1. Klasse sei nicht gebildet worden. Ein Baugebiet sei wichtig für den Erhalt der Kindertagesstätte und der Stadtbusanbindung. Ein Baugebiet am Rottenanger sei leider nicht realisierbar gewesen und stelle zudem aufgrund der Lärmbelastung durch die B27 kein bevorzugtes Baugebiet dar.

Sofern ein entsprechender Ausgleich herzustellen sei, spreche fachlich nichts gegen eine Entlassung des südlichen Menzelberges aus dem Landschaftsschutz.

 

Auf die Frage von Herrn Rosenplänter, ob eine Erweiterung der Baugebietsfläche möglich sei, wenn großflächig eine Entlassung aus dem Landschaftsschutz erfolge, antwortet Herr Ohlow, dass dies die Untere Naturschutzbehörde bewerten müsse.

 

Auf die Frage, an welcher Stelle die Ausgleichsmaßnahmen erfolgten, antwortet Herr Ohlow, dass dies nicht festgelegt sei, in der Regel aber innerhalb des Gebietes der Stadt Göttingen stattfinde.

 

Herr Ortsbürgermeister Caspers ergänzt, dass der Ausgleich in der Regel dort erfolge, wo der Eingriff stattfinde. Sofern dies dort nicht möglich sei, gäbe es sogenannte Ersatzmaßnahmen.

 

Frau Stadlhuber regt an, bei diesen Maßnahmen die Meyergasse mit einzubinden.

 

Herr Bornemann fragt, ob Flächen für eine eventuelle Friedhofserweiterung freigehalten würden.

 

Herr Ohlow stellt dar, dass aufgrund von Prognosen und einer sich verändernden Bestattungssituation die Flächen eigentlich nicht mehr benötigt würden. Es handele sich um einen sensiblen Bereich der nicht übergangen und sorgfältig abgewogen werde.

 

Herr Massow ergänzt, dass ein verändertes Bestattungsverhalten zu einem geringerem Flächenbedarf führe.

 

Anschließend gibt der Ortsrat den anwesenden Einwohnerinnen und Einwohnern Gelegenheit, sich zu dieser Angelegenheit zu äußern.

Herr Dr. Laubstein erklärt, dass durch diesen massiven Eingriff maximal ein Bevölkerungszuwachs von 5% möglich sei.

 

Herr Ohlow führt aus, dass es für den Ort insgesamt um eine Attraktivitätssteigerung gehe. So zögen Investitionen weitere Investitionen nach sich; ein positiver Generationenwechsel fände statt. Um vorhandene Qualitäten zu nutzen sei es am Besten, junge Familien in den Ort zu holen.

 

Herr Herbst merkt an, dass es sich um einen massiven Eingriff in die Ökologie und die Wohnqualität der Anwohner handele. Die Infrastruktur werde sich durch das Baugebiet nicht verbessern.

 

Herr Ohlow stellt dar, dass Roringen vergreise, wenn nicht junge Familien in den Ort geholt werden könnten. Bei andauernder Entwicklung sei zudem ein Wertverlust an bestehenden Gebäuden und Grundstücken zu erwarten. Dem könne nur mit aktiver Bauentwicklung entgegen gewirkt werden.

 

Herr Streichert erläutert, dass der Wert Roringens auch durch die Grünfläche bestimmt werde, die jetzt bebaut werden solle. In Richtung Norden und Westen sei nur Ackerland vorhanden. Durch Sterbefälle käme es zudem automatisch zu Generationswechseln.

 

Herr Ohlow antwortet, dass der Wert Roringens auch durch andere Flächen bestimmt werde. Die vorgesehene Fläche werde nur zu einem Drittel bebaut. Die Verwaltung favorisiere, innerörtliche Ressourcen zu nutzen und keine Zersiedlung stattfinden zu lassen. Der angesprochene Generationswechsel finde lediglich in einigen Fällen statt, da immer weniger Kinder die Gebäude der Eltern übernähmen; so lebten immer mehr ältere Menschen immer länger in großen Häusern.

 

Frau Streichert führt aus, dass sie aufgrund der Attraktivität Roringens zurück in den Ort gezogen sei. Durch das Baugebiet läge ihr Grundstück dann auf einer „Verkehrsinsel“, was eine Wertminderung bedeute.

 

Auf die Frage eines Bürgers, ob bereits mit den Grundstückseigentümern gesprochen worden sei, antwortet Herr Ohlow, dass ohne entsprechende Gespräche und Bewertungen an das Konzept gegangen worden sei.

 

Herr Dr. Laubstein weist auf die problematischen Höhenunterschiede des Planungsgebietes hin. Für sein Gebäude bedeute das Baugebiet einen Wertverlust.

 

Herr Herbst merkt an, dass es sich bei dem Planungsgebiet um die schönste und auch am schwierigsten zu bebauende Fläche in Roringen handele. Mit den 24 geplanten Wohneinheiten würden die dargestellten Ziele nicht erreicht.

 

Herr Ohlow erläutert, dass der Flächennutzungsplan bereits seit 30 Jahren Bauland an dieser Stelle ausweise. Insofern müsse den anliegenden Eigentümern bewusst sein, dass es sich um Bauerwartungsland handele.

 

Herr Fock merkt an, dass bei 24 Wohneinheiten zwischen 40 und 80 PKW mehr für Roringen zu erwarten seien.

 

Herr Ohlow antwortet, dass die Verkehrssituation von der Verkehrsplanung geprüft und als vertretbar bewertet worden sei.

 

Herr Dr. Ritzkowski führt aus, dass die vorhandenen Pappeln angeblich ökologisch äußerst wertvoll sein sollen. Er halte diese eher für gefährlich, da die Äste bereits herunterfielen.

Auf dem Friedhof hätten in 2006 4 Urnen- und 1 Erdbestattung stattgefunden.

 

Frau Schwarz fragt, ob die Erschließungsstraße zweispurig ausgebaut würde und führt aus, dass der Verbindungsweg in den vergangenen Jahren nicht erreichbar gewesen sei. Durch die heute vorgestellte Planung sei der Weg plötzlich realisierbar.

 

Herr Ohlow erläutert, dass der Verbindungsweg in der Planung als Ziel formuliert sei. In Sachen Straßenbau gehe er von einer dörflich üblichen Breite aus.

 

Herr Scharfenstein weist darauf hin, dass der Flächennutzungsplan von 1975 eine Friedhofserweiterungsfläche vorsehe. Derzeit verfüge der Friedhof noch über 80 Grabstellen.

 

Herr Massow unterstreicht, dass Roringen junge Familien brauche. Hier sei ein schönes Baugebiet im Gespräch; die Frage sei der Preis, der für die Realisierung zu zahlen sei.

Für die Kirche bestehe in Sachen Friedhof nötigenfalls die Möglichkeit, entsprechendes Land zu erwerben.

 

Herr Hollenbach stellt fest, dass es gegen das Baugebiet große Gegenwehr nicht nur seitens der Anlieger gebe. Er fragt, ob die Möglichkeit einer Ausweisung eines Baugebietes an anderer Stelle, wie im Norden oder Westen bestehe.

 

Frau Valena erklärt, dass sie in der letzten Sitzung die Suche nach Alternativen angeregt habe. Für sie sei fraglich, wie die Meinung der Bewohner berücksichtigt werde.

 

Herr Massow merkt an, dass bei einer Planung an anderer Stelle entsprechend andere Personen sich gegen die Ausweisung aussprechen würden.

 

Herr Dumke führt aus, dass das Vorhaben einer Baulandausweisung lobenswert sei, da das Dorf Zukunft haben müsse. Unverständlich sei, dass für eine Zuwachskapazität von 5% an dieser Stelle ein Baugebiet ausgewiesen werden soll, obwohl Roringen im Westen und Norden erweiterungsfähig sei.

 

Herr Ohlow stellt fest, dass mit der heutigen Diskussion ein positiver Prozess in Gang gesetzt und viele Aspekte angesprochen worden seien. Die Friedhofsproblematik sei angekommen; ebenso die Lärm-, Verkehrs- und Umweltbelange. Alternativen würden im Rahmen einer Bauleitplanung abgeprüft; deren Bewertung sei wichtig bei einer Entlassung aus dem Landschaftsschutz. Für die vorgestellte Fläche spreche, dass sie im Flächennutzungsplan bereits als Baulandfläche enthalten sei. Alternativen seien grundsätzlich nicht auszuschließen. Die Verwaltung halte diese Fläche allerdings für geeignet. Die Aussagen der Bürgerinnen und Bürger, den Grünbereich zu erhalten würden ernsthaft abgewogen. Der Verwaltung strebe eine breite Bürgerbeteiligung an und hoffe, einen Konsens zu finden. Gemeininteressen seien zu Privatinteressen abzuwägen.

 

 

Herr Bornemann fragt, ob nach dem Beschluss des Ortsrates vom 18.10.07 auf Ausweisung des Neubaugebietes mit dem Eigentümer der Grundstücke am Rottenanger weiter verhandelt worden sei.

 

Herr Ohlow erläutert, dass es mit dem Eigentümer eine Reihe von Gesprächen gegeben habe, aus denen deutlich geworden wäre, dass kein Konsens zu erreichen sei.

 

Herr Bornemann weist darauf hin, dass die Höhenunterschiede im heute vorgestellten Planbereich zu hohen Kosten für die gewünschten jungen Familien führen würden.

 

Frau Stadlhuber merkt an, dass bei einem Baugebiet am Rottenanger die Kosten durch notwendigen Lärmschutz ebenfalls erhöht worden wären.

 

Herr Ortsbürgermeister Caspers dankt Herrn Ohlow für den ausführlichen Vortrag.

 

 

 
 

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